Schwäbisch Hall Von Marken und Möglichkeiten

Das Bürgertheater-Projekt "Die Tochter des Salzsieders" wird 2016 auf der Treppe wieder aufgenommen.
Das Bürgertheater-Projekt "Die Tochter des Salzsieders" wird 2016 auf der Treppe wieder aufgenommen. © Foto: FLS
Schwäbisch Hall / BETTINA LOBER 08.12.2015
Unterstützung für ein Freilichtspiele-Auto sowie für die Produktion des Familienstücks: Das haben die Mitglieder des Haller Freilichtspiele-Freundeskreises am Freitag als künftige Förderprojekte beschlossen.

Die "Gesellschaft der Freundinnen und Freunde der Freilichtspiele Schwäbisch Hall" zählt mittlerweile 262 Mitglieder (Vorjahr: 249). Sie verstehen sich als Botschafter der Festspiele. Auf diese Rolle schwört auch Intendant Christoph Biermeier die rund 60 Anwesenden bei der Mitgliederversammlung im Adolf-Würth-Saal ein. Er wird sich nach der Saison 2016 verabschieden und möchte die weitere Unterstützung des Freundeskreises fürs Theater gesichert wissen.

Auch finanziell greift die Gesellschaft den Festspielen hier und da unter die Arme. Bei knapp 40000 Euro steht das Konto. Für die kommende Saison sollen mit jeweils 10000 Euro die Anschaffung eines Freilichtspiele-PKW sowie die Produktion des Familienstücks "Pippi Langstrumpf" unterstützt werden. "Das würde uns helfen, das Inszenierungsniveau zu halten", sagt Geschäftsführerin Jutta Parpart. Die Freilichtspiele kalkulieren beim Familienstück mit 80000 Euro Produktionskosten - "aber nur, wenn die Darsteller auch noch in anderen Inszenierungen mitwirken", betont Intendant Biermeier.

Für die im vergangenen Jahr vom Freundeskreis beschlossene Marktanalyse der Freilichtspiele hat Claus Detjen vom Freundeskreis-Vorstand den Kontakt zum Medieninstitut Ludwigshafen geknüpft. Dessen Leiter Kai Uwe Weidlich präsentiert Kernpunkte seiner Analyse. Der typische Festpielbesucher sei 57 Jahre alt, Angestellter oder Rentner, lebe im Zwei-Personen-Haushalt und verfüge über einen Realschul- oder höheren Bildungsabschluss. Weidlich nennt diese Besucher "Empty Nesters": Die Kinder sind aus dem Haus, die Eltern gönnen sich kulturelle Aktivitäten. Vom "Jugendwahn" im Marketing halte er nichts.

Besonders wichtig, so Weidlich, sei die Marke: Sie erzeuge Vertrauen, Emotion und Wiedererkennung. Die Google-Bildersuche zeige ihm, dass mit den Freilichtspielen Hall vor allem die Große Treppe in Verbindung gebracht werde. Der Experte rät, den Blick auf Regionen wie Heilbronn und Nürnberg zu lenken, um mit "gezielter Werbekommunikation" weitere Besucher zu gewinnen. Zudem empfiehlt er eine "Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit", um überregional Gehör zu finden und speziell etwa digitale Netzwerke für Menschen über 50 anzusteuern. "Es geht darum, eine Notwendigkeit zu erzeugen", sagt Weidlich und appelliert an die Mitglieder, auch ihre privaten Netzwerke zu aktivieren. Allerdings seien die Freilichtspiele Hall auch von vielen anderen Open-Air-Bühnen umgeben, ergänzt ein Zuhörer fragend Weidlichs Analyse.

Halls Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim informiert die Mitglieder, dass 2016 zum letzten Mal im Globe-Theater gespielt wird. Der oberste Rang muss gesperrt werden, so dass dann nur 380 Plätze zur Verfügung stehen. Im Frühjahr werde es spannend, weil dann über eine mögliche Globe-Nachfolge sowie einen neuen Intendanten abgestimmt wird. Christoph Biermeier blickt zuversichtlich auf seine letzte Saison in Hall, in der er die Rockoper "Jesus Christ Superstar" inszenieren wird. Der Kartenvorverkauf sei sehr gut angelaufen, sämtliche Schulden aus den vergangenen Jahren seien zurückgezahlt, die Förderungen von Land und Stadt gestiegen, und das ganzjährige Programm biete Theater für alle Altersklassen: "Die Entwicklungsmöglichkeiten sind da."

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