Schwäbisch Hall Von Kinderstücken bis Techno

Johanna Dömötör und Benjamin Engeli spielen im Haller Neubau-Saal die D-Dur-Sonate für Flöte und Klavier von Sergej Prokofiev. Foto: Ufuk Arslan
Johanna Dömötör und Benjamin Engeli spielen im Haller Neubau-Saal die D-Dur-Sonate für Flöte und Klavier von Sergej Prokofiev. Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / RALF SNURAWA 15.01.2014
Für die Kombination von Flöte, Klarinette und Klavier gibt es in der klassischen Musik kaum Werke. Deshalb spielt das Trio Dömötör vorwiegend Bearbeitungen. Im Haller Neubau-Saal erntete es viel Beifall.

Sergej Prokofievs Sonate für Flöte und Klavier ist das bekannteste Originalwerk beim Konzert am Freitagabend im Neubau-Saal. Flötistin Johanna Dömötör gestaltet zusammen mit dem einfühlsam begleitenden Pianisten Benjamin Engeli den Eingangssatz mit erzählerisch-gesanglichem Ton. An den scherzoartigen, leicht flatterigen Folgesatz schließt sich ein innig gespieltes Andante an, das schließlich in ein zupackendes, mit Witz intoniertes Finale mündet.

Dieser Sonate stellt Sebastian Manz - derzeit einer der gefragtesten Klarinettisten - die Klarinettensonate in Es-Dur von Camille Saint-Saëns gegenüber. Dieses Werk dürfte wohl mit ein Grund dafür sein, dass der SWR dieses Konzert aufzeichnet. Manz lotet das Schalmeiregister seines Instruments in strengem Ton sonor aus, dem er später zart-filigrane lichtere Töne von sehnsuchtsvollem Ausdruck gegenüberstellt. Energisch gespielt ist danach der Schlusssatz mit seinen dramatischen Wendungen zu hören.

Diese beiden Werke werden von Bearbeitungen für die Triobesetzung eingerahmt. Eingangs ist Gabriel Faurés so genannte "Dolly-Suite" zu hören: kurze Stücke, die der Komponist für die Tochter seiner Geliebten geschrieben hat.

Zart gewoben, aber sehr klar erklingt die "Berceuse". Nach Scherzotönen zu "Mi-a-ou" wirkt "Le jardin de Dolly" ruhig gehalten, gefolgt vom leicht-lockeren "Kitty-Valse". Nicht übertrieben empfunden geben die drei Musiker den "Tendresse"-Satz wieder, zu dem "Le pas espagnol" wie ein tänzelnder Gegensatz erscheint. Noch unterhaltsamer wird das Konzert mit einem Walzer-Potpourri von Sebastian Manz. In Vorstellung des kalten Winters in Russland wird Maurice Jarres Filmmelodie zu "Doktor Schiwago" mit Wollmütze und Schal gespielt - vielleicht auch ein Schutz vor dem Kitsch. Glücklicherweise folgt Dmitri Schostakowitschs "lyrischer Walzer" aus der Suite für Varieté-Orchester. Ein komponierter Nieser und von der Klarinette nachgeahmte Drehorgelklänge gehören ebenso zum humorvollen Bestandteil wie der Versuch, Pjotr Tschaikowskis Eröffnungsthema aus dem b-Moll-Klavierkonzert in einen Walzermantel zu zwängen.

Die einzige Originalkomposition für Triobesetzung ist am Ende Guillaume Connessons 2002 geschriebene "Techno Parade" - eine Hommage an die Techno-Musik, "entsprechend abgefahren ist das Stück", sagt Manz.

Beim Hören macht man aber bei allen minimalistischen Wiederholungsmustern fast mehr jazzige Einflüsse aus: einen sogartigen Groove und vor allem begeisternde "hot intonation" in Flöte und Klarinette. Benjamin Engeli sorgt auf dem Klavier für dumpfe, mit der Hand abgestoppte Bässe und andere perkussionsartige Momente.

Für den lang anhaltenden Beifall bedankt sich das Trio mit einer Bearbeitung des Nocturnes aus Alexander Borodins zweitem Streichquartett. Dieses ruhige Stück bietet dem Publikum im angesichts eines so renommierten Klarinettisten wie Sebastian Manz nur mäßig gut besuchten Konzert Momente des Sich-verlierens in der Melodie.

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