Fachkräftemangel „Nacht der Ausbildung“: Vom Bäcker zum Steuerberater

Ingmar Krimmer, Noel Zaiß und Jonas Gabriel aus Crailsheim sowie Franziska Traub aus Vellberg zeigen stolz ihre Croissants.
Ingmar Krimmer, Noel Zaiß und Jonas Gabriel aus Crailsheim sowie Franziska Traub aus Vellberg zeigen stolz ihre Croissants. © Foto: Verena Köger
Schwäbisch Hall.  / Verena Köger 01.10.2018
Die rückläufigen Zahlen der Bewerbungen bewegen die Haller Unternehmen zur Teilnahme.

„Zum Bäcker oder zum Steuerberater?“, fragt Wirtschaftsjunior David Schneider vier Jugendliche, die sich in den Bus nach Untermünkheim gesetzt haben. Die Gruppe will bei den Steuerberatern Schmidt, Messner und Amann reinschnuppern. Denn als Bäcker müsse man zu früh aufstehen. „Das stimmt, aber dafür hat man auch früh Feierband“, hält Ingmar Krimmer entgegen. In seiner Backstube hat der 31-jährige Bäckermeister alles für die Jugendlichen vorbereitet. Ein Quiz, Süßes und Salziges sowie Teig, mit dem die Jugendlichen Croissants rollen dürfen.

Krimmer nimmt zum ersten Mal an der Aktion teil. Der Grund lässt sich in einem Wort zusammenfassen: „Fachkräftemangel“, sagt er. Keine einzige Bewerbung, weder als Bäcker noch als Verkäufer, habe er für das neue Ausbildungsjahr bekommen. Bei seinen Nachbarn im Steuerberatungsbüro schräg gegenüber zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. „Bei uns waren es knapp zehn. Früher waren es rund 30 Bewerbungen“, zieht Knut Schmidt, einer der Inhaber, Bilanz. Das Unternehmen möchte durch die Möglichkeit, dort eine duale Ausbildung zu absolvieren, neue Anreize schaffen.

Bäcker im Ausland gefragt

Nach Meinung von Ingmar Krimmer liegen die rückläufigen Bewerberzahlen am schlechten Image des Handwerks allgemein. Dabei sei man als Bäcker vor allem im Ausland gefragt, auf Kreuzfahrtschiffen zum Beispiel. Er war selbst mit seiner Frau Tanja ein Jahr lang auf Kreta. „Außerdem habe man in diesem Gewerbe die Chance, das anspruchsvolle Verbraucherverhalten zu befriedigen“, erklärt der Bäckermeister.

Zurück am ZOB. Dort holen drei Azubis des Diaks die Jugendlichen in Rollstühlen ab und fahren diese in deren Berufsschule in die Gelbinger Gasse. Dort gibt es Stationen rund um Sinneszellen und Operationen. Lukas Gruber (25) trägt ein Schild, auf dem „Pflege im Herz“ steht. „In keinem Beruf werden in kürzester Zeit so viele Glückshormone ausgeschüttet“, sind sich seine Kolleginnen Hannah Guth (25) und Angelika Martaler (22) einig. Genau so schnell treten aber auch traurige Momente auf. „Dann ist der Rückhalt im Team enorm wichtig“, so die Pflege-Azubis.

Aufwendige Produktion

Im Industriegebiet „Kerz“ nimmt Geiger Notes zum ersten Mal an der Aktion teil. Der Hersteller von Werbemitteln wie Kalender und Notizbücher bildet in Hall die Berufe Drucker und Industriebuchbinder aus. Medientechnologe ist der Überbegriff. Das Unternehmen hat einen weiteren Standort in Mainz-Kastel und hat rund 20 Auszubildende. Fünf Realschülerinnen sind nach der Führung durch die Produktion erstaunt, wie aufwendig die Herstellung von Haftnotizen ist. Ausbildungsleiter Markus Hauer erklärt derweil einem Geschwisterpaar die Funktion einer Druckmaschine.

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