Die Haller und Besucher der Stadt hatten am vergangenen Wochenende die Qual der Wahl. Am Freitagabend konnte man bis 22 Uhr bei der Shopping Night einkaufen, der Weihnachtszauber lockte auf den Marktplatz. In und um die Hospitalkirche haben Kunsthandwerker und Künstler drei Tage ihre Produkte oder Werke feilgeboten. Offensichtlich haben die Innenstadt-Besucher ihre Wahl getroffen, nicht alle Angebote sind gleich gut angenommen worden.

Rund 40 Geschäfte in der Haller Innenstadt haben sich an der Shopping Night des Vereins Schwäbisch Hall aktiv beteiligt. Gerammelt voll war es zwar nirgends, aber ein stetiger Strom von Menschen belebte die Straßen und Gassen. Das Fazit der Einzelhändler fällt daher eher durchwachsen aus.

„Wenig Frequenz“ in den Geschäften

„Wir hatten wenig Frequenz“, sagt Marc Brändle vom Haushaltswarengeschäft Kachel. „Ich bin auch selber ein wenig rumgelaufen. So richtig was los war nirgendwo.“ Dennoch komme für ihn nicht in Frage, sich nicht mehr an derartigen Aktionen zu beteiligen. „Das ist ja auch ein solidarischer Gedanke. Je weniger mitmachen, desto schlechter ist es für den gesamten Einzelhandel“, so Brändle. Es habe ja auch schon sehr erfolgreiche Shopping Nights gegeben.

„In einigen Läden war es voll, bei uns war nichts“, sagt Klaus Dirlewanger von der Buchhandlung Eva. „Es sind zwar viele Leute am Laden vorbeigegangen, aber die hatten eher das Ziel Glühwein als das Ziel Buch.“ Der Umsatz am Tag sei gut gewesen, der Abend habe sich nicht gelohnt. „Den Hauptumsatz habe ich kurz vor 22 Uhr gemacht. Wenn das nicht gewesen wäre, hätte es gerade mal für einen Kaffee gereicht“, so der Buchhändler. Bei denen, die jetzt von einem Erfolg der Shopping Night sprechen, erkenne er eine „Tendenz zum Gutreden“. Trotzdem werde er sich wieder beteiligen.

Musik in den Straßen, das fänd’ ich noch gut. Darüber hat das Stadtmarketing ja mal nachgedacht“, sagt Jennifer Neth, stellvertretende Filialleiterin der Buchhandlung Osiander. Die Shopping Night lohne sich, zeigt sie sich überzeugt. Das Weihnachtsgeschäft laufe ja auch schon verstärkt an.

Bei der Shopping Night werde entspannter eingekauft. Und das mache sich auf dem Bon bemerkbar. Das sagt Jochen Möhrle von Mode Wanner. „Wenn ich mich an die vergangenen Jahre erinnere, war es immer so. Tagsüber zwar voller, aber am Abend nehmen sich die Kunden dann Zeit“, so Möhrle. Für ihn ist es selbstverständlich, mitzumachen. „Mir wäre es zwar lieber, wenn das eher zum Saisonbeginn gemacht wird, aber das ist eben ein branchenspezifisches Problem.“

Veranstaltung Einkaufsnacht lockt viele an

Ganz anders klingt das bei den Standbetreibern der beiden anderen Attraktionen des Wochenendes. „Es hat schon toll angefangen und macht richtig viel Spaß“, sagt Denise Maier. Sie arbeitet am Stand der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft auf dem Weihnachtsmarkt. Dann fragt sie einen ihrer Köche: „Wie viele Würste haben wir schon verkauft?“ Der denkt kurz nach und sagt dann: „Bestimmt 4000.“

Mit Würsten hat es auch Marco Retrovato, allerdings sind seine luftgetrocknet. Der Franzose aus der Auvergne kann sich auch nicht beschweren, „bei uns läuft es bis jetzt sehr gut“.

Besonders der Freitag sei erfolgreich gewesen, sagt Sonja Schiele vom Unicef-Stand. „Beim Weihnachtsmarkt geht es ja auch sehr viel ums Essen und Trinken, bei uns ist es aber gut angelaufen“, so Schiele. Es sei wie jedes Jahr: Viele Leuten gucken erst noch, um dann später doch noch die eine oder andere Grußkarte für den guten Zweck zu kaufen.

Ein paar Meter weiter steht Steven Wirsching mit seinem mobilen Maroni-Stand. Auch er ist zufrieden. „Letztes Jahr hat es ja öfter geregnet, davon sind wir dieses Jahr bis jetzt verschont geblieben“, so Wirsching. „Wollen wir hoffen, dass es so bleibt.“

Interessiertes Publikum beim Kunsthandwerkermarkt

Zufriedene Gesichter bei Ausstellern und Besuchern sieht man beim Kunsthandwerksmarkt in der Hospitalkirche. „Dieser Markt ist etwas Besonderes“, sagt Buchbinderin Ulrike Wiesner aus Talheim/Neckar. „Ich bin alle zwei Jahre dabei und habe schon richtige Stammkunden.“ Das Haller Publikum sei außerdem sehr interessiert an allem, was mit Kunsthandwerk zusammenhänge.

Weihnachten Kunst-Handwerk-Markt in Hall

„Unser Umsatz ist zwar nicht so gut wie im letzten Jahr, aber er ist trotzdem gut“, sagt Instrumentenbauer Res Neuenschwander aus Bad Camberg. „Und schön ist es hier außerdem.“ Er werde sicher wieder kommen.

Eine genaue Besucherzahl kann Organisator Bernhard Deutsch am frühen Sonntagabend noch nicht nennen. „Das ist eh schwierig, weil man mit einer Karte an allen drei Markttagen reinkommt“, so Deutsch. Er ist entspannt: „Ich merke, dass es läuft. Mir ist das wichtigste, dass sich Aussteller und Besucher wohl fühlen.“ Nachdem der Regen dem Markt im vergangenen Jahr geschadet hat, sei dieses Jahr besser. „Und das bedeutet für uns auch ein Budget für neue Untaten“, sagt Deutsch. „Wir werden mit Freude weiter planen.“