Schwäbisch Hall / Thumilan Selvakumaran Im Parkhaus Kocherquartier dringt bei hohem Pegel Grundwasser ein. Die Stadtwerke lassen prüfen, ob es sich um einen Mangel handelt.

Die Straßen in der Haller Innenstadt sind an diesem sonnigen Dienstag trocken – außer an einer Stelle. Ab der Ausfahrt der Tiefgarage Kocherquartier ziehen sich die Spuren von feuchten Autoreifen Dutzende Meter entlang der Salinenstraße in Richtung Polizeirevier. Nach einer Ursache muss man nicht lange suchen: Direkt im Schrankenbereich der Tiefgarage sprudelt Wasser aus einem Spalt. Dort bilden sich große Pfützen, durch die die Reifen sämtlicher Fahrzeug rollen, die in die Tiefgarage ein- und ausfahren. Die untere der beiden Etagen der Tiefgarage ist dagegen trocken.

Defekt am Boden im Schrankenbereich

Eine defekte Dichtung zwischen Eingangs- und Hauptbauwerk ist schuld, so die Stadtwerke Hall. Sie hoffen auf kostenfreie Reparatur durch das Bauunternehmen Leonhard Weis.

Bereits im Januar hatte die Redaktion darüber berichtet, dass Wasser in die Tiefgarage strömt. Eine Zeitlang war Ruhe. Nun tritt das Phänomen erneut auf. Hintergrund: Die Tiefgarage wirkt zwar wie ein Element, es besteht aber aufgrund unterschiedlicher Ausdehnungen aus mehreren Bauwerken, wie Stadtwerke-Geschäftsführer Gebhard Gentner erklärt. Von unten drückt Grundwasser. Der Defekt liege zwischen dem Eingangs- und dem Hauptbauwerk. An dieser Stelle, wo eine Dichtung eingebaut ist, strömt Wasser aus, sobald es wie in den vergangenen Tagen viel regnet.

Grundwasser war bereits beim Bau der Tiefgarage ein großes Problem und  kostete das Projekt letztlich die dritte geplante Etage (siehe Info).

Derzeit liefen Gespräche und Untersuchungen, teilt Gentner auf Nachfrage mit. „Weiterer Schaden kann nicht entstehen, da das Wasser wieder ablaufen kann. Es ist aber sehr ärgerlich.“

Doch wer ist schuld an der Misere? Ein Sachverständiger sei eingeschaltet. Er soll prüfen, ob die Arbeit vom Bauunternehmen – in diesem Fall Leonhard Weiss – so erfüllt wurde, wie vom Architekten geplant. Denn eingebaut wurde laut Gentner eine sogenannte Wartungsfuge mit einer Dichtung, die offenbar regelmäßig ausgetauscht werden muss.

Was wurde bestellt?

Die Stadtwerke seien von einer Lösung ausgegangen, bei dem es keine Verschleißteile gibt. Falls diese aber tatsächlich als Wartungsfuge bestellt worden sei, sei das zunächst nicht weiter schlimm. „Wir sollten es aber nur wissen, damit wir die Wartungszeiten einhalten können.“ Falls vertraglich aber etwas anderes vereinbart war, müssten die Stadtwerke weitere Schritte prüfen.

Unklar ist, ob die Gewährleistungszeit – meist fünf Jahre – abgelaufen ist. Die Tiefgarage war 2011 eröffnet worden. Vor zwei Jahren sprudelte das erste Mal Wasser in das Objekt. Die Dichtung wurde ausgetauscht – in der Hoffnung, dass die Sache damit erledigt ist. Bis wann es nun eine langfristige Lösung oder Einigung gibt, sei unklar, so Gentner.

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Das dritte Untergeschoss der Tiefgarage fiel wegen der Wasserproblematik weg

Aus der einstigen Justizvollzugsanstalt in der Haller Innenstadt sollte ein Einkaufszentrum werden – inklusive Tiefgarage mit drei Etagen. Nach dem feierlichen Spatenstich im Juli 2008 folgte bereits im Oktober desselben Jahres der erste Dämpfer beim Millionenprojekt. In der Grube für die Tiefgarage drückte Grundwasser nach oben, noch bevor die komplette Tiefe erreicht worden war. Für die Stadtwerke und die GWG – die städtischen Töchter sind die Bauherren neben der VR-Bank Hall – eine böse Überraschung. Denn nach den 30 Probebohrungen durch Geologen aus Ellwangen hatte man 2007 nicht vermutet, dass die Schicht unterhalb der Baugrube doch wasserdurchlässig ist.

Die Arbeiter waren beim Bau auf sogenanntes „gespanntes Wasser“ gestoßen, sprich Grundwasser, auf dem Druck liegt. Technisch wäre eine Druckabsenkung möglich, sagte damals der Projektmanager Jürgen Mahl. Diese birgt aber auch Gefahren. Letztlich hatte im Frühjahr 2009 das Landratsamt zu große Bedenken. Zu befürchten war, laut Peter Dietrich, dort für den den Grundwasserschutz zuständig, dass Gebäude nach oben gedrückt werden könnten. Aber nicht nur der Gebäudebestand in der Altstadt sei gefährdet, es drohten auch unumkehrbare Folgen für Grundwasser, Wildbadquelle und Haalbrunnen.

Das Amt bat um einen unabhängigen  Gutachter. Dieser stellte fest, dass die Beeinflussungen des Grundwassers noch viel umfassender sind, als vermutet. Nicht nur, dass der Kocher direkt mit der Baugrube in Kontakt steht und das Gebiet „jenseits des Kochers“ betroffen ist – auch Gebiete, die sich im Tal kilometerweit weg von der Baustelle befinden, könnten noch von Absenkungen betroffen sein.

Als Kompromiss wurde die Baugrube bis zum Boden des zweiten Untergeschosses der Tiefgarage abgetragen. Die dritte Etage wurde gestrichen. Damit fielen 258 der 576 geplanten Stellplätze weg. Als Ersatz wurde die oberirdische Parkfläche am nahegelegenen Zentralen Omnibusbahnhof sowie später die Tiefgarage Weilerwiese gebaut. Eröffnet wurde das Kocherquartier im Jahr 2011. Die Kosten lagen – das Umfeld eingerechnet – bei rund 100 Millionen Euro. thumi