Kreis Hall Wasserversorgung ist gesichert

Bei Wassermeister Markus Stutz in der Leitwarte der NOW ist alles „im grünen Bereich“. Die Tagesspitzen zwischen 6 und 7 Uhr und ab 18 Uhr können trotz Trockenheit gut abgefangen werden.
Bei Wassermeister Markus Stutz in der Leitwarte der NOW ist alles „im grünen Bereich“. Die Tagesspitzen zwischen 6 und 7 Uhr und ab 18 Uhr können trotz Trockenheit gut abgefangen werden. © Foto: Dorn
Kreis Hall / von Kerstin Dorn 18.08.2018
Braune Felder und ausgedörrte Flüsse bedeuten nicht, dass das Trinkwasser knapp ist.  Denn das wird vor allem aus dem Grundwasser gespeist.

Dieser Sommer schickt sich an,  den Hitzerekord von 2003 zu brechen. Im Norden Deutschlands ist das bereits gelungen, im Süden fast. Dabei war es von April bis Juli  so trocken wie noch nie, meldet der Deutsche Wetterdienst in seinem „Vorläufigen Rückblick auf dem Sommer 2018“.

Von einem Wassermangel  merken die Verbraucher hier jedoch nichts. Wer immer den Wasserhahn aufdreht, bekommt das kostbare Nass in ausreichender Menge und gewohnt hoher Qualität frei Haus geliefert. Es gab bisher weder eine Empfehlung zum Wassersparen  noch  Rationierungen.

Brunnen sind noch gut gefüllt

Für eine stabile Wasserversorgung sorgt  der Zweckverband Wasserversorgung Nordostwürttemberg (NOW) mit Sitz in Crailsheim und einem Einzugsgebiet  von 3840 Quadratkilometern. 116.000 Kubikmeter Wasser hat der  Verband an seinem Rekordtag, dem 31. Juli 2018, geliefert. Zum Vergleich: Die normale Abgabe  differierte 2016  zwischen 58.000  und 91.000 Kubikmetern pro Tag (Winter/Sommer).  Die Sommerspitze beträgt in etwa die doppelte Menge eines Wintertages. Doch  Dr. Jochen Damm, den Geschäftsführer  des Zweckverbandes beunruhigt das nicht: „Wir sind sehr wachsam und können daher ruhig schlafen.“ 

Und Patrick Helber, der im Unternehmen für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, ergänzt: „In Baden-Württemberg ist genügend Wasser da, es ist nur ungleich verteilt.“ Und genau  darin sieht die NOW ihre Aufgabe,  um die  rund 600 .000 Menschen zu versorgen.  Das Unternehmen hat in den letzten 15 Jahren sukzessive in den Ausbau der Eigenwasserförderung investiert.   Ein Drittel der Abgabemengen – das sind rund 8,4 Millionen Kubikmeter – kommen aus den rund 150 Brunnen und Quellen,  die von der NOW bewirtschaftet werden.  Für zwei Drittel des Wasserbezugs  hat das Unternehmen  Lieferverträge mit der Landeswasserversorgung  (14,5 Millionen Kubikmeter), mit der Bodenseewasserversorgung  (3,3 Millionen Kubikmeter) und der Ries-Wasserversorgung (1,9 Millionen Kubikmeter) abgeschlossen.

Alle drei Lieferanten verfügen über stabile Wasser­reserven:  Der Zweckverband Landeswasserversorgung fördert aus Brunnen im  württembergischen Donauried und im Egautal und entnimmt Flusswasser aus der Donau. Die Bodenseewasserversorgung pumpt bei Sipplingen Wasser aus dem Bodensee, und das Ries-Wasser  wird  aus 15 Tiefbrunnen im Ostalbkreis gewonnen.  Bei allen drei Wasserlieferanten wurden selbst in diesem heißen Sommer die vertraglich vereinbarten Bezugsmengen nicht ausgeschöpft, erklärt Damm. Grund dafür sind die Eigenreserven der NOW, die noch immer gut gefüllt sind. „Die Grundwasserspeicher werden  sehr langfristig, vor allem über das niederschlagsreiche Winterhalbjahr gefüllt und dezimieren sich nur langsam“, beruhigt Damm. Derzeit bewegen sich die Wasserstände der Brunnen im üblichen Schwankungsbereich. Sollte es Engpässe geben, könne auf einzelne, bisher nicht genutzte Brunnen zugegriffen werden.

Ständige Kontrollen

Auch hinsichtlich der Filterkapazität  in den Wasserwerken  gibt  der NOW-Geschäftsführer Entwarnung: „Bei großen Abgabemengen werden alle Filter der Anlagen  nacheinander  durchlaufen, bei kleineren Mengen reichen weniger Filter“. Darüber hinaus wurden zum Schutz der Wasserqualität nahe der Brunnen und Quellen mehr als 33.000 Hektar als Wasserschutzgebiet ausgewiesen. Wöchentlich werden  biologische Untersuchungen  durchgeführt, periodisch auch physikalische und chemische Analysen vorgenommen.  Parameter wie Wasserhärte und pH-Wert werden ständig automatisiert  gemessen.  Die NOW kann, darüber hinaus, regional stärker mit Nitrat belastetes Rohwasser mit nitrat­ärmerem Fernwasser  mischen,  und so die gesetzlichen Grenzwerte  unterschreiten. Auch der Härtegrad erfordert ein Eingreifen:   Sehr kalkhaltiges Wasser wird  auf  ein mittleres Niveau enthärtet.

 Auch wenn derzeit alles im grünen Bereich liegt,  machen sich die Ingenieure Gedanken über die Zukunft. Denn eines ist sicher:  Die Anforderungen an ihre Arbeit werden steigen. Zwar rechnen sie mit etwa gleichbleibenden Gesamtniederschlagsmengen,  die  allerdings häufiger bei heftigeren Regenfällen auftreten und nicht bis ins Grundwasser vordringen können. „Vielleicht  müssen wir  in Zukunft noch mehr Brunnen bohren“, so Damm.

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