Schwäbisch Hall Von 70 auf 2000: Haller Fachgeschäft 2-Rad-Zügel besteht seit 40 Jahren

Stefan und Wolfgang Zügel vor ihrem Fachgeschäft in der Johanniterstraße. Sohn und Vater gehen davon aus, dass die Entwicklung des E-Bikes weiter geht. Motoren werden kleiner und leichter, Batterien leistungsfähiger.
Stefan und Wolfgang Zügel vor ihrem Fachgeschäft in der Johanniterstraße. Sohn und Vater gehen davon aus, dass die Entwicklung des E-Bikes weiter geht. Motoren werden kleiner und leichter, Batterien leistungsfähiger. © Foto: just
Schwäbisch Hall / JÜRGEN STEGMAIER 27.08.2013
Wolfgang Zügel verkauft seit 40 Jahren Fahrräder in Schwäbisch Hall. Er sah Trends kommen und gehen. Begeistert ist er von der aktuellen Entwicklung der Elektrofahrräder. Diese sei längst nicht beendet.

Wolfgang Zügel war bereits für ein Lehramtsstudium eingeschrieben, als sich dem 22-Jährigen ein Türchen auftat. Der Zweiradhändler Leo Peschke war auf ungeklärte Weise ums Leben gekommen. Dessen Witwe gab das kleine Geschäft in der Gelbinger Gasse ab. Vater Bernhard Zügel riet seinem Sohn: Greif zu. Zu der Zeit sei das Fahrrad ein Fortbewegungsmittel für arme Leute gewesen, wie Zügel schmunzelnd erzählt.

In den Siebzigern waren Mofas und Mopeds bei jungen Leuten angesagt. In der Ölkrise, als an Sonntagen nicht Auto gefahren werden durfte, fragten Kunden nach Klapprädern. Später entdeckten große Unternehmen das Fahrrad als Prämie für Kunden. Zügel war dick im Geschäfts. Als Dietrich Thurau 1977 gut zwei Wochen lang das Gelbe Trikot bei der Tour des France trug, kauften die Deutschen Rennräder. Später kam das Mountainbike in Mode. Reißenden Absatz fanden auch Alu-Stadträder. Die unglaubliche Erfolgsgeschichte spielt sich nach Wahrnehmung von Wolfgang Zügel derzeit ab: Das E-Bike - "so etwas haben wir noch nie erlebt."

Wenn bald jeder mal ein Fahrrad hat - bricht das Geschäft dann nicht ein? "Nein. Es geht weiter. Wie beim Auto. Nach einigen Jahren wollen die Kunden was Neues, zumal die technische Entwicklung immer weiter voranschreitet. Wir werden völlig andere Fahrräder erleben", prognostiziert Wolfgang Zügel. In welche Richtung wird es gehen? Auch E-Bikes würden leichter. Schon werden Stabmotoren ins Sattelrohr eingebaut, die lediglich zwei Kilogramm wiegen. Außerdem sei damit zu rechnen, dass die Kapazität der Batterien weiter zunimmt.

Preis von E-Bikes hat sich erhöht

Die Entwicklung der E-Bikes hat dazu geführt, dass sich der Durchschnittspreis von Fahrrädern von etwa 350 Euro auf inzwischen 1200 bis 1300 Euro erhöht hat.

Wolfgang Zügel geht außerdem davon aus, dass die Hersteller einige technische Teile bei Fahrrädern widerstandsfähiger gestalten wie Kette, Züge oder Speichen.

2-Rad-Zügel verkauft Fahrräder zwar auch über das Internet, der überwiegende Teil der Kunden aber kommt ins Geschäft, das seit 1978 in der Johanniterstraße nahe der Friedensbrücke ist. "Wir legen sehr großen Wert auf Beratung", sagt Wolfgang Zügel, der den Betrieb mit zehn Mitarbeitern zusammen mit seinem Sohn Stefan führt. Er ist ohnehin der Meinung, dass ein E-Bike Probe gefahren werden müsse. Das spreche für den stationären Fachhandel.

Motorräder von BMW und Yamaha, Mopeds von Zündapp, Hercules oder Kreidler, auch Rasenmäher unterschiedlicher Hersteller - inzwischen sind die Zeiten des Verbrennungsmotors bei Zügel vorbei. Der Inhaber blickt auch auf Zeiten zurück, als er in seiner Nachbarschaft einen Würth-Shop für Montagetechnik betrieben hat, in dem Privatleute einkaufen konnten.

Mit Außenlager beträgt die Geschäftsfläche inzwischen rund 2000 Quadratmeter. In Hochzeiten hat Zügel rund 1000 Räder auf Lager - das Geschäft in der Gelbinger Gasse hatte einst 70 Quadratmeter.