Kirche Vom Wald an die Weinstraße

Pfarrer Peter Kübler schließt die Tür des Mainhardter Pfarrhauses hinter sich zu.
Pfarrer Peter Kübler schließt die Tür des Mainhardter Pfarrhauses hinter sich zu. © Foto: Maya Peters
Mainhardt / Maya Peters 11.01.2018

Beim Stellenwechsel muss man loslassen können“, meint Pfarrer Peter Kübler mit einem bedauernden Lächeln. In den fast 13 Jahren in Mainhardt seien viele Beziehungen entstanden. „Meine Frau und ich fühlten uns pudelwohl hier“, betont der 57-Jährige. Seit März 2005 ist Kübler geschäftsführender Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Mainhardt und der Gesamtkirchengemeinde Mainhardter Wald.

Doch das Weggehen gehöre zu seinem Beruf. Er habe bewusst und gemeinsam mit seiner Frau Patricia Richert eine neue Stelle gesucht – mit einer anderen Struktur, nahe Heilbronn und näher an Straßburg, ihrer alten Heimat. Oft habe er als geschäftsführender Pfarrer durch Vakanzen in der Gesamtkirchengemeinde mehrere Predigtstellen in Vertretung gehabt. „Ich denke, ich war in den drei Gemeinden der, auf den man sich verlassen kann“, meint der Pfarrer nachdenklich. Eine solch feste Größe habe er nie werden wollen, auch deshalb sei ein Wechsel gut.

Tod und Auferstehung

In den vielen Jahren in Mainhardt habe er es besonders geliebt, verlässliche Begleitung an den Schwellen des Lebens zu sein. „Tod und Auferstehung sind mein großes Thema“, verdeutlicht er. Seelsorge sei neben der Predigt sein Schwerpunkt im Studium gewesen, deswegen sei er Pfarrer geworden. Die Gemeindemitglieder hätten sich an ihn mit den unterschiedlichsten Anliegen gewandt. „Das war Seelsorge pur und die Bestätigung, dass ich hier richtig war“, resümiert Kübler. Zu seinen Herzensprojekten gehörte deshalb auch der Gesprächskreis für Trauernde, den er gemeinsam mit seiner Frau leitete.

In seiner Amtszeit habe er mit dem Kirchengemeinderat die Finanzen auf solide Füße gestellt. Das sei gut gewesen für die Kirchendach- und Kirchturmsanierung ab 2013, die 700 000 Euro kostete und teilweise durch Spenden getragen wurde. Der Vorstand des Kirchengemeinderats, Heinz Zimmer, habe ihn auf der Baustelle sehr unterstützt, erzählt er dankbar.

In 25 Metern Höhe gefangen

Dann schmunzelt der Pfarrer und fügt hinzu: „Ich bin übrigens die Starpanne von Mainhardt.“ Denn bei einer Baustellenbesichtigung seien er und einige Kirchengemeinderäte im Bauaufzug stecken geblieben – wegen Überlast. „Wir haben aus etwa 25 Metern Höhe nach unten geblickt, nichts ging mehr“, erzählt er schaudernd. Die Haller Feuerwehr habe sie mit der Drehleiter befreien müssen.

Hinter der Kirche befand sich bei seinem Amtsantritt noch ein verwildertes Grundstück. „Den ersten Schnitt habe ich selbst mit der Motorsense gemacht“, erinnert sich Kübler. Jetzt ist dort eine Wiese, auf der Gottesdienste im Grünen und kirchliche Festveranstaltungen stattfinden.

„Ich wollte immer ansprechende Gottesdienste halten“, erläutert der Pfarrer. Dafür habe er die Texte der Bibel in die heutige Zeit übersetzt. Im Predigt-Gesprächskreis habe man gemeinsam den Text des kommenden Sonntags durchleuchtet. „Das war auch für mich ein großer Gewinn“, lächelt er. Traupredigten gab er den Hochzeitspaaren mit: „Ich weiß ja, dass sie bei der Aufregung nicht gut zuhören können.“ Besonders erfreut er sich an der Gruppe der Hüttener Bibelstunde. „Da ist echt was gewachsen.“

Im Flur und Arbeitszimmer des Pfarrhauses stehen bereits Kartons. In den nächsten Tagen wird der gebürtige Heilbronner gemeinsam mit seiner Frau und den beiden roten Katern in die Gemeinde Güglingen wechseln, an seinen neuen Wirkungsort als Pfarrer. Für die Konfirmanden wird Kübler seine 13 Jahre in Mainhardt noch voll machen: „Für den Blockunterricht und die Konfirmation am 22. April komme ich her“, verspricht er. Die Vakanz werde mindestens bis zu den Sommerferien dauern, schätzt Kübler. Bis dahin ist Pfarrer Reinhard von Brandenstein stellvertretend in Mainhardt tätig, allerdings nur mit einer halben Stelle.

„Wir haben im neuen Pfarrhaus schon die Wände gestrichen“, erzählt Kübler vom Neuanfang. Kurios ist: Er wird Nachfolger des Pfarrerehepaars Kern, das in Michelfeld-Gnadental-Neunkirchen den Pfarrdienst versieht.

Bei jedem Wechsel müsse man Federn lassen – manchmal auch ganz profan, seufzt Kübler. So hätte der geliebte Ofen nach einem Umzug keine Betriebserlaubnis mehr, er bleibe deshalb im alten Pfarrhaus.

Info Der Verabschiedungsgottesdienst für Pfarrer Peter Kübler ist am Sonntag, 14. Januar, um 17 Uhr in der Mainhardter Kirche St. Veit.

In Schottland studiert

Pfarrer Peter Kübler wurde 1960 in Heilbronn geboren. Er studierte in Tübingen, Aberdeen (Schottland) und Erlangen evangelische Theologie. Sein Ausbildungsvikariat absolvierte er in Ingelfingen (Hohenlohekreis). Danach war er Pfarrvikar in Ellwangen an der Jagst. Seine erste ständige Pfarrstelle hatte er von 1995 bis 2005 in Leingarten-Schluchtern. Im März 2005 wurde er geschäftsführender Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Mainhardt und der Gesamtkirchengemeinde Mainhardter Wald. Seine künftige Pfarrstelle liegt in Güglingen im Dekanat Brackenheim. Investitur ist am 21. Januar. In seiner Freizeit joggt und wandert er gern oder reist mit seiner Frau nach Frankreich. may

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