Schwäbisch Hall Von Liebe, Wahnsinn und Tod

Angela-Charlott Linckelmann überzeugt auf der Comburg mit tiefgründigen, technisch hervorragenden Interpretationen von Klaviermusik. Foto: Klaus Frano-Pallesche
Angela-Charlott Linckelmann überzeugt auf der Comburg mit tiefgründigen, technisch hervorragenden Interpretationen von Klaviermusik. Foto: Klaus Frano-Pallesche
Schwäbisch Hall / KLAUS FRANO-PALLESCHE 02.04.2014
Es heißt "58. Gnadentaler Mühlenkonzert", fand aber in Hall auf der Comburg statt: Die Pianistin Angela-Charlott Linckelmann spielte Werke von Schumann, Schubert und Sofia Gubaidulina.

Angela-Charlott Linckelmann legte zu dem Konzert ein Blatt aus, auf dem alle vorzutragenden Werke beschrieben wurden, darunter die Romanzen, die Robert Schumann für seine Geliebte Clara Wieck schrieb, auch wenn die offizielle Widmung Graf Heinrich von Reuß-Köstriz galt. Vater Wieck wollte seine Zustimmung zur Hochzeit nicht geben.

Demnach könnten die Romanzen mit folgenden Überschriften versehen werden: Nr. 1 b-Moll: Schwankend zwischen unerfüllter Leidenschaft und Sehnsucht, Nr. 2 Fis-Dur: Selige Zweisamkeit mit ahnungsvollen Zwischentönen, Nr. 3: Das Leben in seiner ganzen Bandbreite. Dieses Stück ist das längste.

Angela-Charlott Linckelmann wurde mit ihrer Interpretation dieser Werke der eigenen Beschreibung sehr gut gerecht. Die wenigen Zuhörer konnten ein freudiges, befreites Klavierspiel hören.

In die Chaconne von Sofia Gubaidulina führte die Pianistin aus Reutlingen zusätzlich zu den schriftlichen Ausführungen durch Hörbeispiele ein. Die Zuhörer nahmen dies gerne zum besseren Verständnis auf. Dieses frühe Werk setzt sich mit Gubaidulinas Suchen nach ihren Ahnen, den Wurzeln ihrer Komposition auseinander. Linckelmann gelang eine hinreißende Aufführung. Sie folgte den Interpretationsangaben, wie zum Beispiel "smanioso" (wahnsinnig), auf ihre eigene Art. Differenzierter Anschlag, ein feinfühliges Gespür für das Innenleben dieses Werkes waren die Grundlagen der wunderbaren Interpretation.

Ans Ende des Klavierabends setzte sie die A-Dur-Sonate von Franz Schubert, die jener im Anblick des Todes schrieb. Die Sonate zeichnet sich durch einen unglaublichen Einfallsreichtum, aber auch durch die Gebrochenheiten in vielen Passagen aus. Linckelmann gelang eine tiefgründige, technisch wie interpretatorisch wunderbare Aufführung. Die Zuhörer dankten mit langem Applaus.

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