Reinigungsfirmen Vorwurf: Schmutzige Praktiken

Bei Reinigungsfirmen werde nicht immer sauber abgerechnet, so der Vorwurf der Gewerkschaft.
Bei Reinigungsfirmen werde nicht immer sauber abgerechnet, so der Vorwurf der Gewerkschaft. © Foto: ht
Schwäbisch Hall / ht 07.07.2018

Reinigungsfirmen im Landkreis Schwäbisch Hall würden nur selten ins Visier des Zolls geraten. Das bemängelt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. Nach IG-BAU-Angaben überprüfte die Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim zuständigen Hauptzollamt Heilbronn im vergangenen Jahr insgesamt 52 Reinigungsunternehmen in der Region. Zum Vergleich: Allein im Kreis Schwäbisch Hall zählt die Branche laut Arbeitsagentur 31 Betriebe.

Häufige Beanstandungen

Die IG BAU Stuttgart spricht von „Gelegenheitsvisiten“ der Zöllner. „Der Finanzkontrolle Schwarzarbeit fehlt es an Personal, um illegale Machenschaften in allen Wirtschaftsbereichen konsequent zu verfolgen“, sagt IG-BAU-Bezirksvorsitzender Mike Paul. Komme es dann doch zur Prüfung, gebe es in der Reinigungsbranche häufig etwas zu beanstanden. So deckte das Hauptzollamt Heilbronn hier im letzten Jahr einen Schaden von rund 59 000 Euro wegen nicht gezahlter Steuern und Sozialabgaben auf.

92 Verfahren

Dies hat das Bundesfinanzministerium der Grünen-Bundestagsabgeordneten Beate Müller-Gemmeke mitgeteilt. Danach leiteten die Beamten 92 Ermittlungsverfahren gegen Reinigungsfirmen in der Region ein. „Die Zahlen zeigen, dass so manche Chefs in der Gebäudereinigung weiterhin auf schmutzige Praktiken setzen. Denn wer Löhne drückt oder Sozialabgaben prellt, der schadet nicht nur dem Staat und den Sozialkassen, sondern verzerrt auch den Wettbewerb“, so Paul. Nur wenn sich alle Unternehmen an die Standards hielten, könne die Branche zum Saubermann werden.

Dazu gehöre insbesondere die richtige Bezahlung. In der Gebäudereinigung gilt derzeit ein Mindestverdienst von 10,30 Euro pro Stunde.

13,55 Euro in der Stunde

Glas- und Fassadenreiniger müssen einen Stundenlohn von 13,55 Euro bekommen. Diese Löhne sind für alle Reinigungsfirmen im Kreis Schwäbisch Hall verpflichtend. Das werde ebenfalls vom Zoll kontrolliert.

Um auf ein „solides Kontroll-Level“ zu kommen, fordert die IG BAU mehr Personal für die Finanzkontrolle Schwarzarbeit. Bundesweit seien mindestens 10 000 Beamte notwendig. Auch höhere Bußgelder und Strafen würden die Arbeitgeber deutlich stärker abschrecken, sagt Paul.

Österreich gehe hier viel drastischer vor: Dort liege das Strafmaß für Lohnprellerei auf Baustellen bei 1000 bis 10 000 Euro pro unterbezahltem Mitarbeiter. Sind mehr als drei Mitarbeiter vom Betrug betroffen, winke ein Bußgeld in Höhe von 2000 bis 20 000 Euro. Bei wiederholtem Verstoß seien bis zu 50 000 Euro fällig – zu zahlen vom Arbeitgeber. Und zwar für jeden Arbeitnehmer, der um seinen Lohn gebracht wurde.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel