Schwäbisch Hall Warten auf das W-Lan

Petra von Kopp-Ostrowski und Sohn Dennis surfen in der Gelbinger Gasse mit dem Tablet im Internet. Archivfoto: ars
Petra von Kopp-Ostrowski und Sohn Dennis surfen in der Gelbinger Gasse mit dem Tablet im Internet. Archivfoto: ars
Schwäbisch Hall / THUMILAN SELVAKUMARAN 21.11.2014
Die kleinste Metropole der Welt oder auf Neu-Hällisch: Die aufstrebendste Kulturstadt in der Region der Weltmarktführer. Wer zu bescheiden ist, wird von den anderen abgehängt - so mag man wohl in der Haller Stadtverwaltung denken.

Zumindest implizieren das die Slogans und Marketingstrategien, die mit Hilfe von Firmen im Rathaus ausgetüftelt werden.

Da hätte es der Stadt auch gut zu Gesicht gestanden, hätte man 2006 Friedrichshafen um den Titel "T-City" abgehängt. Die Stadt am Bodensee bekam eine wegweisende Telekommunikationsinfrastruktur spendiert, Hall zumindest eine Top-10-Platzierung.

Der Wunsch aber, auch in diesem Bereich Maßstäbe zu setzen - mit oder ohne die Telekom - ist weiterhin groß. Die Haller SPD preschte im September 2013 vor und bat um ein Konzept für ein kostenloses W-Lan-Netz im Stadtgebiet.

Freies Wireless Lan (kabelloses Netzwerk) gibt es in vielen Ländern - in Deutschland zögern Anbieter noch. Grund ist das hiesige Recht: Denn der Anschlussinhaber kann belangt werden, falls ein Benutzer beispielsweise illegal Daten herunterlädt. Der SPD-Stadtrat Nikolaos Sakellariou bat dennoch in einer Anfrage die Verwaltung, dem Rat ein Konzept und einen Kostenplan vorzulegen. "Ein solches Angebot würde den Standort Schwäbisch Hall stärken - nicht nur touristisch." Die Antwort des Oberbürgermeisters Hermann-Josef Pelgrim: "Das ist ein Thema für uns, definitiv."

Nun, ein Jahr später, hat sich kaum etwas getan. Auf Nachfrage sagt Robert Gruner, Sprecher der Verwaltung, dass am Montag mit einer österreichischen Firma die technischen Voraussetzungen ausgelotet wurden. Zum Ergebnis dieses Gesprächs teilt er mit, dass "noch nichts verbindlich festgelegt" wurde. "Wir werden uns jetzt verwaltungsintern abstimmen und entscheiden." Zu weiteren Fragen will Gruner nicht antworten.

Die "aufstrebendste" "Metropole" Schwäbisch Hall hat nun aber die Chance verpasst, selbst Akzente im Wettkampf mit anderen Kommunen zu setzen. Pforzheim hatte bereits Mitte 2013 als erste Großstadt bundesweit flächendeckendes freies W-Lan angeboten. Ellwangen, wie Hall Große Kreisstadt, folgte kurz darauf.

Hotspots versorgen dort Passanten mit dem Funknetz. Ein österreichisches Unternehmen betreibt die Daten-Infrastruktur namens "Free Key". Jugendgefährdende und extremistische Inhalte sowie bekannte Tauschbörsen sind blockiert. Das Angebot finanziert sich über Werbung auf der Startseite. Die Technik funktioniert also - auch mit der schwäbischen Bescheidenheit in Ellwangen.

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