Kirchberg Von der Gerichtslinde bis zum Friedhof

Kirchberg / Elisabeth Schweikert 15.08.2018
Frieder König und Grete Gonser laden zum Spazierweg ein, vorbei an Privatgärten und ehemals fürstlichen Gartenanlagen.

Kurzweilig ist ein Spaziergang durch die Gartenanlagen beim Kirchberger Schloss. Auf der hier vorgeschlagenen Route ist ein Blick in Privatgärten ebenso möglich wie auf die früheren fürstlichen Anlagen. Er bietet Ausblicke ins Tal und führt an Baudenkmälern vorbei. Die Tour dauert circa 40 Minuten (reine Gehzeit). Wer länger laufen möchte, dem empfiehlt sich eine Wanderung auf den nahe gelegenen Sophienberg. Er wurde im Stil eines englischen Landschaftsgartens angelegt; davon ist allerdings nur noch die Grundstruktur zu sehen. Möglich ist auch eine Wanderung an der Jagst entlang nach Mistlau. In Kirchberg gibt es einige Einkehrmöglichkeiten, etwa das Café Fröber in der Poststraße, das Schloss-Café, das Turm-Restaurant oder das Kino Klappe.

Start für den Spaziergang ist die Linde am Fuß der Poststraße. Altbürgermeister Frieder König und Grete Gonser lassen an ihrem Wissen teilhaben. Dort, wo jetzt die circa 80 Jahre alte Linde steht, stand früher die Gerichtslinde, berichtet Gonser. Die frühere Deutschlehrerin befasst sich seit Jahrzehnten mit der Geschichte der Stadt. In Kirchberg habe der frühere Graf dort Gericht gehalten. Der Weg führt rechts am früheren Gasthaus Lamm vorbei, dann gleich wieder links auf einen schmalen, mit Gras bewachsenen Fußweg. Das Schild „Rundweg Stadtmauer“ gibt die Richtung vor.

Gärten der Stadtbürger

An dem Fußweg liegen am Steilhang nach Osten zahlreiche Kleingärten. Alle Häuser, die in der Kernstadt liegen, haben dort ihre Gärten. Dort haben die Kirchberger früher ihr Gemüse und Obst angebaut. Inzwischen werden sie mehr oder weniger gepflegt, vereinzelt laden Blütenpracht oder schmucke Gemüsebeete zum Schauen ein. Über die Jagst hinweg ist der Sophienberg zu sehen. Die einstige fürstliche Gartenanlage wurde 1783 angelegt, im englischen Stil als begehbares Landschaftsgemälde, in Kontrast zum bisherigen Barockgarten. Dieses ist nach dem Fürst – Christian Friedrich Karl–, der das Ganze in Auftrag gab, als Christiansruhe bezeichnet worden, erzählt Gretel Gonser. Ein Lakaienweg, die sogenannte Himmelsleiter, führte vom Schloss über steile Stufen zum Teehäuschen. Dieser ist in sehr baufälligem Zustand, es kann nicht empfohlen werden, diese Stufen zu betreten. Der Himmelsleiter entlang führt ein blaues Wasserrohr zur Jagst – ein Provisorium der Feuerwehr, um im Fall des Falles genügend Löschwasser auf den steilen Schlossberg pumpen zu können, erzählt Frieder König.

Die Kleingärten an der Ostseite des Schlosses sind terrassenförmig angelegt. Ein Gartenbesitzer hat auf einer Terrasse einen überdachten Swimmingpool eingebaut. Ein weiterer Garten ist aufwendig mit steinernen Bögen für die Wege gemauert – der Garten der früheren Fürstin Adelheid.

Abkürzung für Rollstuhlfahrer

Der Fußweg führt um die Nordseite des Schlosses. Dort ist der Weg einige Meter nicht befestigt. Wer im Rollstuhl unterwegs ist sollte die Abkürzung durch den Burggraben nehmen. Alle anderen bleiben auf dem  malerischen Weg. Auf der Westseite ist noch der frühere Park erkennbar: Der Weg ist gesäumt mit großen Bäumen, Staudenbeeten und Putten. In südlicher Richtung musste der Park befestigten Parkflächen weichen. Der Spazierweg führt durch den Burggraben in den inneren Bereich – zwischen Schloss und Schlossmauer. Grete Gonser: „Hier war der Garten von Gräfin Anna Amalie.“ Diese hatte 1625, also mitten im Dreißigjährigen Krieg, einen Garten gestalten lassen. Mehr als 100 Pflanzenkübel standen dort. Auch Tulpen hatte sie – damals Blumenschätze, die in den Niederlanden Spekulationsobjekte waren.

Durch den Burggraben führt Frieder König zurück zum westlichen Parkweg, zu einer malerischen Ruine. „Das ist 1795  als Ruine gebaut worden. Das war damals Mode. Dazu haben die Bauherren extra Steine von der Burgruine Leofels geholt.“ Im Erdgeschoss des Gemäuers hatten sich die Fürsten eine Teestube einbauen lassen. Steinstufen führen auf die Ruine, dort ist eine Aussichtsplattform. Weit sieht man nicht, Bäume verstellen die Sicht.

Zurück beim Ausgangspunkt, der Linde, geht es einige Meter die Poststraße nach Süden, dann rechts über einen Durchgang zum Hofgarten und zur Orangerie. Dieser Garten war zunächst als Gemüsegarten konzipiert. Als Prunkgärten in Mode kamen, wurde er 1735 in eine barocke Anlage umgebaut. Die Grundstruktur ist heute noch erkennbar. An der Nordseite ist die wiederaufgebaute Orangerie der Hingucker. Diese war 1750 nach Plänen des Schloss-Malers Tischbein gebaut worden.

Grabsteine aus dem Mittelalter

Am Kindergarten vorbei führen Grete Gonser und Frieder König zum Frankenplatz. Über die Straße „Im Stück“ geht es zum Alten Friedhof. Zwischen 1616 und 1954 wurden dort die Kirchberger begraben. Neben einer klassizistischen Gedenkhalle sind Grabsteine aus 400 Jahren zu sehen. Besonders schöne sind in die Friedhofsmauer eingelassen. Diese trägt übrigens zudem Schießscharten. Offenbar haben Menschen dort in kriegerischen Zeiten auch Schutz gesucht. Besonders aufwendige Grabmale sind von früheren Hofräten erhalten. Eine Ecke ist der Kirchberger Apotheker-Dynastie, der Familie Sandel, gewidmet. Auch zwei Kirchberger Fürstinnen (Adelheid 1787 bis 1858 und Marie 1802  bis 1882) sind auf dem bürgerlichen Friedhof begraben. Die übrigen Mitglieder der Fürstenfamilie liegen in der Gruft unter der Stadtkirche.

Kleine Touren durch Gärten und Anlagen

Sonntagsspaziergänge, die an schönen Gärten, Parkanlagen oder beispielsweise Alleen vorbei- oder hindurchführen, sollen im Mittelpunkt dieser kleinen Serie stehen. Der nächste Teil führt durch Gärten in
Bartenstein. sel

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