Im Festsaal des Landgasthofs Sonne in Mainhardt-Bubenorbis waren alle Sitzplätze belegt. Über 100 Mitglieder und Gäste des Mainhardter Waldbauvereins Mainhardter Wald und der Forstbetriebsgemeinschaft informierten sich bei der Hauptversammlung der Vereine am letzten Samstag über die aktuellen politischen und waldwirtschaftlichen Entwicklungen für Privatwaldbesitzer.

Einstimmig ermächtigte die Versammlung den Vereinsvorstand mit dem Vorsitzenden Christoph Zimmer an der Spitze, einer neuen Holzverkaufsorganisation beizutreten. Bei dem Pilotprojekt wollen Kommunen, Hospital- und Kirchenwaldbesitzer sowie die Eigentümer von Privatwäldern über die Grenzen von vier Landkreisen hinweg künftig ihr Holz gemeinsam vermarkten.

„Wir sind bei diesem Projekt Vorreiter und versuchen unsere Marktposition zu halten“, betonte Christoph Zimmer. Offen sei noch die Betriebsform der Arbeitsgemeinschaft. Sie hängt laut Zimmer auch von der rechtlichen Beurteilung durch das Regierungspräsidium ab. Starten will die AG mit ihrem ersten Holzverkauf im Frühjahr 2020.

Den Reigen der Grußworte eröffnete Landtagsabgeordnete Jutta Niemann  von Bündnis 90/Grüne mit einem Statement zur Novellierung des Landeswaldgesetztes: „Wir wollen den Kleinwald weiter institutionalisiert fördern, das Einheitsforstamt weiterentwickeln und weniger Bürokatie im Verwaltungsbereich anstreben“. Für die Inanspruchnahme der Privatwälder als Erholungs- und Freizeitraum könne sie sich Ausgleichszahlungen vorstellen.

Staatswald wird bevorzugt

Niemann erwähnte die  Holzbauinitiative des Landes. Holz sei als nachwachsender Baurohstoff ideal. Zudem sprach die Grünen-Abgeordnete die Bedeutung der heimischen Wälder zur CO2-Reduzierung  gegen den Klimawandel sowie die Schädigung der Wälder durch Trockenheit und Stürme an. „Waldbesitzer müssen Maßnahmen für einen klima­stabilen Waldumbau treffen“, forderte Niemann.

Der Landtagsabgeordnete der FDP, Stephen Brauer aus Crailsheim, betonte, dass er zuhören wolle und Stimmungen und Stimmen der Waldbesitzer mit nach Stuttgart nehmen werde. Brauer kritisierte, dass der Staatswald von der Politik gegenüber dem Privatwald bevorzugt werde. Zuhören wollte auch Dominik Schlossstein, der neue Kreisvorsitzende der CDU. „Wenn 38 Prozent unsres Waldes angegriffen und gefährdet sind, ist die Politik gefordert“, meinte der Haller SPD-Kreisvorsitzende Nikolaos Sakellariou. „Der Staat soll bezahlen, was er will“, forderte Helmut Bleher, Geschäftsführer des Bauernverbandes Schwäbisch Hall-Hohenlohe.

Dass die Sachpolitik bei der Neufassung des Landeswaldgesetzes im Vordergrund steht“, wünschte sich Jerg Hilt, Geschäftsführer der Forstkammer Baden-Württemberg. Es sei eine bedenkliche Entwicklung, wenn Waldbesitzer durch gesetzliche Vorgaben nicht mehr über ihr Eigentum verfügen könnten. Hilt kritisierte, dass ein Totholzanteil vorgeschrieben wird und weitere gesetzliche Auflagen kommen.

Höhe der Staatshilfe skandalös

Die gemeinsame Vermarktung hingegen begrüßt Hilt ausdrücklich. Nach dem Kartellurteil zur Trennung des Holzverkaufs in Staatswald einerseits und Kommunal-, Hospital-, Pfarr- und Privatwäldern andererseits sei dies der richtige Schritt. Dass der Staat bundesweit nur 25 Millionen Euro, also weniger als einen Euro je Hektar, zur Entschädigung der Waldbesitzer bei Sturm- und Klimaschäden bereitstellen will, bezeichnete Hilt als Skandal.

„Ich rate Ihnen, schaffen Sie ihr Käferholz so schnell wie möglich aus dem Wald,“ forderte Forstamtsleiter Andreas Wickel die Waldbesitzer auf. So würden sie ihre Vermarktungschancen erhöhen. Dieselbe Forderung wiederholte Förster Oliver Herrmann, zuständig für die Holzverkaufsstelle im Forstamt.

Aus dem Verkauf von 1560 Festmetern Nadelstammholz erlöste die Holzverkaufsstelle 2018 rund 100 000 Euro. Die Aussichten für 2018 bezeichnete der Holzverkäufer als schlecht: bundesweit fielen auf dem Holzmarkt im laufenden Jahr 17 Millionen Festmeter Sturmholz an, hinzu kommen weitere zehn Millionen Festmeter, die vom Käfer befallen oder von der Dürre geschädigt wurden. Abgeschlossen sei der Laubholzverkauf, es könne aber „noch schlechter kommen“.