Gschwend Waldarbeit ist auch etwas für Frauen

Forstwirtin Jennifer Underwood packt ihre Arbeitsgeräte und persönlichen Dinge ins Einsatzfahrzeug. Dann geht es mit der „Rotte“, wie man das Team der Waldarbeiter auch nennt, zur Arbeit im Osterbachrevier.
Forstwirtin Jennifer Underwood packt ihre Arbeitsgeräte und persönlichen Dinge ins Einsatzfahrzeug. Dann geht es mit der „Rotte“, wie man das Team der Waldarbeiter auch nennt, zur Arbeit im Osterbachrevier. © Foto: Brigitte Hofmann
Gschwend / Brigritte Hofmann 13.08.2018
Jennifer Underwood (22) ist ausgebildete Forstwirtin. Seit knapp zwei Wochen arbeitet sie im Wald der Graf von Pückler und Limpurg‘schen Wohltätigkeitsstiftung.

Dienstantritt ist für Jennifer Underwood und ihre Kollegen um 6.30 Uhr, Treffpunkt das Forsthaus in Rotenhar zwischen Unterrot und Frickenhofen. Manfred Rehm, Forstdienstleiter der Graf von Pückler und Limpurg’schen Wohltätigkeitsstiftung, bespricht sich kurz mit seinem Team, dann geht’s hinaus ins Revier. Für die Waldarbeiter beginnt erneut ein Wettlauf mit der Zeit, denn der Borkenkäfer fliegt und sucht neues Fressmaterial. Die geschädigten Bäume müssen raus dem Wald, bevor sich die ungeliebten Tierchen weiter in gesundes Holz einbohren und den Fichten den Garaus machen. Gerade in Hitzeperioden, wenn auch die Bäume leiden, haben sie leichtes Spiel. Richtig Stress bedeutet das für die Waldarbeiter, die bei 30 Grad Hitze in voller Schutzkleidung, das heißt mit Schnittschutzhose und dicken Stiefeln, den Schädlingen zu Leibe rücken. Einsatzort ist an diesem Tag das Gebiet um den Hirschbach zwischen Schönberg und Rotenhar.

Jennifer Underwood liebt ihre Arbeit. Sie war schon als Kind leidenschaftlich gern draußen in der Natur, egal bei welchem Wetter. Seit 27. Juli steht die junge Forstwirtin in Diensten der Pückler-Limpurg’schen Stiftung. Geschäftsführer Matthias Rebel hat sie nach der Ausbildung vom Fleck weg eingestellt. Sie ist die erste Frau, die im neuen Forststützpunkt Hohenohl bei Gschwend die praktische Ausbildung erhalten hat. Vielleicht ist sie sogar die erste Forstwirtin in Baden-Württemberg, zumindest aber die erste ausgebildete Waldarbeiterin im Limpurger Land. „Sie macht das richtig gut“, befindet Forstwirtschaftsmeister und Rottenführer Reinhard Steuer. Nachdem Motorsägen, Helme, die Gürtel mit den Messwerkzeugen und weiteres Gerät im Einsatzfahrzeug verstaut sind, macht er sich mit „Jenni“, wie sie genannt wird, und Julian Kissinger, einem weiteren jungen Forstwirt, auf den Weg ins Osterbachrevier. Die Arbeitskollegen Helmut Hähnle und Rene Wolf sind in Urlaub.

Schon früh sei ihr klar gewesen, dass sie später einmal in der Natur arbeiten wolle, erzählt Jennifer Underwood. Der Nachname, der übersetzt Unterholz heißt, habe damit aber weniger zu tun. Ihr Vater sei Amerikaner. Sie ist in Ruppertshofen aufgewachsen, hat die dortige Grundschule und dann die Realschule in Schwäbisch Gmünd besucht, und ein Jahr Bundesfreiwilligendienst im Haus Lindenhof, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen, draufgesetzt. Auch Landschaftsgärtnerin wäre für sie als Beruf in Frage gekommen, wenn nicht der Wald die stärkere Zugkraft besessen hätte. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn ein Baum fliegt und auf dem Boden landet“, sagt sie. Und sehr befriedigend, wenn nach der Holzernte sichtbar werde, was man tagsüber geschafft hat. Sie mag ihren schönen Wald genau an der Grenze zwischen Ostalbkreis und Landkreis Hall. Und dann ist da noch der „weiterweg“, eine Art Walderlebnisweg, der eine besondere Mischung aus Kunstpfad und Besinnungsweg darstellt, und den es in Ordnung zu halten gilt.

 Dass Waldarbeit hart und eher Männersache ist, weiß Jennifer Underwood. Andererseits ist sie der Meinung, dass die Technik heute soweit sei, dass auch Frauen diesen Beruf ausüben können. Wichtig sei, körperlich fit zu sein, sich gesund zu ernähren und ausreichend zu schlafen. Denn Waldarbeit sei Teamarbeit, da müsse man sich aufeinander verlassen und voll vertrauen können. In einigen Jahren werde sie sehen, ob und wie lange ihr Körper das mitmacht. Doch solche Gedanken bereiten ihr im Moment wenig Kopfzerbrechen. Sie ist begeisterte Forstwirtin – sie lebt ihren Traum.

Die Ausbildung dauert drei Jahre

Jennifer Underwood ist 22 Jahre alt und lebt in Ruppertshofen im Ostalbkreis. Nach Grundschule, Realschule und Bundesfreiwilligendienst begann sie mit der Ausbildung zur Forstwirtin in Hohenohl bei Gschwend. Der Ostalbkreis betreibt für den praktischen Teil Ausbildungsstätten an zwei Stützpunkten. Der eine ist Hohenohl bei Gschwend, der andere Ellenberg bei Ellwangen. Den theoretischen Teil absolvieren die Azubis im Blockunterricht im Forstlichen Bildungszentrum in Königsbronn-Itzelberg oder in Gengenbach-Mattenhof im Schwarzwald. Der Beruf erfordert Freude an der Natur, Gesundheit und Fitness, handwerkliche Begabung, technisches Verständnis und die Bereitschaft zu eigenverantwortlichem Arbeiten. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre, Voraussetzung ist ein Realschulabschluss. hof

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