An der Generation Z liegt es sicher nicht. Der Raum im Haller Polizeirevier, in den Micha Weippert den ambitionierten Nachwuchs eingeladen hat, ist brechend voll mit jungen Leuten. Nicht wenige haben ihre Eltern mitgebracht. Die Infoveranstaltungen gehören zu einer groß angelegten Offensive des Landes, die der eigentlich bereits lange absehbaren Personalentwicklung bei der baden-württembergischen Polizei entgegenwirken soll.

Rund tausend Gesetzeshüter jährlich werden laut Innenministerium bis 2021 in den Ruhestand gegangen sein. Das entspreche einem Schwund von knapp 30 Prozent, wie Bernd Märkle, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Aalen, bestätigt. Wenn auch mit Einschränkungen: Man wisse zum jetzigen Zeitpunkt ja nicht, wie viele der Kollegen sich für eine Verlängerung ihrer Dienstzeit oder die Frührente entscheiden würden, was die Zahlen signifikant ändern könne.

Personell dünn besetzt

Das Einsatzgebiet des Polizeipräsidiums Aalen ist mit 3850 Quadratkilometern so groß wie das Saarland, das Land Berlin und das Land Bremen zusammen, kümmern sich derzeit rund 1150 Schutzpolizisten und 240 Kriminalpolizeibeamte um die Sicherheit von etwa 930 000 Einwohnern. Damit ist das drittgrößte der zwölf Flächenpräsidien Baden-Württembergs mit rein rechnerisch einem Polizeibeamten je 670 Einwohnern personell besonders dünn besetzt.

Jeweils 1800 Ausbildungsplätze hat die grün-schwarze Landesregierung für das vergangene und das laufende Jahr bewilligt. Eine ungeheure Zahl, sagt Micha Weippert. Als er 2000 seinen Dienst angetreten habe, seien gerade mal hundert junge Beamte pro Jahr nachgerückt. Annähernd so viele Polizisten in spe sind es allein bei den beiden ersten Nachwuchs-­Veranstaltungen des 38-­jährigen Polizeihauptkommissars, der am 1. Januar in die Fußstapfen von Hermann Schüttler trat – einem der tausend Beamten, die 2018 in Rente gingen.

Die meisten der 15- bis 18-Jährigen scheinen ihre Entscheidung schon getroffen zu haben. Auffällig hoch ist der Anteil der weiblichen Interessenten. Die 17-jährige Leonie freut sich auf einen abwechslungsreichen Beruf, David, 16 Jahre alt, will später Kriminalfälle aufklären, der 17-jährige Philipp hat längst beschlossen, die gleiche Laufbahn einzuschlagen wie vor ihm sein Großvater und Vater. „Es war immer mein Traum, Polizistin zu werden“, bekennt die 15-jährige Nathalie. Das passe zu ihr, da sie durchsetzungsstark sei und nicht der Typ, der gerne im Büro herumsitze.

Crailsheim

Ähnlich wie sie sieht das wohl ein junger Mann, der zugunsten einer Polizeikarriere den Abbruch seiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann in Erwägung zieht. Er will von Weippert wissen, ob sich dieser Plan mit seinem Engagement bei einer freiwilligen Feuerwehr vereinbaren ließe, und erfährt: Das sei machbar, solange er klare Prioritäten setze. Für den mittleren Dienst kann sich auf Weipperts Nachfrage hin niemand im Raum begeistern. Alle streben den gehobenen und höheren Dienst und das dafür notwendige dreijährige Hochschulstudium an.

Gutes Geld und Job-Garantie

Die Infoveranstaltungen bestätigen die Statistiken, die sich mit den Vorlieben der Generation Z befassen: Die Berufseinsteiger wünschen sich krisensichere Jobs, überschaubare Strukturen, festes Gehalt, exakte Stellenbeschreibungen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Dass Letzteres trotz oder gerade wegen der polizeitypischen Schichtdienste gegeben sei, betont Weippert mehrfach. Der Umstand, dass die Azubis bei der Polizei vom Start weg weit über tausend Euro verdienen, stößt ebenso auf Wohlgefallen wie die Einstellungsgarantie nach einer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung. Die verlange dem Einzelnen allerdings eine Menge ab, betont der erfahrene Beamte und fügt hinzu: „Aber wer das wirklich will, schafft es auch.“

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Vom Streifenpolizisten zum Einstellungsberater


Von klein auf war die Laufbahn als Polizist für Micha Weippert beschlossene Sache: „Mein einziger Plan B war, dass ich mich in Bayern bewerbe, falls es in Baden-Württemberg nicht klappt“, lacht der gebürtige Bad Friedrichshaller, der im Landkreis Schwäbisch Hall aufwuchs und heute in Michelbach wohnt. Der Polizeihauptkommissar, dem die Freude am Beruf aus den blauen Augen blitzt, ist wie geschaffen für die Aufgabe, junge Menschen für die Polizeiarbeit zu begeistern. Seit er 2000 bei der Bereitschaftspolizei Göppingen einstieg, hat er zahlreiche Stationen in verschiedenen Positionen durchlaufen, unter anderem in Stuttgart, Schwäbisch Hall, Aalen, Gaildorf und Kirchberg. Für die gehobene Laufbahn qualifizierte er sich von 2005 bis 2008 an der Hochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen. 2017 arbeitete er als Lehrer am Ausbildungsstandort Biberach. Dort habe er sein Talent für die Arbeit mit dem Nachwuchs entdeckt. Die häufigen Wechsel seien der Vorbereitung auf den höheren Dienst geschuldet, erklärt Weippert. Dieses Ziel habe er aber zugunsten seiner drei mittlerweile zwischen vier und acht Jahre alten Kinder aufgegeben. Als Einstellungsberater kommen ihm die vielfältigen Erfahrungen jetzt zugute: „Ich habe die große Bandbreite des Berufs selbst erlebt und kann glaubhaft vermitteln, wie abwechslungsreich und interessant die Tätigkeit ist.“ cito