Schwäbisch Hall Wasserquelle für die Haller Haushalte

Schwäbisch Hall / Nina Woelk 29.08.2018
Der Hochbehälter Einkorn West ist mit seinen 4000 Kubikmeter Fassungsvermögen der größte in Schwäbisch Hall. Er versorgt die Haushalte ganz ohne Pumpen.

Der Eingang ist unscheinbar, doch schon vor dem Zutritt muss erst einmal die Zentrale der Stadtwerke Schwäbisch Hall angerufen werden. Denn selbst wer die Tür mit dem Schlüssel öffnet, löst ein Alarmsignal aus, welches an die Mitarbeiter im Kontrollzentrum gesendet wird. „Das ist zur reinen Sicherheit“, erklärt Martin Häfele. Er ist Abteilungsleiter für den Bereich Netze, Gas, Wasser und Fernwärme bei den Stadtwerken. Durch eine doppelte Türe geht es hinein. Das Erste, was man hört, wenn man den Hochbehälter Einkorn West betritt, ist der ohrenbetäubende Lärm. Auch wenn von außen nichts zu hören ist, im Innern schießt das Wasser durch die Rohre.

Verteilung auf sieben Behälter

Von hier aus läuft das Trinkwasser in das insgesamt  530 Kilometer lange Rohrsystem bis in jedes Haus. Der Weg führt dabei über weitere Hochbehälter in Schwäbisch Hall. Sieben Stück gibt es. Bis auf einen liegen sie alle teilweise in der Erde und fassen zwischen 650 und 4000 Kubikmeter. Damit kann ein Großteil von Schwäbisch Hall versorgt werden. Zwischen dem Hochbehälter auf dem Einkorn und den Haushalten in der Stadt wird das Wasser in weiteren Behältern auf halber Höhe zwischengelagert. „Dies dient der Druckunterbrechung. Sonst würden auf dem langen Weg nach unten zehn bis zwölf Bar entstehen“, erklärt Häfele.

Der Hochbehälter Einkorn West liegt auf einer Höhe von 435 Metern über dem Meeresspiegel. Zum Vergleich: St. Michael liegt auf ungefähr 300 Höhenmetern. Durch die Topografie benötigt die Stadt Hall also keine Pumpen, um das Wasser zum Endverbraucher zu transportieren. Das läuft einfach den Berg herunter. Im Hausanschluss herrscht in den Leitungen eine Fließgeschwindigkeit von nicht mehr als zwei Metern pro Sekunde. „Alles was darüber ist, könnte die Bewohner stören, da die Strömungsgeräusche zu laut wären“, so Häfele.

Versorgt wird der Hochbehälter auf dem Einkorn West mit Wasser vom Zweckverband Wasserversorgung Nordostwürttemberg (NOW) mit Sitz in Crailsheim. Dieser wiederum unterhält 100 Städte und bezieht seinen Bestand aus Grund- und Quellwasser oder bereitet Oberflächenwasser auf.

Einen Teil bezieht NOW wiederum vom Zweckverband der Landeswasserversorgung. Dessen wichtigster Lieferant ist der Donauried, ein riesiger Grundwassersee unter der Erdoberfläche. In dem Trinkwasser für die Haller befinden sich also Tropfen aus ganz Süddeutschland. Ein Teil wird auch vom Bodensee zugeführt oder der Schwäbischen Alb. Wie viele Kilometer das Wasser dabei zurücklegt, lässt sich laut Häfele nur schwer messen.

Untersuchung nach Reinheit

Bei so langen Wegen gibt es strenge Kontrollen. Die Stadtwerke Schwäbisch Hall führen im Monat rund sechs periodische Probenahme-Zyklen am Behälter durch und zusätzlich nach Bedarf. Das Netz wird auch regelmäßig kontrolliert. Falls das Wasser mal verunreinigt sein sollte, greift der Notfallplan. Martin Häfele erklärt dazu: „Je nach Situation wird dann das Gesundheitsamt informiert und entschieden, ob vielleicht ein Behälter vom Netz genommen oder ein Abkochgebot verhängt wird.“ Bisher sei aber noch nichts Schlimmes passiert.

Was in diesem Jahr auffällig sei, ist, dass wenig Quellwasser aus der Region kommt, sagt Häfele. Der Hochbehälter im Reifenhof deckt normal fünf bis neun Prozent des Bedarfs mit Quellwasser aus Dendelbach. Dieses Jahr sind es wegen des geringen Niederschlags rund 30 Prozent weniger. Aber einen Engpass gebe es deswegen nicht, schließlich könne man auf andere Quellen zurückgreifen.

Insgesamt geben die Stadtwerke Schwäbisch Hall rund 2,9 ­Millionen Kubikliter Wasser pro Jahr an die Kunden ab. Zu Hochzeiten strömen am Tag aus dem Hochbehälter Einkorn rund 100 Liter Wasser pro Sekunde. Auch wenn von außen nicht viel zu sehen ist, vom Hochbehälter Einkorn West hängt die Trinkwasserversorgung von vielen Menschen in Hall ab.

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