Sommerserie Von der Quelle bis zum Bad

Ein exklusiver Blick aus dem Gastzimmer im obersten Stock des Hauses Bührle/Mack im Mühlweg 17. Es hat in mehrerlei Hinsicht eine große Nähe zum Mineralfreibad.
Ein exklusiver Blick aus dem Gastzimmer im obersten Stock des Hauses Bührle/Mack im Mühlweg 17. Es hat in mehrerlei Hinsicht eine große Nähe zum Mineralfreibad. © Foto: Ursula Richter
Vellberg / Ursula Richter 29.08.2018
Die alte Mühle und das Freibad gehören zum Vellberger Stadtbild. Wie viel beide Einrichtungen miteinander zu tun haben, wird erst auf den zweiten Blick deutlich.

Das Mineralfreibad Vellberg ist „eine Perle des Bühlertals“, schreibt die Stadt in ihren Tourismusprospekten. Zwischen verschiedenen Muschelkalksteinvorkommen hat sich die Bühler ab Ummenhofen während der Jahrtausende ihr Flussbett in einem oft engen und steilen Tal geschaffen. In der großen Flusskehre um den Dürrsching herum zweigt bühlerabwärts rechts der Kanal der ehemaligen Mühle Mack ab. Beide – die Mühle und das Bad – hatten mehr miteinander zu tun, als es zunächst scheinen mag.

Schon vor 1367 ist sie als Bühlsmühle nachgewiesen. Das heutige Gebäude entstammt dem 18. Jahrhundert. 1848 heiratete Müllermeister Johann Christoph Conrad Mack in die seit dem 18. Jahrhundert benannte Besitzerfamilie Löw ein. Bis 1979 wurde eine Sägmühle angetrieben, mit einem Wasserrad, über das Wasser aus dem unteren Kanal lief. Wasser aus dem oberen Kanal versorgte zwei Räder für die Mahlmühle.

Ab 1923 ersetzte man die beiden Wasserräder „durch eine regulierbare Franzisturbine mit liegender Welle“, wie es im Mühlen­atlas heißt. Die Stromerzeugung erfolgte zunächst für den Eigenbedarf, später wurde Strom an das E-Werk Schaffitzel geliefert. Hilde Bührle, eine Schwester des 1981 verstorbenen letzten Müllers, erinnert sich, dass das Licht manchmal etwas flackerte wegen der unregelmäßigen Stromzufuhr.

Im Vermögensverzeichnis ihres Großvaters Karl Christoph Mack von 1907 sind für die Markung Vellberg unter den Nummern 22 bis 24 mehrere Grundstücke in den Salzwiesen benannt. Unterhalb des Schlegelsberges gibt es dort eine reichhaltige Quelle, deren Wasser zur Hälfte in den Oberkanal des Wassertriebwerks floss.

Karl Mack (1909–1967) war seit 1948 stellvertretender Bürgermeister. Er befürwortete die Erfüllung eines 1952 in Bürgerversammlungen geäußerten Wunsches nach einem Freibad. Mit der Hälfte des Wassers seiner Salzwiesenquelle wurde das Freibad gespeist. Seit der Stilllegung der Mühle 1981 steht sie allein dem Freibad zur Verfügung – für die Pacht einer landwirtschaftlich genutzten Wiese.

So haben die Freibadbesucher seit der Eröffnung 1954 das Privileg, im Mühlweg 15 ein Mineralbad zu besuchen, dessen Wasser von gelobter Güte ist. Wasserqualität ist nach Rainer Hühnerkopf im Wesentlichen ein Zusammenspiel von pH-Wert, den Mineralien und Chlor. Der Bäderbetriebsleiter der Stadtwerke Crailsheim, die das Mineralfreibad mittlerweile betreiben, verweist auf die minimale Zugabe von 0,3 mg/l freiem Chlor, mit dem sie in Vellberg üblicherweise auskommen.

Billiger als gekauftes Wasser

Die 30 Liter Mindestfrischwasser pro Badegast fließen als Quellwasser durch eine Rohrleitung in einen Schwallwasserbehälter. Der Rest geht in die Bühler ab. Wenn das Wasser gekauft werden müsste, wäre das ein erheblicher Kostenfaktor. Die Vellberger Hauptamtsleiterin, Kristina Riedel, geht davon aus, dass die Ausgaben für das Bad durchschnittlich nur zu etwa 22 Prozent gedeckt sind. „Es handelt sich um eine Freiwilligkeitsleistung der Kommune“, erläutert sie. „Ein Freizeitangebot. Das kann man auch nicht zu teuer machen.“

Vellberg ist eine Touristenstadt. Das historische Städtle und die Lage auf dem Felsensporn über dem Bühlertal ziehen viele Wanderer, Tagesausflügler und Urlauber an. Sie alle können auch das Mineralfreibad nutzen. Treue Besucher sind Hilde Bührle und ihr Ehemann Theodor. In der Mühle aufgewachsen, wohnt sie heute direkt neben dem Bad. Sie schaut von oben auf das Gelände. Und wenn es nicht so voll ist, geht sie hinüber in den Mühlweg 15.

Die Gäste baden in Calcium-Sulfat-Mineralwasser

Mineralwasser ist nach der deutschen Mineral- und Tafelwasserverordnung ein Grundwasser mit besonderen Eigenschaften. Seine Inhaltsstoffe dürfen nur unwesentlich schwanken. Es muss aus unterirdischen Wasservorkommen stammen und von ursprünglicher Reinheit sein. Dazu bedarf es einer amtlichen Anerkennung.

Das Wasser der Salzwiesenquelle Vellberg wurde vom geologischen Landesamt 1969 einer sogenannten Kleinen Heilwasseranalyse unterzogen. Heilwasser muss zusätzlich aufgrund seiner enthaltenen Mineralstoffe und Spurenelemente eine wissenschaftlich nachgewiesene lindernde beziehungsweise vorbeugende Wirkung aufweisen. In Deutschland fallen alle Heilwasser in die Kategorie der Arzneimittel.

Die Quelle ist in der Analyse als „recht kräftig schüttend“ beschrieben. Es wird „zum Teil das Freischwimmbad der Stadt Vellberg gespeist, der übrige Teil des Quellwassers fließt ungenutzt in die Bühler“. Die Schüttung ist „schwankend zwischen 5 und 7 l/s, 300–420 l/min“. Die „Sinnenprüfung“ ergibt: „geruchlos, mineralisch, farblos, nach 8 Std. unverändert. Trübung: klar, nach 8 Std. unverändert“. Der „Gehalt an wertbestimmenden Bestandteilen am Ort der Verwendung“, also am Einlauf in das Freibad, beträgt neben anderen 577 Milligramm pro Liter Calcium und 1351 mg/l Sulfat. Das Landesamt kommt zu folgender „Charakteristik“: Es handelt sich um ein Calcium-Sulfat-Mineralwasser. Das Salzwiesenmineralwasser hatte bei dieser Analyse einen Mineralstoffgehalt von insgesamt 2435 mg/l. Ab 1500 mg/l spricht man von einem hohen Mineralstoffgehalt.

Sulfathaltige Wässer können die Funktion von Bauchspeicheldrüse und Gallenblase fördern, die Verdauung und die Behandlung chronischer Harnwegsinfekte unterstützen und sind als Getränk bei erhöhtem Blutfettspiegel geeignet. Ursula Richter

Info

Der nächste Teil der Serie befasst sich mit dem Brunnen in Vellberg und dem Waschhaus.

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