Künzelsau Würth wächst und wächst

Die Niederlassungen sind ein zentraler Bestandteil der Vertriebslogistik. Spätestens in 48 Stunden sind Produkte rund um den Globus bei den Kunden, verspricht Würth.
Die Niederlassungen sind ein zentraler Bestandteil der Vertriebslogistik. Spätestens in 48 Stunden sind Produkte rund um den Globus bei den Kunden, verspricht Würth. © Foto: Foto: Würth
Künzelsau / Heribert Lohr 20.07.2018
Großhandel Die Würth-Gruppe mit einem brillianten ersten Halbjahr. Der Künzelsauer Marktführer für Befestigungs- und Montagetechnik steigert Umsatz und Ertrag deutlich.

In Künzelsau-Gaisbach, am Stammsitz der Würth-Gruppe, konnten dieser Tage die Gläser wieder einmal gehoben werden. In den ersten sechs Monaten erwirtschaftete der Handelskonzern mit seinen mehr als 400 Gesellschaften in über 80 Ländern einen Umsatz von 6,8 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 6,5 Prozent.

Die deutsche Gruppe wächst mit 7,9 Prozent sogar überdurchschnittlich und  erwirtschaftete einen Umsatz von 2,9 Milliarden Euro. Im Ausland konnte Würth seinen Umsatz um 5,4 Prozent steigern.

Die deutlichen Zuwächse sind vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Würth-Gesellschaften in Ost- und Südeuropa derzeit mit zweistelligen Zuwachsraten aufwarten. Besonders der noch vor Kurzem schwächelnde Süden entwickelt sich weiterhin sehr positiv. Dabei, so scheint es, kann die allgemeine Verunsicherung der guten Entwicklung, zumindest derzeit, wenig anhaben. „Wir gehen nach wie vor davon aus, dass wir auch in diesem Jahr wieder Rekorde bei Umsatz und Betriebsergebnis vermelden werden, auch wenn der ifo-Geschäftsklimaindex im Juni leicht zurückging und die Konjunkturprognosen nur noch verhalten optimistisch sind“, gibt sich Robert Friedmann, Sprecher der Konzernführung sehr zuversichtlich.

Die Adolf Würth GmbH & Co. KG (AWKG), das Mutterunternehmen des Konzerns, erzielte im Juni einen neuen Rekordumsatz von erstmals über 150 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr erwirtschaftete die größte Einzelgesellschaft in der Unternehmensgruppe insgesamt 811 Millionen Euro.

Große Investitionen

Gerade in der jüngeren Vergangenheit hatte die Konzernführung dem gepflegten Grundsatz des Firmenpatriarchen („Wachstum ohne Gewinn ist tödlich“)  zusätzliche Bedeutung beigemessen, die Prozesssteuerung verfeinert und damit auch zusätzlich die Produktivität gesteigert. Das drückt sich auch in Zahlen aus:  Das Betriebsergebnis der Würth-Gruppe liegt im ersten Halbjahr 2018 bei 400 Millionen Euro. Eine Steigerung von 19,8 Prozent. Das Handelsunternehmen verdient prächtig, auch wenn Robert Friedmann diese Tatsache mit seiner Beschreibung „Wir sind mit dem überproportionalen Ergebnisanstieg zufrieden“ mit einer gewissen verbalen Zurückhaltung begleitet.

Würth wäre nicht Würth, würde das Geld nicht umgehend investiert. So feierte die AWKG erst vor Kurzem den Spatenstich für das neue Umschlaglager im Gewerbepark Hohenlohe direkt an der A 6 – eine Investition in das weitere Wachstum des Unternehmens.  Wie ausführlich berichtet, ist es das Ziel des 73 Millionen-Euro-Projektes, Liefersplits zu vermeiden und die Positionen pro Bestellung zu bündeln, sodass der Kunde zukünftig genau eine Sendung erhält.

Neben der hohen Qualität der Produkte setzt das Unternehmen noch stärker auf den Service- und Dienstleistungscharakter, um die Partnerschaft mit seinen Kunden weiter zu vertiefen. Das geplante Gebäude mit einer Grundfläche von rund 50 000 Quadratmetern bildet mit seiner Fertigstellung im Frühjahr 2020 das europäische Drehkreuz des Weltmarktführers. Ein Fünftel der Aufträge gehen direkt ins europäische Ausland.

Parallel dazu investiert Würth Elektronik eiSos, zwei Jahre nach Eröffnung eines hochmodernen Logistikzentrums mit Musterfabrik, weitere 25 Millionen Euro an seinem Standort in Waldenburg. Mit dem Bau von 4000 Quadratmetern Logistik-Nutzfläche und einem vollautomatischen Shuttle-Lager auf 1300 Quadratmetern werden die bereits bestehenden Lager-, Kommissionier- und Logistikflächen nahezu verdoppelt. Der Neubau ist dem Anspruch geschuldet, die Kunden in aller Welt innerhalb von 24 bis 48 Stunden mit Mustern und großen Mengen elektronischer und elektromechanischer Bauelemente zu beliefern.

Fast 1800 neue Mitarbeiter

Auch in der Ferne geht es voran. In Italien expandiert der Würth Elektrogroßhandel (W.EG) durch eine strategische Partnerschaft (Mehrheitsbeteiligung) mit MEB s.r.l., einem der führenden Elektrogroßhändler in Norditalien mit Sitz in Schio, Venetien. Das Unternehmen beschäftigt aktuell 250 Mitarbeiter in 24 Niederlassungen. Das Produktprogramm umfasst vor allem Beleuchtung, Gebäudeautomation, Niederspannungsverteilung und -kontrolle, erneuerbare Energien, Kabel und industrielle Automatisierungstechnik. Die Transaktion unterliegt noch der Zustimmung der Kartellbehörden.

Die gute Geschäftsentwicklung beim größten Arbeitgeber in Hohenlohe-Franken zeigt sich auch in der weiter steigenden Zahl an Mitarbeitern. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat sich die Zahl „der Würthler“ um 1975 auf 76 134 erhöht. In Deutschland arbeiten derzeit 23 305 Menschen für die Künzelsauer. Fast fünf Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Trotz Digitalisierung und Multi-Channel-Vertrieb ist der Außendienst traditionell stark besetzt. Dort sind derzeit konzernweit 32 898 Menschen in Festanstellung.

40

Prozent des Umsatzes des Würth-Konzerns werden von den „Allied Companies“ erwirtschaftet. Es handelt sich um Unternehmen, die an das Kerngeschäft angrenzen oder diversifizierte Geschäftsbereiche bearbeiten. Die Gesellschaften ergänzen das Angebot der rund 125 000 Produkte in der Würth-Linie um Produkte für Bau- und Heimwerkermärkte, Elektroinstallationsmaterial, elektronische Bauteile wie etwa Leiterplatten sowie Finanzdienstleistungen.

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