Statistik Weihnachtsmarkt: Sind 250 000 Besucher realistisch?

Tobias Brändle (24), Marketingstudent in Künzelsau, befragt eine Weihnachtsmarkt-Besucherin. Er verwendet dazu einen Tabletcomputer, der die Daten direkt speichert.
Tobias Brändle (24), Marketingstudent in Künzelsau, befragt eine Weihnachtsmarkt-Besucherin. Er verwendet dazu einen Tabletcomputer, der die Daten direkt speichert. © Foto: Tobias Würth
Schwäbisch Hall / Tobias Würth 12.12.2018
Eine Studentengruppe zählt an vier Tagen die Personen in Hall und rechnet anhand der gespülten Tassen die Zahl hoch. auch an Regentagen kommen viele Gäste.

Die biblische Weihnachtsgeschichte startet mit Statistik: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.“ Der Start des Neuen Testaments beinhaltet auch die Grundlage aller Weihnachtsmärkte. Und das ist heute ein Problem. Wie viele Menschen besuchen die Glühweinstände, die Buden mit Schnitzereien und lassen sich vom Gesang auf der Bühne in Adventsstimmung versetzen?

Studium mit Glühwein

„Vor drei Jahren haben wir zum ersten Mal die Besucher gezählt“, berichtet Joachim Link, Profes­sor für Betriebswirtschaft mit Schwer­punkt Marketing und Medienmanagement des Campus Künzelsau an der Hochschule Heilbronn. Zum zweiten Mal begleitet er eine Gruppe von vier Studenten, die als Seminararbeit am Ende ihres Studiums den Weihnachtsmarkt erfasst.

Im vergangenen Jahr verkündete der Eigenbetrieb Touristik und Marketing stolz, dass mit 250 000 Gästen ein Besucherrekord erzielt wurde. Das wurde anhand der gespülten Glühwein- und Punschtassen mit einem Faktor 2,8 errechnet. Kurt Enßle, Kantor der Michaelskirche, zweifelte diese Zahlen in einem Leserbrief an. Umgerechnet auf die Öffnungstage müssten pro Stunde mehr als 1000 Besucher auf dem Platz sein. Da wird es zwischen den Buden eng.

Professor Link verteidigt die Schätzung: „Schauen Sie mal in diesen Gang: Wie viele Menschen sind dort?“ Es sind grob gezählt 50. Und dabei handelt es sich um nur einen Ausschnitt des Marktes. „Selbst an einem verregneten Montagnachmittag, den man als schlechtesten Tag annehmen kann, könnten wir auf 1000 Besucher kommen. Manchmal täuscht das Bauchgefühl.“ Er meint: „250 000 Menschen, die mit dem Markt in Berührung kommen, ist nicht unrealistisch.“

Das gelte es, wissenschaftlich zu untermauern. So fragen Studenten Besucher nach den Vor- und Nachteilen des Marktes und auch nach der Zahl der konsumierten Heißgetränke. Die Glühwein-Tassen-Formel soll auf ihre Richtigkeit überprüft werden.

Zudem zählen an vier Eingängen zum Markt Studenten die Besucher. Link: „Durch den Klicker wird zumindest die Zahl der Menschen relativ zuverlässig erfasst, die den Marktplatz an den einzelnen Tagen betreten und überqueren und damit auf jeden Fall kürzer oder länger in Berührung mit dem Weihnachtsmarkt kommen.“ Entscheidend sei die Definition von „Weihnachtsmarktbesucher“. Wenn jemand unbeabsichtigt durchlaufe, das Angebot registriere und eventuell doch etwas kaufe, sei er doch ein Besucher. Der Professor, der seine Doktorarbeit in Statistik abgelegt hat, räumt aber auch ein, dass es Bewohner der Innenstadt gibt, die den Markt einfach so passieren, ohne als Besucher zu gelten. Dem würden die Studenten gerecht, indem sie nicht alle Eingänge besetzen und somit nicht alle Menschen auf dem Marktplatz registrieren.

Der Professor verteidigt die Form der Hochrechnung: „Eine Zählung an vier Tagen und die Befragung von 600 Besuchern ist eine ordentliche Datengrundlage.“

Am Wochenende sind die Studenten das letzte Mal unterwegs und befragen Besucher. Im neuen Jahr würden die Ergebnisse ausgewertet und der Touristik und Marketing präsentiert.

Regen hemmt das Geschäft

Für die Verkäufer, aber auch für uns selbst in der Touristik und Marketing ist das Wetter enttäuschend. Wir haben den Markt ein Jahr lang vorbereitet“, berichtet Silvia Wittmann, Leiterin des Stadtmarketings. „Das Wetter schlägt sich sicherlich in den Besucherzahlen nieder.“ Dennoch sei sie erstaunt gewesen: Selbst an den beiden verregneten Wochenenden seien viele Besucher herbeigeströmt. Zum Glück werde es ab jetzt trocken. Sie hofft darauf, dass nun noch mehr Besucher kommen. „Ob es nun 248 000 oder 250 000 werden, ist nicht relevant“, sagt sie. Wichtig sei, dass der Markt als schön empfunden werde. Sie hofft dabei auf Tipps aus der Befragung.

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