Bühlertann / Frank Lutz  Uhr
Noch bis Anfang Dezember arbeitet der Software-Unternehmer Marcel Krull beim Elektroautohersteller Tesla mit. Er unterstützt dort die Produktion des Tesla Model 3.

Einmal im Leben einige Wochen im Silicon Valley zu verbringen und in einem der innovativsten Unternehmen der Welt mitzuarbeiten – dieser Traum hat sich für Marcel Krull erfüllt: Seit Anfang Oktober arbeitet der Inhaber des gleichnamigen Haller Software-Unternehmens beim Elektromobilhersteller Tesla Motors mit. Noch bis Anfang Dezember unterstützt er dort die Produktion des „Tesla Model 3“.

„Ich wurde als Spezialist für Automatisierung hinzugeholt, damit die Produktionsziele von Tesla erreicht werden können“, berichtet der 35-Jährige aus Bühlertann. Wie der Kontakt zustande kam? „Das habe ich mich auch schon gefragt, wie man auf mich gekommen ist“, sagt Krull. Zunächst erreichte ihn eine anonyme Anfrage, bei der er schon vermutet habe, dass sie von Tesla kommen könnte. Dann ging alles ganz schnell: Nach einem Videotelefonat wurde er gebeten, möglichst schnell anzureisen.

Lang und herausfordernd

Über seine genauen Tätigkeiten im kalifornischen Fremont gibt er nur vage Auskunft – vieles unterliege der Geheimhaltungspflicht. Er verrät nur: „Dazu zählen Herausforderungen bezüglich Automatisierungstechnik und Programmierung der neuen Produktionsanlage für das Model 3, damit die Produktionsziele schnell und zuverlässig erreicht werden. Besonders cool finde ich es, in allen Bereichen der Anlage und vielen Abteilungen involviert zu sein und nicht nur einen kleinen, begrenzten Einblick zu haben.“

Umso erzählfreudiger zeigt sich Krull, wenn er seinen Alltag im Silicon Valley schildert: Als „lang, herausfordernd und international“ beschreibt er den typischen Arbeitstag: „Man hat mit vielen verschiedenen Menschen zu tun und am Ende muss alles passen. Ergebnisse zählen.“ Die Arbeitszeiten seien flexibel, er komme aber im Durchschnitt auf jeweils zehn Stunden an sechs Tagen in der Woche. Hartnäckig müsse er sein, um den Wissensvorsprung seiner Kollegen aufzuholen, die das Projekt von Anfang an begleitet haben. Doch wenn sich dann die ersten Erfolge einstellen, sei aller Stress vergessen: „Ein geniales Gefühl, wenn man aus seinem Laptop ein Programm einspielt und die Dinge sich in Bewegung setzen.“ Und jederzeit sei ihm klar: „Es wird ein Stück Automobilgeschichte geschrieben.“ Werden seine neuen Kenntnisse aber auch sein eigenes Unternehmen voranbringen? Hier gibt sich Krull wieder zurückhaltend. Ihm geht es nicht vordergründig um Know-how oder Prestige für sein Geschäft, sondern um die einzigartige Erfahrung, „plötzlich in der obersten Liga der Welt mitspielen zu können“. Und noch mehr: „Wenn man dann dort noch feststellen darf, dass man nicht nur mitspielt, sondern diese Leute in einem Dinge sehen, welche sie selbst nicht lösen, dann ist das für mich der größte Profit.“

Die Begeisterung für die amerikanische Mentalität ist ihm anzumerken: „Mir gefällt besonders, dass man Dinge angeht, obwohl die Hürden unüberwindbar scheinen. Man will etwas und setzt alles auf eine Karte. Ohne Exit-Strategie oder Angst vor dem Scheitern.“ Gleichzeitig vermisse er aber typische Stärken der deutschen Arbeitskultur wie Effektivität, Planung und Sicherheit.

Trotzdem könnten die deutschen Autobauer viel von Tesla lernen: „Die größte Errungenschaft, denke ich, ist, dass sie ein Serienelektroauto geschaffen haben, welches Emotionen weckt und begehrenswert ist.“ Auch das technische Know-how sei enorm: „Der größte Vorsprung liegt sicherlich in der Batterie- und Antriebstechnologie. Die Autos sind die am schnellsten beschleunigenden Serienfahrzeuge der Welt und haben auch noch die größte Reichweite und kürzeste Ladezeit.“ Allerdings schlafe die Konkurrenz nicht: „Tesla wird hart pushen müssen. Die riesigen Automobilkonzerne werden sich den Weg ebnen lassen und dann mit ihren Produktionskapazitäten mächtig Druck ausüben.“

Weitere Infos zum Fahrzeug

Als „kompakteres,
erschwingliches Elektrofahrzeug mit optimaler Ausstattung für seine Klasse“ beschreibt Tesla das Model 3. Vorgestellt wurde das Auto am 31. März 2016, Fertigungsbeginn war im Juli 2017.

2018 soll die Produktion der Modelle mit Standardbatterie starten, die Modelle mit Allradantrieb sollen in die Fertigung gehen und die ersten Fahrzeuge mit Linkslenkung ins Ausland geliefert werden. Die Serienproduktion des Model 3 hat allerdings noch nicht die geplante Leistung erreicht. Im dritten Quartal 2017 wurden erst 260 Model 3 gefertigt, allein im September sollten es 1500 Einheiten sein.