Kirche Von der Bühne auf die Kanzel

Zwischen Kreuz und Orgel: Pfarrer Christian Leidig tritt seine Stelle in Hall mit besonnener Lockerheit an. Morgen um 10 Uhr beginnt der Investitur-Gottesdienst in der Kreuzäckerkirche.
Zwischen Kreuz und Orgel: Pfarrer Christian Leidig tritt seine Stelle in Hall mit besonnener Lockerheit an. Morgen um 10 Uhr beginnt der Investitur-Gottesdienst in der Kreuzäckerkirche. © Foto: Bettina Lober
Schwäbisch Hall / Bettina Lober 22.09.2018
Pfarrer Christian Leidig betreut die evangelische Kirchengemeinde Kreuzäcker in Hall. Am Sonntag wird er feierlich in seinen Dienst eingesetzt.

Ob er ein bisschen Lampenfieber vor dem Investitur-Gottesdienst hat? Christian Leidig lächelt: „Ja, schon – absolut.“ Der 34-Jährige ist der neue Pfarrer der Kirchengemeinde Kreuzäcker und wird morgen ins Amt eingesetzt.

Ende August ist Leidig mit seiner Frau Alexandra und der vierjährigen Tochter Elina in die Pfarrwohnung eingezogen. Im Treppenhaus warten Akkuschrauber und Werkzeugkoffer auf Einsätze. Hie und da muss noch ein Karton ausgepackt werden. Alles findet seinen Platz. Leidig gefällt die Nähe, dass Kirche, Gemeindesaal, Büro und Pfarrwohnung unter einem Dach sind. Seit 7. September ist er im Dienst. In den ersten Tagen habe er gleich eine Stimmung des „guten Miteinanders“ in der Gemeinde gespürt.

Hall und Hohenlohe sind dem im Kärnten geborenen übrigens nicht unbekannt. Immer wieder war er in den Sommerferien bei der Verwandtschaft in Steinbächle bei Ilshofen, wo der Vater herstammt. Als dieser in Ruhestand ging, zog die Familie ins Jagsttal, in Künzelsau machte Christian Leidig Abitur. Im sozialdiakonischen Jahr in Russland, in dem er Kinder unterrichtete und sich auch „die Liebe zum Land“ entwickelte, lernte er seine Frau Alexandra kennen. „Sie war damals meine Nachbarin und hat mir Russisch beigebracht.“

Dass er mal Gemeindepfarrer sein würde, daran habe er zu Beginn des Studiums nicht gedacht. Immer wieder zog es ihn auch zur Bühne. „Ich habe gern in studentischen Theatergruppen gespielt.“ Schließlich verfestigte sich sein Theologie-Schwerpunkt – und der Berufswunsch: Pfarrer.

Es brauche jedoch Zeit, in die Rolle zu finden, erklärt Christian Leidig. Das habe er im Vikariat in Hausen bei Reutlingen bemerkt. Dazu gehöre auch zu begreifen, dass man eine öffentliche Person ist. Klar, dass einen dann auch ganz profane Fragen beschäftigen. Etwa, ob man sich erlauben kann, morgens schnell in der Jogginghose zum Bäcker zu gehen, lässt er augenzwinkernd durchblicken.

Durch seinen Vater habe er bereits Einblicke ins Handwerk des Pfarrberufs gehabt – „aber das war aus einer Kinderperspektive“. Als Bub durfte er in der heimatlichen Bergbauerngemeinde in Kärnten immer wieder zu Besuchen mit. Inzwischen hat Leidig viele weitere Seiten des Berufs kennen und lieben gelernt.

Zuletzt hat er zweieinhalb Jahre als Studienassistent im Team am Pfarrseminar in Stuttgart-Birkach an der Ausbildung von Vikaren mitgearbeitet. Nebenbei ist er beim ersten Stuttgarter Preacher Slam aufgetreten, einem geistreichen und unterhaltsamen Dichterwettstreit für Pfarrer – „ich mag Poetry Slams und bin halt gefragt worden“.

Im Haller Gemeindebrief „Brot und Salz“ schreibt er in seiner Kurzvorstellung, dass ihm beim Schwimmen oft gute Ideen für Predigten kommen. Ähnlich sei es beim Fahrradfahren. Wer also den neuen Kreuzäcker-Pfarrer künftig beim Schwimmen oder Radeln trifft: Könnte sein, dass Christian Leidig gerade über die nächste Predigt sinniert.

Info Die Investitur beginnt morgen um 10 Uhr in der Kreuzäckerkirche. Anschließend gibt es einen Stehempfang.

Gebürtiger Kärntner mit Wurzeln in Hohenlohe und Faible für Russland

Christian Leidig ist 34 Jahre alt. Geboren und aufgewachsen ist er in einer Pfarrfamilie zunächst in Kärnten. Als er 14 Jahre alt ist, zieht die Familie nach Jagstberg (Gemeinde Mulfingen). Sein Vater stammt aus Steinbächle bei Ilshofen. Christian Leidig macht in Künzelsau Abitur und geht dann für ein Jahr in den sozialdiakonischen Dienst nach Russland. Dort unterrichtet er Kinder und lernt überdies seine spätere Ehefrau Alexandra kennen. Wieder zurück in Deutschland studiert er Theologie in Tübingen, ein Semester auch in St. Petersburg. Dank seines Interesses an Kunst und Theater sowie seiner Russisch-Kenntnisse wirkt er nebenbei auch in Theaterproduktionen mit – zum Beispiel am Schauspielhaus Düsseldorf und am Landestheater Tübingen. Sein Vikariat absolviert Leidig in der Nähe von Reutlingen. Nach der Ordination arbeitet er für ein halbes Jahr in Böblingen, danach wird er Studienassistent am Pfarrseminar in Stuttgart-Birkach und wirkt dort bei der Ausbildung von Vikaren mit. Seit 7. September ist er in der Kirchengemeinde Kreuz­äcker in Hall im Dienst. Ende August ist er mit seiner Frau Alexandra und der gemeinsamen vierjährigen Tochter Elina von Stuttgart nach Schwäbisch Hall gezogen. In der Freizeit hört der Theologe gerne Podcasts und gute Witze, geht schwimmen und radfahren, „weil ich dabei gut Gedanken wälzen kann“. blo

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