Bühlerzell / Sigrid Bauer Die Narretei ist für Benno Gmeiner schon immer eines der wichtigsten Ereignisse im Jahr gewesen. Auch, seit er in Australien lebt, ist er fest als Akteur im Programmfasching und beim Umzug eingeplant.

„Dafür scheue ich keine Kosten und Mühe“, stellt der junge Mann fest, während er auf der anderen Seite der Erdkugel um 5 Uhr morgens mit dem Bus in Sydney zur Arbeit fährt. Als waschechter Bühlerzeller ist er mit dem Faschingsgen geboren, und das gibt keine Ruhe, egal, wo sich der gelernte Schreiner aufhält. „Nach einem Jahr ohne Fasching war mir klar, dass ich wieder dabei sein und mitwirken will, auch wenn ich zurzeit in Australien lebe und arbeite“, stellt er klar.

In vielen Orten in der Region wird das „bunte Treiben“ gefeiert. Bist du mittendrin oder ist dir das egal?

Über mehrere WhatsApp-Gruppen steht Benno in Kontakt mit den Faschingsgrößen in Bühlerzell. Zum Beispiel mit Heike Dambacher, einem Mitglied des Funk-Clans, ohne den in der fünften Jahreszeit in Zell nichts läuft. Sie kümmert sich um seine Rollen beim Programmfasching. „Dieses Jahr haben wir für unseren Showtanz das Thema Spielzeugladen, und Benno übernimmt den Part des Erzählers. Ich schicke ihm das Video und den Text. Das funktioniert mit ihm extrem unkompliziert“, berichtet die junge Frau, die den Showtanz mit Mitgliedern der Bühlerzeller Sportfreunde einstudiert.

In wenigen Stunden „von null auf Fasching“

Viel Zeit bleibt Benno nicht, bis er auf der Bühne steht. „Ich fliege am Mittwochabend vor dem Programmfasching in Sydney los und bin dann 23 Stunden unterwegs. Mit der Zeitverschiebung von zehn Stunden komme ich am Donnerstagabend in Bühlerzell an“, schildert er. Ist er dann nicht total k.o.? „Nein! Das Faschingsfieber packt einen gleich. Ich bin in wenigen Stunden von null auf Fasching“, erklärt er.

Bildergalerie Prunksitzung bei der Bühlertanner Fastnacht 2019

Schließlich ist am selben Abend die Generalprobe für das Programm am nächsten Abend. „Wir üben das, aber in der Regel klappt das immer gleich ziemlich gut. Benno ist ein Allroundtalent, er kann gut tanzen, gut schauspielern, er macht jeden Witz mit. Und wenn mal was nicht passt, improvisiert er einfach“, zählt Heike Dambacher, die Tochter von Erwin Funk, Bennos Vorzüge auf. Beim Programmfasching 2018 hatte er vier Auftritte und zwei Einsätze bei Showtänzen. Und im Jahr davor ist er sogar kurzfristig in die Rolle einer Seiltänzerin geschlüpft, weil jemand wegen Krankheit ausgefallen war.

„Auf Benno ist Verlass“

Und wie läuft das mit den Kostümen? „Da kümmert sich auch die Heike drum“, so der Wahl-Australier. „Ich schreibe ihm, was er braucht, er bestellt von Sydney aus und lässt es gleich nach Bühlerzell liefern. Das Tolle an Benno ist, auf ihn ist Verlass  und egal, wann ich ihm schreibe, ob um 11 Uhr nachts, morgens oder spätnachmittags, er antwortet immer gleich“, berichtet die Kontaktfrau aus Bühlerzell.

Etwas komplizierter war es vergangenes Jahr, als sich die Guggafatzer neu eingekleidet haben. Denn schließlich ist er auch Mitglied im Musikverein. „Start für das neue Kostüm war am Kellerwaldfest,“ erinnert er sich. „Sabine Strobel, unsere Schneiderin, hatte den ersten Prototyp der Jacke fertig und hat dann gleich meine genäht, als ich noch da war. Hat super gepasst“, meint er. Den individuellen Hut hat sein Freund David Haas gestaltet, dem er dabei freie Hand gelassen habe.

Der Eckartshäuser Fasching gilt dem Dorf – und das feiert ausgiebig im Bürgerhaus.

Mit seiner Posaune steigt er also auch beim Programmfaschingsauftritt der Guggafatzer sofort voll mit ein. „Man kämpft sich so durch, aber wenn es nach einem Jahr Pause etwas schräg klingt, fällt es ja nicht so auf. Am zweiten Abend geht es dann schon viel besser“, versichert er.

Im Guggafatzerkostüm posaunt er vorne im Umzug mit.  „Dann muss ich schnell ans Ende des Zuges spurten und mich umziehen, weil ich auf dem Wagen des Musikvereins mitmache“, schildert er den freiwilligen Faschingsstress eines Bühlerzellers. Auch dafür hat Heike Dambacher, ebenfalls im Musikverein und bei den Guggafatzern, das Kostüm organisiert. Weiter geht es am Rosenmontag mit Programmfasching, bis am Dienstag  beim Kinderfasching sein letzter Einsatz ist. „Dann erhole ich mich, und am Montag darauf geht’s zurück nach Sydney“, erzählt er. Am Mittwoch früh sitzt er wieder um fünf Uhr im Bus zur Arbeit.

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Seit 2014 arbeitet Benno Gmeiner in Sydney

Benno Gmeiner (29) ist in Bühlerzell aufgewachsen. Als Schreinermeister ging er im Mai 2014 für ein Jahr „Work and Travel“ nach Australien, hat sich dort aber ein vierjähriges Arbeitsvisum ausstellen lassen. Seit zwei Jahren arbeitet er für die Schreinerei Woodworx mit über 700 Angestellten in leitender Funktion in der Arbeitsvorbereitung. „Die beste Schreinerei in Australien“, sagt er.  siba