Ökologische Landwirtschaft Von Soja-Bohnen und Kamel-Milch

Eine Frau schneidet von der Soja-Pflanze eine Hülse ab. Darin befinden sich die Soja-Bohnen.
Eine Frau schneidet von der Soja-Pflanze eine Hülse ab. Darin befinden sich die Soja-Bohnen. © Foto: Volkmar Könneke
Kirchberg / Guido Seyerle 10.03.2018

Zweieinhalb Tage Referate und Diskussionen im Kirchberger Schloss münden in eine Kernaussage. „Die Lebensmittelpreise reflektieren nicht die tatsächlichen Kosten der Produktion“, fasste Professor Dr. Hartmut Volkmann zusammen. „Es muss eine Entwicklung von der Uniformität hin zur Diversität geben.“

Ein Beispiel dazu erläuterte Ilse Köhler-Rollefson aus Rajastan über das Leben der indischen Wanderhirten. Diese sind nicht nur wie bei uns üblich mit Schafen unterwegs, sondern sie betreuen auch Ziegen, Büffel, Rinder, Kamele und Enten. Teilweise über hunderte von Kilometern hinweg wechseln sie von der Winter- auf die Sommerweide. „Sie sind mobil und nutzen die vorhandenen Ressourcen optimal“, berichtete Köhler-Rollefson. „Vorwiegend handelt es sich um abgeerntete Felder, die durch die Tiere gedüngt werden. Die Bauern bezahlen die Hirten für den Dünger.“

Flächen werden kleiner

Teilweise gibt es diese Bewirtschaftung bis in die Gebirgsregionen hinauf. Sie ermöglicht  den Hirten ein finanzielles Auskommen, auch durch den Verkauf des Fleisches. Doch es gibt mehrere Herausforderungen: Durch das starke Bevölkerungswachstum wird die zur Beweidung verfügbare Fläche immer kleiner.

Ein Ausweg könnte die Haltung von Kamelen bieten. Die globale Nachfrage nach Kamelmilch steigt. Die Hirten bekommen pro Liter Kamelmilch rund einen Euro. Aufgrund der Einfuhrbedingungen ist diese Milch in der EU nicht erhältlich, wird aber bereits nach Dubai exportiert.

 Soja ist als wichtiger Eiweißlieferant in praktisch jedem Schweinefutter enthalten. Bis 2011 verwendete die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Hall dazu Sojaschrot aus Übersee – mit dem Problem von eventuell gentechnisch veränderten Inhaltsstoffen.

Seit der Gründung der „Bio Donau Soja“ 2012 ist Rudolf Bühler deren Präsidiumsmitglied. Im Juni werden sich mehr als 400 Soja-Experten im Haller Neubau zu einer Tagung treffen. Die Non-Profit-Organisation ist in 22 Länder Europas aktiv.

„Wir decken die komplette Kette vom Bauern bis zum Nutzer selbst ab“, beschrieb Matthias Krön aus Wien, Gründer und Obmann von Donau Soja. „Wir sind das Gegenmodell zur industriell hergestellten Überseesoja.“ Dass Soja doch eine nicht heimische Pflanze ist, entkräftete Krön: „Egal ob Äpfel oder Kartoffeln, auf deutschen Felder wächst praktisch nichts ursprünglich Einheimisches.“

Stickstoff für den Boden

Beim Soja handelt es sich um eine Leguminose, das heißt, sie entzieht den für das Wachstum notwendigen Stickstoff aus der Luft und lagert ihn in den Boden ein. Dadurch wirkt sie der Bodenmüdigkeit entgegen. Vor allem in Südeuropa wird Soja von vielen Kleinbauern angebaut.

Anders als bei der Monokultur in Übersee schreibt Donau Soja einen regelmäßigen Fruchtwechsel vor. „Wir sind weg von der Großindustrie“, sagte Krön. „Unsere Bewirtschaftung ist als Kreislauf gedacht, auch in der Zusammenarbeit mit den bäuerlichen Nachbarbetrieben. Das erhöht die Biodiversität und sorgt für eine Verringerung des Einsatzes von Pestiziden.“

Zwei Millionen Hektar werden in der Europäischen Union derzeit mit Donau Soja bewirtschaftet. Die Herausforderung: Soja wird von vielen Verbrauchern noch nicht als Eiweißlieferant geschätzt. Krön setzt auf einen Ernährungswandel: „Den Asiaten schmeckt Soja, nicht nur im Tofu. Es enthält sehr wichtige Aminosäuren.“

Andreas Müller, Mitglied des Nachhaltigkeitsrats der Bundesregierung und Key Note Speaker am Mittwochabend, zog das Fazit: „Das World Organic Forum hat eindrucksvoll die großen weltweiten Herausforderungen für die Landwirtschaft deutlich gemacht.“ Die Weltbevölkerung werde bis 2050 auf mehr als zehn Milliarden Menschen anwachsen. Bereits heute sei fast ein Viertel der Ackerflächen degradiert oder ausgelaugt. „Wir verlieren durch Erosion jährlich 24 Milliarden Tonnen fruchtbaren Ackerboden.“

Ein Schritt in richtige Richtung

Eine nicht nachhaltige Landwirtschaft sei für 60 Prozent des Verlustes der Artenvielfalt verantwortlich. Mit einem „Weiter So“ würden sich diese Probleme nur verschärfen. Die vorgestellten Ansätze der biologischen Landwirtschaft seien ein Schritt in die richtige Richtung.

Pestizid und Biodiversität

Der Begriff Biodiversität, der in vielen Vorträgen verwendet wurde, bedeutet einfach gesagt „Artenvielfalt“. Die UN beschreibt dies wie folgt: Die Variabilität unter lebenden Organismen jeglicher Herkunft, darunter unter anderem Land-, Meeres- und sonstige aquatische Ökosysteme und die ökologischen Komplexe, zu denen sie gehören.

Das lateinische Wort Pestizid heißt wörtlich übersetzt „Geißel“ oder „Seuche“. In der Landwirtschaft steht es für Pflanzenschutzmittel. Sie dienen der Bekämpfung von Schädlingen an der Pflanze und im Boden. Wenige weltweit tätige Konzerne dominieren sowohl Markt als auch Preise. Gentechnisch veränderte Pflanzen kommen teilweise ohne bestimmte Pestizide aus. sey

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