Gesundheit Vorsicht beim Sport

Dr. Lothar Jahn, Chefarzt Innere Medizin und Kardiologie.
Dr. Lothar Jahn, Chefarzt Innere Medizin und Kardiologie. © Foto: privat
Schwäbisch Hall / Manuela Giesel 08.06.2018
Dr. Lothar Jahn, Chefarzt für Innere Medizin und Kardiologie, erklärt in einem Vortrag, wie man trotz Herzproblemen aktiv sein kann.

Mehr als 40 Besucher kamen vor kurzem bei sommerlichen Temperaturen in das Haus der Bildung in Schwäbisch Hall, um sich über die Möglichkeiten, Auswirkungen und Grenzen von Sport bei Herzerkrankungen zu informieren. Privatdozent Dr. Lothar Jahn, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Kardiologie informierte die Zuhörer im Rahmen der Vortragsreihe „Diakademie“ ausführlich über das menschliche Herz und seine sportliche Seite.

„In den letzten 20 Jahren hat sich die Auffassung und Therapie in Bezug auf Sport bei herzkranken Menschen grundlegend verändert: Von der Warnung vor Überlastung zur heutigen Empfehlung mit richtig dosierten sportlichen Trainingseinheiten“,  so der Kardiologe, der seit dem Jahr 2000 am Schwäbisch Haller Diakonie-Klinikum arbeitet. Er informierte zunächst über die verbreiteten Herz- und Gefäßerkrankungen und deren Auswirkungen. Wer an Atemnot, Engegefühl oder Brennen in der Brust leide, solle sich so schnell wie möglich mit seinem Hausarzt besprechen. Nach und neben einer kardiologischen Abklärung und Therapie ist es wichtig, mit einem richtig dosierten Sportprogramm zu starten.

Körperliche Aktivität oder Sport kann viele Herzerkrankungen positiv beeinflussen. Die Gefahr einer Überlastung und Schädigung des Herzens durch Sport muss jedoch sicher ausgeschlossen werden. Denn bei extremem Leistungssport und zeitgleicher Herzerkrankung bekommt das Lebensmotto Winston Churchills: „Sport ist Mord“ eine erschreckend realistische Bedeutung.

Dr. Jahn plädiert deshalb für eine individuelle Bestimmung der Belastbarkeit mit gezielter Empfehlung zur Ausübung geeigneter Sportarten, das sei eine wichtige Grundvoraussetzung. Das kann anfangs fünf Minuten tägliches zügiges Spazierengehen bedeuten. Später wird die Intensität allmählich erhöht. Mit körperlicher Aktivität verbessert sich auch die Schlagkraft des Herzens ebenso wie die Blutzirkulation und Sauerstoffaufnahme. Gleichzeitig werden die Herzfrequenz sowie die Cholesterinwerte gesenkt. Eine begleitende medikamentöse Blutdrucktherapie ist trotz Sport aber oftmals nicht zu vermeiden.

Dem Mediziner ist die regelmäßige Bewegung wichtiger als falscher sportlicher Ehrgeiz. Deshalb sei vor Aufnahme sportlicher Aktivitäten die individuelle Feststellung der Belastbarkeit und eventueller Einschränkungen so wichtig. Für geeignet hält er Sportarten wie Walking, Radfahren, Schwimmen, Joggen oder mit Einschränkungen Ballsportarten, die mit ihrer hohen, manchmal punktuellen Belastungsintensität eher weniger geeignet sein können.

Außerdem solle man die Bewegung als Bereicherung wahrnehmen und gerne machen. „Im Alltag ergeben sich viele Möglichkeiten, im Kleinen zu beginnen: Treppe statt Aufzug oder Fahrrad statt Auto. So kann sich jeder regelmäßig sein individuelles Programm zusammenstellen.“ Damit schloss der Chefarzt seinen Vortrag. Im Anschluss daran blieb noch genügend Raum für zahlreiche Fragen der Zuhörer, die von Dr. Jahn ausführlich beantwortet werden konnten.

Info Die Autorin Manuela Giesel leitet die Öffentlichkeitsarbeit am Diak.

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