Baubranche Wachstum mit Wermutstropfen

Die Auftragslage stimmt: Auch Friedrich Feuchter ist gut ausgelastet – hier etwa mit einem Wohnungsbauprojekt in der Ellwanger Straße in Crailsheim.
Die Auftragslage stimmt: Auch Friedrich Feuchter ist gut ausgelastet – hier etwa mit einem Wohnungsbauprojekt in der Ellwanger Straße in Crailsheim. © Foto: Friedrich Feuchter Bauunternehmung
Hohenlohe / Frank Lutz 25.09.2018
2018 könnte für die Betriebe in der Region noch erfolgreicher verlaufen als 2017. Neben dem gravierenden Fachkräftemangel bremsen aber noch weitere Faktoren das Wachstum.

Ein um mehr als zwölf Prozent auf 5,46 Milliarden Euro gestiegener Auftragseingang bei Betrieben mit über 20 Beschäftigten, eine Umsatzsteigerung um 13 Prozent auf 5,32 Milliarden Euro und eine – trotz personeller Engpässe – um 5,1 Prozent auf rund 105.000 Personen angewachsene Beschäftigtenzahl – der Baubranche ging es landesweit im ersten Halbjahr 2018 nach wie vor glänzend. Auch der neue Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, Markus Böll, bezeichnete die Lage bei der Halbjahrespressekonferenz diesen Monat in Stuttgart als „sehr komfortabel“. Doch einen großen Wermutstropfen gebe es, wie Pressesprecherin Eleni Auer hinzufügte: „An Aufträgen mangelt es nicht, wohl aber an Fachkräften.“

Auftragszahl und Umsatzkurve gehen weiter nach oben, aber der erhöhte Personalbedarf kann nur noch mit Mühe oder gar nicht mehr gedeckt werden – gilt das auch für die Region? Wie schätzen Bauunternehmer zwischen Heilbronn und Crailsheim die Situation ein?

„Das Jahr 2018 ist für die Unternehmen des Bauhauptgewerbes auch nach 2016 und 2017 wieder sehr erfolgreich“, beschreibt Gerhard Feuchter, Obermeister der Bau-Innung Schwäbisch Hall-Crailsheim, dessen Bezirk mit dem Haller Landkreis identisch ist, die aktuelle Lage im Innungsbezirk. Nicht nur im Wohnungsbau, sondern auch mit Gewerbeobjekten und staatlichen Aufträgen, werde mehr umgesetzt.

Ähnlich sieht es der Präsident der Handwerkskammer (HWK) Heilbronn-Franken, Ulrich Bopp, für den gesamten Kammerbezirk: „Die Baubranche hat sich in unserer Region im Jahr 2017 besser entwickelt als erwartet“, sagt der Bauunternehmer. „Und die bisherige Entwicklung der vergangenen Monate lässt darauf schließen, dass auch das Jahr 2018 als ein außerordentliches Erfolgsjahr abschließen wird.“ Doch ähnlich wie die Bauwirtschaft Baden-Württemberg sieht auch Bopp im Fachkräftemangel eine ernste Bedrohung für weiteres Wachstum: „Insbesondere kleinere Betriebe klagen zunehmend sehr stark über personelle Engpässe und können dadurch nicht mehr jeden Auftrag annehmen. Der Fachkräftemangel ist – übrigens im Moment im ganzen Handwerk – die größte Herausforderung für die Branche.“

Im Hinblick auf ihren eigenen Betrieb teilen Bauunternehmer aus der Region Feuchters und Bopps allgemein die positive Stimmung, aber auch Bopps Sorge vor Personalengpässen: „Die Geschäftslage ist gut bis sehr gut, alle Bereiche sind ausgelastet und auch der Auftragsbestand entwickelt sich sehr positiv“, berichtet Alexander Weiss, Geschäftsführer Personal und Kommunikation beim Bauunternehmen Leonhard Weiss, das in Satteldorf einen seiner Hauptstandorte unterhält. Schon im vergangenen Jahr sei der Umsatz um 40 Millionen Euro auf rund 1,25 Milliarden Euro, die Mitarbeiterzahl um 412 auf über 5100 Personen gestiegen. Und für dieses Jahr gelte: „Wir gehen davon aus, dass das Jahr 2018 ähnlich erfolgreich abgeschlossen werden kann wie 2017.“

Dem Fachkräftemangel versuche das Unternehmen mit vielen verschiedenen Maßnahmen entgegenzuwirken, die vor allem die eigene Attraktivität und Vielfalt sowie die des gesamten Baugewerbes hervorheben sollen. Laut Alexander Weiss durchaus mit Erfolg: „Es gibt einen ganzen Blumenstrauß an Werkzeugen und Maßnahmen, die wir dazu nutzen und die uns in den letzten Jahren immer wieder zu einem der besten Arbeitgeber der Branche Baugewerbe gemacht haben. Erst vor wenigen Tagen konnten wir 108 junge Menschen als Auszubildende in unseren Reihen begrüßen.“

Bessere Lage, höhere Löhne

Auch Gerhard Feuchter beschreibt die Geschäftslage seines eigenen Betriebs, der Friedrich Feuchter Bauunternehmung in Crailsheim, als „positiv in den letzten drei Jahren“. 2018 werde sich „stabilisieren im Bereich ,zufriedenstellend’“: Der, verglichen mit dem letzten Jahr, noch besseren Geschäftslage stünden die seit Mai um sechs Prozent erhöhten Löhne in der Baubranche gegenüber. Dem Fachkräftemangel als „unserem größten Problem“ versuche das Unternehmen vor allem entgegenzuwirken, indem es sich an den Ausbildungsmessen in Schwäbisch Hall und Crailsheim sowie an der Imagekampagne des deutschen Handwerks beteiligt.

Etwas weniger optimistisch äußert sich Alois Schöllhorn, Geschäftsführer von Böpple Bau in Heilbronn: „Nach einem guten Jahr 2017 werden wir das Ergebnis dieses Jahr nicht mehr erreichen.“ Im vergangenen Jahr war der Umsatz des Unternehmens noch um 7,5 Prozent auf rund 50 Millionen Euro gestiegen. Doch 2018 werde „eher schlechter aufgrund steigender Subunternehmer- und Materialpreise“ laufen. Hinzu kommen auch aus Schöllhorns Sicht die gestiegenen Löhne im Bauhauptgewerbe.

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Mitgliedsbetriebe hat die Bau-
Innung Schwäbisch Hall-Crailsheim. 2655 Mitglieder aus der Bau-/Ausbau-Branche zählte die HWK Heilbronn-Franken im letzten Jahr, 607 davon im Haller Landkreis. Fast 11 900 Personen sind in Heilbronn-Franken  in der Baubranche tätig, davon gut 5600 im Haller Landkreis (Stand: Juni 2017).

Abwrackprämie und Nachtarbeit

Eine Abwrackprämie für alte Immobilien soll Platz für Neubauten schaffen – das schlug Markus Böll, Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, diesen Monat bei der Halbjahrespressekonferenz des Verbands in Stuttgart vor.

Führende Vertreter der regionalen Bauwirtschaft stehen dem Vorschlag positiv gegenüber: „Wir unterstützen das Bestreben, sanierungswürdige Altbauten abzubrechen, in der Form, dass kein weiterer Landverbrauch stattfindet, dass Städte, aber hauptsächlich Dörfer, in ihrem Kern nicht ausbluten und sich dort wieder eine lebendige Gemeinschaft mit jungen Familien bildet“, sagt Gerhard Feuchter, Obermeister der Bau-Innung Schwäbisch Hall-Crailsheim.

Den Vorschlag von Präsident Markus Böll unterstütze ich zu 100 Prozent“, stimmt auch Ulrich Bopp, Präsident der Handwerkskammer (HWK) Heilbronn-Franken, zu. Allerdings dürfe nicht alleine die finanzielle Förderung im Vordergrund stehen: „Es gibt, aus Sicht des Landesdenkmalamtes erhaltenswerte Objekte, die meiner Meinung nach häufig nicht erhaltenswert sind. Diese könnte man für die Nachwelt dokumentieren, im Anschluss abreißen und dadurch innerörtlich zusätzlichen interessanten Baugrund zur Verfügung stellen.“

Verschiedener Meinung sind Feuchter und Bopp beim Vorschlag von Verkehrsminister Winfried Hermann, vor allem auf Straßenbaustellen auch Nachtarbeit zuzulassen: „Der Vorschlag von Verkehrsminister Hermann zur Nachtarbeit lässt sich meines Erachtens in der Abwicklung sehr schwer und aufwendig auch in Bezug auf Personal durchführen  und findet deshalb nicht meine Begeisterung“, sagt Feuchter. Bopp findet die Idee grundsätzlich nicht falsch: „Ich würde diese Entscheidung situationsabhängig treffen wollen und denke, dass die Betriebe diesbezüglich bereits über die nötige Logistik verfügen.“

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