Petition Vorstoß der Michelbacher Windkraftgegner verpufft

Seit 2016 liefern die sieben Windräder des Windparks Kohlenstraße auf dem Höhenrücken der Limpurger Berge Strom für cirka 11 500 Haushalte.
Seit 2016 liefern die sieben Windräder des Windparks Kohlenstraße auf dem Höhenrücken der Limpurger Berge Strom für cirka 11 500 Haushalte. © Foto: Archivfoto: Ufuk Arslan
Michelbach / Elisabeth Schweikert 05.10.2018
Michelbacher Windkraftgegner beschweren sich bei Akkreditierungsstelle  DakkS. Grund ist das Schallgutachten vom Vorjahr. Das Ingenieurbüro bleibt akkreditiert.

Die Aktion ging aus wie das Hornberger Schießen. Hoffnungsvoll gingen die Windkraftgegner auf die Presse zu, sie erwarteten von der Akkreditierungsstelle DAkkS eine Rüge für das Ingenieurbüro rw bauphysik. Doch wie sich gestern Nachmittag herausstellte, hat das Berliner Institut schon im Sommer dem Büro nach der Prüfung die Akkreditierung wieder erteilt.

Doch der Reihe nach. Sie hätten noch weitere Pfeile im Köcher. So äußerten sich sinngemäß vor gut einem Jahr die Windkraftkritiker, welche auf Fehler in einem Schallgutachten hingewiesen hatten, welches das Büro rw bauphysik im Auftrag der Windpark Kohlenstraße GmbH abgegeben hatte.

Das Büro hatte die Messwerte erhoben, als Gegenwind herrschte – das Rauschen des Windes also vom Messort weggeweht worden war. Das Büro räumte den Fehler ein und wertete die Messungen nochmals aus. Das Ergebnis zeigte, dass der Pegel unter den Grenzwerten liegt. Auch gegen diese Auswertung protestierten die Vertreter der Bürgerinitiative „Pro Limpurger Berge“. Sie kritisierten den Messpunkt, bemängelten, es seien DIN-Normen nicht eingehalten worden.

Amt bestätigt Gutachten

Die Gegenseite – das Ingenieurbüro und die Stadtwerke – verwies indes darauf, dass die Messungen für ein privates Gutachten gedacht waren und nicht für ein amtliches Verfahren. In diesem Fall könnten einzelne Parameter weggelassen werden. Grünes Licht gab dafür auch das Haller Landratsamt.

Diesen Sommer haben die Windkraftgegner den nächsten Schritt unternommen: Im Juli reichten sie eine Beschwerde bei der Deutschen Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS) ein. Die DAkkS hat den Auftrag, Laboratorien, Inspektions- und Zertifizierungsstellen hinsichtlich ihrer Kompetenz zu überwachen. Mit der Akkreditierung bestätigt das Institut, dass die Unternehmen fachlich korrekt arbeiten.

Nicole Schneider-Akin von der Pressestelle der DAkkS bestätigte vergangene Woche, dass eine Beschwerde eingegangen sei. „Diese wurde unter Hinzuziehen der zuständigen Abteilung von unserer Beschwerdestelle geprüft und die Beschwerde wurde angenommen. Das bedeutet, dass der Beschwerdegrund von der DAkkS anerkannt wurde – die vorgetragenen Anhaltspunkte rechtfertigen eine Untersuchung der Vorwürfe.“

Widersprüchliche Aussagen

Unterschiedlich stufen Windkraftgegner und das Ingenieurbüro das Verfahren ein. Michael Schuch von der BI erklärt: „Durch unsere Petition wollen wir erreichen, dass Missstände ans Licht kommen, Fehlverhalten gerügt und verloren gegangenes Vertrauen wiederhergestellt wird. Das Antwortschreiben der DAkkS lässt hoffen, dass unsere Petition ihr Ziel erreicht.“

Anders bewertet indes rw bauphysik die Sache: „Aus der Beschwerdeannahme ergibt sich kein neuer Sachverhalt.“ Die DAkkS habe im Rahmen des Audits 2018 den Fall überprüft und abgeschlossen. Es habe keinerlei Beanstandungen gegeben. In diesem Fall sei „der hinreichend diskutierte Fehler passiert“. Daraufhin sei der Bericht zurückgezogen und korrigiert worden.

Wegen des Feiertags und personellen Engpässen bei der DAkkS war erst gestern Nachmittag auf weitere Nachfragen zu erfahren, dass – so wie es rw bauphysik geschildert hatte – die Beschwerde bereits abgearbeitet ist. Wie von dem Berliner Institut zu erfahren war, rührte die unterschiedliche Einschätzung des Sachverhalts daher, dass die Bürgerinitiative erst vor Kurzem informiert worden war, dass die Beschwerde angenommen worden ist.

Die Messungen für das weitere Gutachten laufen noch

Im Februar wurde vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart das letzte Verfahren gegen die Genehmigung des Windparks Kohlenstraße abgeschlossen. In einem rechtskräftigen Vergleich wurden alle Einsprüche von Michelbacher Bürgern abgewiesen.

Damit der Rechtsstreit einvernehmlich beendet wird, schlug der Richter einen Vergleich vor. In diesem verpflichtete sich die Windkraft Kohlenstraße GmbH, mit einem Gutachten nachzuweisen, dass durch den Betrieb der sieben Windenergieanlagen die für die Nacht festgelegten Schall­immissionswerte von 34 Dezibel an den Häusern „Am Wegerich 14“ und an der „Sankt-Kilian-Straße 59“ in Michelbach nicht überschritten werden.

Gebhard Gentner, Chef der Haller Stadtwerke und der Windkraft Kohlenstraße GmbH, teilt mit, dass der Richter des Verwaltungsgerichts das Gutachterbüro Wölfel aus Höchberg bestimmt habe. Dieses wurde im März beauftragt. Das Messkonzept wurde Ende April dem Landratsamt übermittelt. Wie Gentner schreibt, beobachte das Büro die Windsituation ständig, aber bis einschließlich Dienstag dieser Woche seien weder die Witterung noch Windrichtung und Windgeschwindigkeit eingetreten, bei welchen eine aussagefähige Messung hätte durchgeführt werden können. sel

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