Schwäbisch Hall Warten auf die Zimmerzusage

Eine 24-Jährige packt ihren großen, roten Koffer aus. Sie bezieht ein Zimmer im GWG-Wohnheim im Löchnerhaus, um für mehrere Monate als Praktikantin am Goethe-Institut zu arbeiten.
Eine 24-Jährige packt ihren großen, roten Koffer aus. Sie bezieht ein Zimmer im GWG-Wohnheim im Löchnerhaus, um für mehrere Monate als Praktikantin am Goethe-Institut zu arbeiten. © Foto: Tobias Würth
Schwäbisch Hall / TOBIAS WÜRTH 30.08.2013
Bis 300 Euro rechnen die meisten als Budget fürs Wohnen ein. Aus Verzweiflung nehmen Studenten auch Zimmer für 500 Euro Monatsmiete. Wohnraum in Hall wird knapp - das Semester startet in einem Monat.

Robert Friedl bangt. "Sie wollten sich gestern melden", sagt er. Doch weder Anruf, noch E-Mail oder SMS trafen bei ihm ein. Kürzlich hatte er sich bei einer Wohngemeinschaft in der Nähe des Haller Hafenmarkts vorgestellt. "Ich habe das Zimmer angeschaut, wir haben über alles geredet." Selbst das Thema Putzplan wurde erörtert. "Es ist gut gelaufen", sagt er. Dumm nur, dass er noch keine Nachricht von dem Mann und den beiden Frauen erhielt, bei denen er gerne einziehen möchte.

"Es ist schon eine komische Situation", sinniert der angehende Student aus Coburg. "Am 23. September fängt mein Vorkurs an. Ich bin noch auf der Suche." Der 21-jährige Erstsemester am Campus Hall hätte gerne ein Dach über dem Kopf.

Aber nicht nur er - und das ist in diesen Tagen eben das Problem. Der Campus Schwäbisch Hall hat die Not erkannt und die Vermittlung von Zimmern selbst in die Hand genommen.

Es gibt eine Datenbank, zu der nur Studenten und Anbieter von Wohnungen Zugriff haben. "Fragt ein Student nach einem Zimmer nach, verweise ich ihn zuerst auf die Wohnungsdatenbank", sagt Susanne Reimer vom Campus Schwäbisch Hall. In den letzten Tagen meldeten sich aber zwölf Studenten bei ihr zurück, die in der ersten Runde kein entsprechendes Angebot gefunden hatten. Von den anfänglich 50 Wohnungen und Zimmern in der Datenbank sind kaum mehr geeignete übrig.

"Es ist schwer zu sagen, wie viele Zimmer fehlen. Im Moment würde ich sagen, es wäre gut, wenn noch 20 dazukämen."

Denn die Studenten werden zunehmend unruhig. Normalerweise wollen die jungen Erwachsenen nicht mehr als 300 Euro fürs Wohnen ausgeben, hat Reimer erfahren. Doch jetzt geht selbst eine recht teure Einzimmerwohnung für 500 Euro Monatsmiete weg.

Auch Industriekaufmann Robert Friedl ist mittlerweile bereit, Zugeständnisse zu machen. "Für einen Übergang wäre auch eine höhere Miete möglich", sagt er. Und fügt an: "Man hat ja auch noch Eltern." Er fand nur fünf Angebote vor, die in Frage kamen. Einige Vermieter hätten gleich gesagt, dass sie "sehr, sehr viele Bewerber haben". 350 Erstsemester werden erwartet. Die Zahl der Studenten insgesamt in Hall liegt ab Herbst wohl irgendwo in der Mitte zwischen 900 und 1000.

Der Campus Schwäbisch Hall ruft nun Vermieter auf, Wohnraum bereitzustellen. Möglichst zentral soll der natürlich liegen, sagt Susanne Reimer. Aber es darf auch ein Zimmer oder eine Wohnung für eine Studenten-Gemeinschaft im Umland sein - sofern eine Busverbindung besteht.

Dabei wurde zuletzt Wohnraum für die junge Zielgruppe geschaffen. "Die sind ausgebucht, da steht nichts leer", sagt Torsten Schulz von der VR-Bank über die 40 Zimmer, die nach dem Umzug des Finanzinstituts am alten Standort in der Marktstraße geschaffen wurden. "Einige Studenten haben schon nach Notunterkünften gefragt", berichtet Reimer. Dass Studenten zelten oder längere Zeit in der Jugendherberge übernachten, sei aber ihres Wissens in Hall noch nicht vorgekommen. So viele Wohnungen würden nun auch nicht fehlen. Im Laufe des letzten Semesters gab es sogar ein Überangebot, da nach Semesterstart so gut wie alle versorgt waren. Reimer: "Einige Studenten, die nichts entsprechendes finden, pendeln täglich nach Hall."

Das überlegt sich nun auch Robert Friedl. Seine Freundin wohnt in Ansbach. Vielleicht kommt er ja bei ihr unter - und zwar ohne lästiges Vorstellungsgespräch.

Investitionen in Wohnraum, der sehr beliebt ist