Aufgrund zusätzlicher Sondierung und der Ergänzung um tiefere Bohrungen im Bereich des gesamten Tunnelverlaufs ruhe der Bau derzeit. Das sagt Erster Bürgermeister Peter Klink, der im Bau- und Planungsausschuss vergangene Woche einen Sachstandsbericht vorlegt. Die Diskussion um den Weilertunnel nimmt Fahrt auf. Aufgrund einer Anfrage der Grünen und eines Bürgers. „Wie entwickeln sich die Kosten?“, möchte Jutta Niemann, Grüne, von Klink wissen.

Allen voran sei der 399,80 Meter lange Tunnel eine Baumaßnahme des Bundes, da es um die B 19 geht. Beteiligt sei die Stadt Hall aber trotzdem mit einem Betrag, derzeit in Höhe von rund drei Millionen Euro. Von Gesamtkosten von circa 40 Millionen Euro war bis vor knapp einer Woche noch die Rede. Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass sich die Kosten mehr als verdoppeln.

Oberbürgermeister schätzt kosten für die Stadt auf 3,7 Millionen Euro

Im Ausschuss zeichnet Klink die Steigerung noch einmal nach. Die Stadt ist zum einen durch Planungsleistungen am Projekt beteiligt. Die Kosten trägt sie aber nicht alleine, sie erhält für die Verwaltungs- und Planungstätigkeiten einen prozentualen Anteil der auf den Bund entfallenden Baukosten. Das heißt: Bei steigenden Baukosten gibt es auch mehr Geld für die Planungsleistungen.

Oberbürgermeister Hermann-­Josef Pelgrim stellt klar, dass es nicht um die Deckelung von Planungskosten seitens der Stadt geht, sondern um eine prozentuale Höhe, die angepasst ist an die tatsächlichen Baukosten. „Normal sind es 3,74 Prozent“, sagt Pelgrim. Bei Baukosten in Höhe von 100 Millionen Euro wären es somit 3,7 Millionen Euro, die die Stadt zahlen muss.

In der Sitzung geht es auch noch um die unvorhergesehenen Mehrkosten. Darunter zum Beispiel die Hangsicherung im Bereich des ehemaligen Club Alpha. Geplant war dort ursprünglich ein Netz, jedoch waren die Gesteinsschichten zu locker und kleinteilig, führt Klink aus. „Daher musste ein größerer als bisher vorgesehener Bereich mit Spritzbeton gesichert werden.“

Schwäbisch Hall

Teurer wurde das Projekt auch durch den Fledermaustunnel. „Ich will Ihnen mal sagen, was der gekostet hat“, sagt Pelgrim in Richtung der Grünen. „1,8 Millionen Euro für 18 Tiere. Also 100.000 Euro pro Exemplar.“

Geld in die Hand genommen werden muss auch für die geotechnischen Gutachten. Jenes der erweiterten Probebohrung im Bereich der Schienen liege seit August vor. Es hat sich herausgestellt, dass die Bodenkennwerte im Bereich der Tunnelbaustelle schlechter sind, als nach der ersten Erkundung angenommen worden waren. „Aktuell überprüft das beauftragte Ingenieurbüro die Tunnelplanung noch einmal auf Grundlage dieser Kennwerte“, sagt Klink. Außerdem musste der für die Bauweise des Weilertunnels typische Mittelpfeiler breiter und tiefer ausgebildet werden als noch zum Stand 2015.

Behelfsbrücke Ende Sommer

Der nächste größere Baufortschritt ist für August/September 2020 geplant. Eine Behelfsbrücke zur Sicherung des Bahndamms im Bereich der Unterquerung durch den Tunnel soll eingebaut werden. Dafür muss die Eisenbahnstrecke gesperrt werden. „Wenn der Einbau in diesem Zeitfenster nicht gelingt, verschiebt sich das Ganze wieder um Jahre“, sagt Pelgrim. „Um drei Jahre“, ergänzt Klink.

Die Anstrengungen konzentrieren sich nun auf das Erreichen des Zeitfensters für den Einbau der Bahnbehelfsbrücke. Einen weiteren zeitlichen Ablauf will die Verwaltung noch nicht nennen. „Es wäre fahrlässig, über die Behelfsbrücke hinaus einen Zeitraum zu nennen“, sagt Klink. Verbindliche Aussagen seien erst nach der Fertigstellung der zweiten Kostenfortschreibung möglich, die für Ende des Jahres geplant sei.

In der vergangenen Woche wurde auch der Doppelhaushalt 2020/2021 im Gemeinderat eingebracht. 400.000 Euro sind dafür jeweils im Investitionsplan für 2020/2021 angeführt. „Die Rechnungen dafür kommen aber erst erheblich später“, erklärt Pelgrim in der Gemeinderatssitzung.

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Das letzte Puzzlestück der Stadtumfahrung


1968 traf der Bund mit der Stadt Hall eine Vereinbarung über den Ausbau der Ortsdurchfahrt von B 14 und B 19 zwischen dem Gaildorfer Dreieck und dem Friedhofsdreieck. Der Zeitpunkt der Realisierung des letzten Bauabschnittes, des Weilertunnels, war lange Zeit ungewiss. Dieser ist das letzte Puzzlestück in der Stadtumfahrung, mit deren Bau 1977 begonnen wurde. Der Bund hat den notwendigen Sichtvermerk für den vierspurigen Ausbau 1997 erteilt. Die Baufreigabe dann im Juli 2015. Im Jahr 2009 lagen die Kostenschätzungen für den Weilertunnel noch bei rund 26 Millionen Euro. Die derzeitigen Kosten von 36,3 Millionen Euro sollen sich nun verdoppeln. kv