Engagement Weihnachtsfreude im Advent

Elisa Grund macht einem rumänischen Kind im ärmlich ausgestatteten Wohnzimmer von seiner Familie ein Bändchen an den Arm. Damit kann sich das Kind später in einem improvisierten Schuhladen gespendete Winterstiefel abholen.
Elisa Grund macht einem rumänischen Kind im ärmlich ausgestatteten Wohnzimmer von seiner Familie ein Bändchen an den Arm. Damit kann sich das Kind später in einem improvisierten Schuhladen gespendete Winterstiefel abholen. © Foto: Privatfoto
Schwäbisch Hall / Elisa Grund 21.12.2017

Ein besinnliches Adventswochenende sieht anders aus: Eine Gruppe Hohenloher geht auf eine anstrengende Fahrt. Einen Eindruck von der Weihnachtsaktion des Haller Vereins MUT geben die Tagebucheintragungen von Elisa Grund mit Ergänzungen von Gertraud Stutz.

Donnerstag, 7. Dezember

Kurz nach 18 Uhr sind wir gestartet: fünf „alte Hasen“, drei junge Leute, die das erste Mal bei der Weihnachtsaktion mitmachen. Die zwei Kleinbusse und die großen Hänger sind voll beladen, da ist es gut, wenn das eigene Gepäck klein ist. 1200 Kilometer liegen vor uns, Regensburg, Passau, Wien, Budapest – alle Städte passierten wir bei Dunkelheit.

Freitag, 8. Dezember

Immer wieder gibt es starken Nebel, zudem haben wir eine Panne, sodass wir das Casa de Copii (das MUT-eigene Haus für Kinder) in Bulgarus erst gegen halb zehn am Vormittag erreichen. Die Begrüßung ist sehr herzlich. Nach einem guten Frühstück geht es gleich los: Die Autos und Hänger werden ausgeladen. Anschließend wird all das eingeladen, was wir heute brauchen. Dazu gehören auch Kartoffeln, die von einem rumänischen Landwirt geliefert wurden, und die neuen Winterstiefel, die wir ebenfalls bei einem einheimischen Händler bestellt hatten. 500 Kilo Kartoffeln hatten wir als Spende aus Hohenlohe bereits im Hänger.

Zuerst besuchen wir den Bulgaruser Kindergarten und erleben die ersten Glücksmomente der Kleinen, als sie ein Weihnachtspäckchen bekommen. Dann steht die eigentliche Aktion im einige Kilometer entfernten Roma-Dorf an, in dem MUT seit geraumer Zeit aktiv ist.

Dank der beeindruckenden Resonanz auf die in den Zeitungen im Landkreis Hall veröffentlichte Aktion „Winterstiefel für Roma-Kinder“ können wir etwa 400 Paar Winterschuhe verteilen. Damit alles geordnet verlaufen kann, gehen wir im ganzen Dorf von Haus zu Haus, verteilen Kartoffelsäcke und Wurst. So können die Familien sorgenfrei über die nächsten Wochen kommen. Jedes Kind in der Familie bekommt ein Bändchen an den Arm. Damit kann es in den provisorisch eingerichteten Schuhladen gehen.

Immer zehn Kinder dürfen zum Anprobieren in den Raum kommen. Wir füllen die Schuhe mit Süßigkeiten, dazu gibt es noch ein Weihnachtspäckchen. Wir sind überrascht, wie diszipliniert die Aktion verläuft. Als wir Stunden später zurückfahren, hinterlassen wir viele glückliche Familien. Wir haben das gute Gefühl, dass die Kinder nun zumindest an den Füßen vor dem kalten Winter geschützt sind. Die Häuser, oder besser gesagt  Hütten, sind oft ausgekühlt, weil Brennmaterial fehlt. Gegen 21 Uhr sind wir zurück im Casa, erschöpft und müde.

Samstag, 9. Dezember

Der Tag beginnt früh. Hänger und Autos müssen neu beladen werden. In einem Nachbardorf setzen wir die Verteilaktion fort. Anschließend fahren wir zum Kinderkrankenhaus in Timisoara. Es berührt, wie ungläubig die Kinder die Päckchen entgegennehmen und vorsichtig auspacken. Für einige Zeit lässt sie dies ihre Krankheit vergessen. Später machen wir Halt in einem kleinen Kinderheim – und auch hier: Weihnachtsfreude pur.

Zurück in Bulgarus besuchen und beschenken wir weitere arme und hilfsbedürftige Familien. Abschließend bringen wir Päckchen zum orthodoxen Priester, der noch manche Familie im Blick hat, die wir nicht kennen. Danach erleben wir das abendliche Adventsritual im Casa mit Liedern und Plätzchen.

Sonntag, 10. Dezember

Die lange Rückfahrt ist anstrengend, bietet aber Gelegenheit, die in kürzester Zeit erlebten Eindrücke, Wohnsituationen, die erwartungsvollen Kinderaugen und anderes nochmals an sich vorbeiziehen zu lassen und sich  mit den anderen auszutauschen. Wir sind froh, als wir nach teilweise starkem Schneefall gegen 21.45 Uhr wieder das Ortsschild von Schwäbisch Hall sehen.

Beeindruckend ist immer wieder, welche Freude die Päckchen auslösen und natürlich die Dankbarkeit für die Schuhe und Stiefel. Viele Mütter sind glücklich, dass sie für die nächste Zeit genügend Kartoffeln haben und die Mahlzeiten durch die Wurst ergänzen können. Uns machen diese Begegnungen nachdenklich, denn das alles hat mit dem bei uns erlebten Konsumrausch nichts zu tun, man taucht in eine andere Welt ein, auch wenn beide Länder zur EU gehören. Wir sind glücklich, dass wir etwas vom Anliegen der Weihnacht weitergegeben haben. MUT dankt herzlich allen Spendern für die großartige Unterstützung der diesjährigen Weihnachtsaktion.

Überschrift Infokasten

Hier steht der Anlauf, und hier der Text

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