Stahl Waldenburger Explosionsschutzspezialist baut Stellen ab

Ein Foto aus Tagen, an denen es Martin Schomaker, Vorstandsvorsitzender der R. Stahl AG (rechts), und Klaus Walter, der das Stahl-Werk in Neu-Kupfer leitet, noch zum Lachen war. Dieser Standort wird aufgegeben.
Ein Foto aus Tagen, an denen es Martin Schomaker, Vorstandsvorsitzender der R. Stahl AG (rechts), und Klaus Walter, der das Stahl-Werk in Neu-Kupfer leitet, noch zum Lachen war. Dieser Standort wird aufgegeben. © Foto: just/Archiv
JÜRGEN STEGMAIER 07.10.2015
Der Umsatz wird um bis zu 10 Prozent sinken, das Ergebnis könnte einbrechen. Der niedrige Ölpreis macht der Waldenburger R. Stahl AG zu schaffen. Arbeitsplätze werden abgebaut, Standorte aufgegeben.

Die Aktie der Stahl AG hat sich schon in den zurückliegenden Wochen erheblich von ihrem Jahreshoch entfernt. 46 Euro wurden im Spätwinter für den Anteilsschein gezeigt. Gestern Nachmittag war das Papier noch rund 31 Euro wert.

In einer Pflichtmeldung kündigte Stahl gestern an, dass rund 225 Stellen gestrichen werden. Mehr als die Hälfte davon wird deutsche Standorte betreffen. Bei einer Konferenz sprach Vorstandsvorsitzender Martin Schomaker gestern Nachmittag davon, dass Zeitarbeiter zu etwa 50 Prozent von dem Stellenabbau betroffen sind. Wie viele Beschäftigte in Waldenburg ihre Arbeit verlieren werden, konnte Schomaker nicht beziffern.

Zu den Sparmaßnahmen, zu denen sich der Vorstand gezwungen sieht, gehört auch, dass angemietete Flächen im Industriegebiet Neu-Kupfer aufgegeben und nach Waldenburg verlegt werden. Um wie vorgesehen im nächsten Jahr 20 Millionen Euro einsparen zu können, seien in diesem Jahr noch Aufwendungen in Höhe von acht Millionen Euro notwendig. Ein erklecklicher Teil dieser Summe werde für Abfindungen gekündigter Mitarbeiter aufzuwenden sein, räumte Martin Schomaker gestern ein.

Abhängigkeit vom Öl- und Gasgeschäft

Stahl will sich darum bemühen, unabhängiger vom Öl- und Gasgeschäft zu werden. Etwa die Hälfte seines Umsatzes macht Stahl mit der Förder- und Weiterverarbeitungsindustrie. Damit ist die Abhängigkeit bemerkenswert hoch. Der Rückgang dieser Branche sei der stärkste Einschnitt seit der Ölkrise vor mehr als 30 Jahren, merkt Stahl an.

Entwicklungschancen sieht die Aktiengesellschaft, die von Martin Schomaker und Bernd Marx geführt wird, im Ausbau der Sparten Chemie, Pharmazie und Marine. Schließlich kündigt Stahl an, schwach nachgefragte Produkte aus dem Programm zu nehmen. Bei der Konferenz betonte Martin Schomaker: "Wenn wir unsere Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern wollen, müssen wir angesichts dieser Entwicklung jetzt entschlossen handeln. Die notwendige Verbesserung unserer Kostenstrukturen erfordert leider auch Anpassungen bei der Zahl unserer Mitarbeiter. Wir werden dies in enger Abstimmung mit den Belegschaftsvertretungen so sozialverträglich wie möglich gestalten."

Für 2016 erwartet Stahl keine Besserung der Geschäftslage

Sacheinsparungen, Stellenabbau, Standortaufgabe, Produktreduzierung - so sollen im kommenden Jahr rund 20 Millionen Euro eingespart werden. Stahl geht davon aus, dass sich die Öl- und Gaspreise so schnell nicht erholen werden.

Für 2015 hatte die Aktiengesellschaft mit einem Umsatz zwischen 320 und 330 Millionen Euro gerechnet. Diese Prognose lässt sich nicht halten. Sie wurde gestern auf 300 bis 310 Millionen Euro gesenkt. Der Gewinn (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) werde nicht mehr in der Spanne zwischen 16 und 20 Millionen Euro liegen, sondern höchstens noch 5 Millionen Euro betragen, unter Umständen sogar nur 2 Millionen Euro. Von 20 auf 2 Millionen Euro - im Ergebnisbereich liegt Hoffnung und Befürchtung für 2015 besonders weit voneinander entfernt.

Für 2016 erwartet Stahl keine Besserung der Geschäftslage. Entsprechend werden die Prognosen angepasst. Die Umsätze werden die Marke von 300 Millionen Euro wohl nicht erreichen. Stahl geht auf der Basis eines Umsatzes zwischen 280 bis 290 Millionen Euro von einer Ergebnis-Marge für 2016 von 5 bis 7 Prozent aus.