Schwäbisch Hall Was kostet ein Ticket nach London?

Familie Schrader-Prinz aus Braunsbach stellt im Haller Bahnhof Bilder aus mit ihren Lieblingsplätzen und Motiven aus Großbritannien. Die ­Liebe zur Insel begann mit den Beatles.
Familie Schrader-Prinz aus Braunsbach stellt im Haller Bahnhof Bilder aus mit ihren Lieblingsplätzen und Motiven aus Großbritannien. Die ­Liebe zur Insel begann mit den Beatles. © Foto: Sonja Alexa Schmitz
Schwäbisch Hall / Sonja Alexa Schmitz 20.09.2018
Im Kulturbahnhof wurde die Ausstellung „Very british – meine Bilder aus Großbritannien“ eröffnet. Einige Schwäbisch Haller, mit einem großen Herz für die Insel, beteiligten sich.

Das ist die Gelegenheit, seine Fotos einem größeren Publikum zu präsentieren, statt sie, womöglich nicht mal ausgedruckt, auf dem Rechner verwahrlosen zu lassen. Bilder von Reisen ins geliebte Großbritannien.

So wie sie Bärbel Schrader-­Prinz schon seit Teenagerzeiten unternahm. Der Grund waren die Beatles. In die und deren Musik verliebte sich die damals 13-Jährige heillos. Mehrere Male nahm sie an einem Schüleraustausch mit Halls Partnerstadt Loughborough teil, studierte Englisch (und Französisch) im Studiengang Übersetzen und verbrachte ein Auslandssemester in ihrem Lieblingsland.

Sie suchte in Liverpool Spuren der Pilzköpfe und inspizierte die Penny Lane. Ihre Tochter Sophie ist ein ebensolcher Großbritannienfan geworden. Nur hat das weniger mit Musik zu tun als mit den spannenden Abenteuern des Harry Potter. Sophie wollte das Café „The Elephant House“ in Edinburgh besuchen, in dem Joanne K. Rowling ihre allerersten Seiten der späteren Erfolgsromane schrieb. Mindestens alle zwei, drei Jahre reist Familie Schrader-Prinz in das Land ihrer Leidenschaften. Natürlich hat die Braunsbacherin auch mal darüber nachgedacht, in Großbritannien zu leben, aber „Heimat ist eben nur hier“. Über den drohenden Brexit sagt sie: „Das wird meiner Liebe keinen Abbruch tun.“

Für die Ausstellung „Very British – meine Bilder aus Großbritannien“ hat die Braunsbacher Familie eine ganze Stellwand gespickt mit Fotos. Die meisten zeigen Motive aus Schottland: ein Hafen mit einem putzigen roten Boot, die Eisenbahnbrücke aus dem Harry-­Potter-Film, einen Regenbogen, eine Telefonzelle.

Hans Graef, emsiger Kurator und Kämpfer für diesen erhaltenswerten Ort in Hall, hat auch einige Objekte im Kunstbahnhof verewigt: Fotos der Nichte seiner Partnerin (übrigens der einzigen anwesenden Britin an diesem Abend), die in Nottingham geheiratet hat, das Foto einer U-Bahn-Werbung für den Kauf internationaler Fußballtrikots.

Graef fotografierte ein Globe-­Theater im Fachwerkstil und trübe, verregnete, englische Großstadtstraßen. Bei seiner Begrüßung in seiner gewohnt energiegeladenen, zwanglosen, heiteren Art rät er zu einer Reise nach London, die mit dem Zug ab Stuttgart um 7.05 Uhr nur gut neun Stunden dauert. „Was kostet ein Ticket?“, fragt er, aber keiner der rund 50 Gäste kann die Frage beantworten. Graef macht sich ein Guinness auf, lässt am teuren Whisky schnuppern und bietet Kartoffelchips an, die nach Essig schmecken – very British eben.

Die Vernissagebesucher haben gute Laune. Manche stellen selbst aus, andere sind Interessierte, andere „Mitbringsel“. Einige der Frauen gehören zu Angela Jöck-­Regert, die viele Fotos zur Ausstellung beigesteuert hat. Weil auch sie seit einiger Zeit Englandfan ist. Zuerst einmal, „weil man dort eine Sprache spricht, die ich verstehe“. Und dann begeistert sie die fast rührende Höflichkeit der Briten. Von Bahnangestellten, Polizisten und sogar Autofahrern. Sogar die Autos würden nicht so aggressiv wirken wie die in Deutschland. Einige ihrer Bilder zeigen Busse und die Schilder ihrer Endstationen: „Hammersmith, Trafalgar“.

Begeistern kann die Hallerin sich auch dafür, wie „schräg“ die Briten sind. Ihren Queen-Hype, Changing of the Guards, das Bejubeln der Monarchie. Sie zeigt Fotos von Wackelqueens aus Plastik, Kinder mit Krönchen zu einer Parade zum Geburtstag von Queen Mum und pinkfarbene Lackschuhe in einem Schaufenster. Goswinde Köhler-­Hertweck hat neben Papier in floralem englischen Design auch Tee mitgebracht. Von Marks and Spencer, einen für morgens, einen für abends. Den gibt es auch im Ausschank. Aber wer trinkt schon Tee, wenn es Guinness und Mohrenköpfle gibt?!

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