Fast keine freien Plätze mehr waren am Sonntagnachmittag beim Adventskonzert des Hohenloher Kammerchores in der St. Josephskirche in Hall zu finden. Chorleiterin Johanna Irmscher hatte ein Programm mit Werken vom Frühbarock bis in die heutige Zeit zusammengestellt. Heinrich Schütz’ „Tröstet mein Volk“ von 1648 verwies auf das Ende des Dreißigjährigen Krieges. Schön gelang den Sängern der Wechsel zwischen Männer- und Frauenstimmen ab „Bereitet dem Herrn den Weg“ und am Ende das Übereinanderschichten der Stimmen.

Das faszinierte bereits eingangs in Andreas Hammerschmidts „Also hat Gott die Welt geliebt“. Energiereich, aber auch mit viel Sinn für Nuancen waren die Sänger zu vernehmen, am Ende der achtstimmigen Motette geradezu beschwörend im Tonfall. Das Gegenstück zum Eröffnungsgesang bot am Ende Jan ­Pieterszoon Sweelincks ebenfalls achtstimmiges „Hodie Christus natus est“. Der Chor ließ unter der Leitung von Johanna Irmscher die Komposition zu einem Erlebnis an Vielstimmigkeit werden, wenn das Wort „Noe“ (Weihnacht) freudig durch die Stimmen wanderte.

Ebenfalls achtstimmig waren zwei neuere Werke, etwa in der Mitte des Konzerts. Dazu gehörte Fredrik Sixtens „Alleluia“. Die darin aufgebaute Stimmfülle gab der Hohenloher Kammerchor licht und leicht ekstatisch im Tonfall wieder. Eric Whitacres „Lux aurumque“ wirkte noch lichter und sphärisch. Bei „Canunt angeli molliter“ (die Engel singen sanft) gelang dem Chor eine schöne Gestaltung.

Packende Steigerungen

Ein weiteres moderneres Chorwerk war James McMillans „O Radiant Dawn“. Die Sänger knüpften hier an den beschwörenden Ton von Hammerschmidts Komposition an. Packend war die Steigerung zu „Come, shine on those, who dwell in darkness“. Zusammen mit den Zuhörern wurde „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ gesungen, ehe zwei der neun Adventsmotetten von Josef Rheinberger erklangen. Das freudig im Tonfall interpretierte „Ex Sion“ umschloss dabei das eher innig wiedergegebene „Ad te levavi animam meam“.

Michelbach

Zwischen den Chorwerken war Birgit Southcott auf der Viola zu hören. Im Präludium aus der C-Dur-Suite von Johann Sebastian Bach lotete sie das Lagenspiel aus und verlieh dem Stück einen schönen Fluss. Bei Max Regers „Molto sostenuto“ aus der g-Moll-Suite unterstrich sie mit ihrem gesanglichen Spiel den sehnenden Ausdruck. Aleksey Igudesmans „Applemania“ erschien zwischen Rheinbergers romantischem und Sweelincks noch fast renaissancehaftem Klang besonders kontrastreich: leicht rockig, entschieden und lustvoll aufgekratzt.

Für den lang anhaltenden Beifall bedankte sich der Hohenloher Kammerchor mit dem Bach-Choral „Brich an, du schönes Morgenlicht“ als, so Johanna Irmscher, „Einstimmung auf Weihnachten“.

Überschrift