Schwäbisch Hall Weiche Klänge

Michael Werner (Trompete), Franz Wassermann (Orgel) und Christoph Kerber (Pauken) musizieren in der Kirche St. Maria in Hessental.
Michael Werner (Trompete), Franz Wassermann (Orgel) und Christoph Kerber (Pauken) musizieren in der Kirche St. Maria in Hessental. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / RAINER ELLINGER 12.11.2014
Mit Pauken und Trompete erklingt die neue Orgel der katholischen Kirche St. Maria in Hessental erstmals in voller Funktionsfähigkeit. Professor Franz Wassermann weiht das Instrument zum zweiten Mal ein.

Als Partner hat sich Wassermann, der aus Hessental stammt und an der Heidelberger Universität als Dirigent für Chor- und Orchestermusik zugange ist, den Trompeter Michael Werner aus Pforzheim und den Schlagzeuger Christoph Kerber aus Mannheim mitgebracht. Wassermann hat vor knapp einem Jahr schon einmal ein Einweihungskonzert für die Orgel gegeben, aber damals war sie noch nicht fertig.

Mit kraftvollem Paukenschlag setzen die drei Interpreten gemeinsam ein zum ersten Satz "Spirituoso" der Telemann-Sonata in D-Dur. Die maßvoll registrierte Orgel versteckt sich akustisch zunächst etwas hinter den beiden anderen Instrumenten und zeigt ihre feinsinnigen Klangfarben erst bei den Solo-Zwischenspielen, die auch bei gedeckter Lautstärke einen hellen Glanz aufweisen. Mit fleißigem Basskontrapunkt der Orgel endet der Kopfsatz des Werkes.

Den klagenden Unterton der Orgel beim Largo-Satz greift der Trompeter Michael Werner auf. Er gestaltet die expressive Melodie zwar mit strahlkräftigem Ton, aber dennoch einfühlsam, con tristezza (mit Betrübnis). Das flotte "Vivace" erklingt in festlichem, doch zugleich vornehm-zurückhaltendem Klang.

Bachs "Air" (BWV 1068) spielt Wassermann als Orgelsolo in weichem Klang. Bei "Jesu bleibet meine Freude" desselben Meisters kann man die ansatzsichere, sanfte und dennoch klare Tongebung und ausdrucksstarke Melodiegestaltung des Trompeters bewundern. Charles Gounods melodische Zutat zu diesem Werk, die Überstimme zu Bachs wohltemperiertem Präludium Nr. 1, erklingt in oboenähnlichem Registerklang. Franz Wassermann spielt beide Komponenten zugleich als klanglich zurückhaltendes Orgelsolo.

Klangprächtig, auch von Seiten der Orgel, ertönt Jeremiah Clarks Suite in D-Dur und verbreitet höfische Festatmosphäre. Sehr leise spielt die Orgel ein ursprünglich für eine Spieluhr gedachtes "Andante" von Mozart.

Ein "Andante" aus dem Trompetenkonzert in Es von Haydn ist durchzogen von Paukenschlägen und Wirbeln. Aber von wegen laut. Christoph Kerber zeigt, mit welch sanfter Einfühlung er das liedhafte, vom Trompeter ausdrucksstark gespielte Stück untermalen kann.

Beim rhythmusbetonteren "Festal March" für Orgel von George Job Elvey lässt Franz Wassermann auch mal etwas mehr von der Klangkraft der Orgel ahnen. Große Vielfalt in Sachen sanfter Klangfarben entlockt er dem Instrument bei Leon Boellmanns kontemplativen "Priere a Notre Dame" mit seinen unerwarteten Harmoniewendungen und seinen intervallischen Eigentümlichkeiten.

Furios, mit vielen Paukenwirbeln und kraftvollem Ton beenden die drei das Programm mit Henry Purcells "Trumpet Voluntary". Den begeisterten Beifall der Zuhörer belohnen sie mit einem Satz aus Händels "Feuerwerksmusik" als Zugabe.

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