Mainhardt Vom Tagelöhnerkind zum Musketier

Die Vorfreude auf die Theatersaison ist groß. Zu sehen sind von links nach rechts: Hanne Goly, Madita Däuber, Nils Däuber, Anja Goly, Christine Däuber, Manfred Däuber und Noah Däuber.
Die Vorfreude auf die Theatersaison ist groß. Zu sehen sind von links nach rechts: Hanne Goly, Madita Däuber, Nils Däuber, Anja Goly, Christine Däuber, Manfred Däuber und Noah Däuber. © Foto: Archiv
Mainhardt / Maya Peters 06.06.2018
Beim Laienschauspiel Mainhardter Wald wachsen die Schauspieler in ihre Rollen hinein. Ein Blick auf die Familie der Schwestern Christine Däuber und Hanne Goly.

Grad bin ich Jungmusketier und König“, lächelt Nils Däuber. Noch trägt er T-Shirt und kurze Hosen, seine Kostüme sind bei der Schneiderin. Nils spielt beim Laienschauspiel Mainhardter Wald sowohl im Kinderstück „Der Froschkönig“ als auch im Erwachsenenstück „Aufstand im Mainhardter Wald“ mit. Vorher sei er der Junge Steffel gewesen, der bei der Schlacht stirbt. „Dafür bin ich jetzt aber einfach zu groß geworden“, erzählt der hochgewachsene 14-Jährige.

Nicht zum ersten Mal sei er aus einer Rolle herausgewachsen. Begonnen habe er das Theaterspielen auf der Spielwiese am Gögelhof der Gemeinde Mainhardt als achtjähriges Tagelöhnerkind. „Ich war noch so klein“, zeigt er mit der Hand seine damalige Größe an. Beim Kinderstück des Laienschauspiels ist Nils der entzauberte Froschkönig. „Und wenn er dann nach der Verwandlung breit grinst, ist das richtig ansteckend“, schwärmt sein Vater Manfred.

Zum Mitmachen überredet

Der muss es wissen, ist er doch als Diener Heinrich seit 2017 ebenfalls beim „Froschkönig“ dabei. Vorher habe er nie mitgespielt und seine Familie nur im Hintergrund unterstützt. Doch dann sei die ursprüngliche Besetzung krank geworden und er eingesprungen. „Wir haben ihn bei einer Flasche Wein überredet“, erzählt seine Frau Christine Däuber schmunzelnd. „Aber meine Berufung ist es nicht“, wehrt er ab. Doch was solle man machen, wenn vier von fünf der eigenen Kinder, seine Frau und deren Schwester sowie seine Nichte seit Jahren mitspielten? „Irgendwann musste es wohl sein“, scherzt der 54-Jährige. Gemeinsam aktiv sei die ganze Familie auch im Musikverein Mainhardt.

Seine Nichte Anja Goly spielte im letzten Jahr noch die Magd im „Froschkönig“. Sie zu umarmen und zu herzen, sei ihm leicht gefallen, jetzt musste er sich an eine neue Spielpartnerin gewöhnen. Weil sie wegen einer Weiterbildung weniger Zeit hat, ist die 28-Jährige nur noch bei den Rebellen dabei, als Waschweib und Magd. „Wir sind die, die sich wehren“, lacht Goly und schaut dabei ihre Tante Christine Däuber an. Mit ihr spielt sie eine Vergewaltigungsszene. „Ach, da ist ja der Soldat, der uns immer wieder überfällt“, ruft diese scherzend zu einem Mitspieler rüber – die Heugabel in ihrer Hand erhoben, sie dient in der Szene als Waffe.

„Hanne war die Erste, vor neun Jahren“, erinnert sich Christine Däuber an die Anfänge. Und habe dann sie und die Kinder zum Laientheater gebracht. „Ich habe mir damals das Räuberstück angeschaut und war fasziniert von der Truppe und der Geschichte“, bestätigt ihre Schwester Hanne Goly. Durch Zufall wurde sie schon bald Teil der rund 100-köpfigen Laienschauspieltruppe unter Regisseurin Angelika Tröster und dem Vereinsvorsitzenden Wolfgang Truckenmüller. Beim aktuellen Stück ist sie das Waschweib Liesl. „Ich bin so eine Robuste, Kernige, die den Männern sagt, wo es langgeht“, charakterisiert Hanne Goly ihre Rolle. Im langjährigen Vorgängerstück sei sie eine Räuberbraut gewesen. „Eigentlich ganz ähnlich, ich hab’ da auch die Männer aufgerichtet“, lacht die 55-Jährige.

„Die Rollen gestalten die Schauspieler mit, das Stück bleibt nicht statisch“, berichtet Christine Däuber. Es sei authentisch, findet sie. So gehöre auch das Wäscheaufhängen oder Sensen vor den Aufführungen dazu. „Damit sich die Leute in die Zeit zurückversetzt fühlen“, erläutert die 48-Jährige. Auch die gelegentliche Improvisation sei lustig, wenn die Kuh nicht mitgehe oder man mal ein anderes Schimpfwort benutze. „Es ist immer anders, aber immer wieder toll“, fasst Christine Däuber ihre Theaterliebe zusammen. „Es sind auch so tolle Schauspieler dabei, wir staunen immer wieder aufs Neue“, ergänzt Hanne Goly. „Die Räuberzeit ist unsere fünfte Jahreszeit, wie eine zweite Familie“, schwärmt Anja Goly. Spontan umarmen die Frauen sich.

Der Jüngste schaut noch zu

Während man probe, seien die Kinder altersgemischt im angrenzenden Wald unterwegs. „So wie früher, die rennen die ganze Nacht“, ergänzt Christine Däuber das idyllische Bild und schließt: „Für die Kinder ist es eine Bereicherung.“ Ihre Tochter Madita ist derzeit eine der Tänzerinnen des fahrenden Volks. Sie hat ebenso wie ihre Geschwister Ida, Anna und Nils als Räuberkind angefangen. Das Nesthäkchen Noah fehlt noch unter den Aktiven. Der Sechsjährige schaut bisher nur zu – allerdings schon mit dem Schwert in der Hand.

Das Zusammenhocken nach den sechs Vorstellungen und besonders die „lange Räubernacht“ im Anschluss an die letzte Aufführung seien tolle Feste im Team. „Da kommt richtig Lagerfeuerromantik auf“, zeigt Hanne Goly mit weitem Arm übers schöne Brettachtal.

Am Anfang freue man sich da­rüber, dass es bald losgehe. Dann zittere man, dass es nicht mehr lange dauere, und dann käme auch die Zeit, in der man sage: „Gut, dass es bald vorbei ist“, fasst sie die intensive Zeit vom Frühjahr bis zum Frühsommer zusammen. Jetzt nehme die Aufregung zu. Am Montagabend war der erste Durchlauf mit Kostümen. Die Premiere am 15. Juni rückt näher.

Restkarten für den „Froschkönig“

„Aufstand im Mainhardter Wald“ hat am Freitag, 15. Juni, Premiere auf der Spielwiese am Gögelhof. Weitere Aufführungen sind am 16., 22., 23., 29. und 30. Juni. Einlass ist jeweils ab 19.15 Uhr, Spielbeginn um 20.10 Uhr. Das Stück ist bereits ausverkauft.

Das Kinderstück „Der Froschkönig“ feiert am 22. Juni um 10.30 Uhr auf der Spielwiese Premiere. Weitere Aufführungen sind an den Samstagen, 23. und 30. Juni, jeweils um 14.30 Uhr. Restkarten können noch an der Kasse oder auf der Website erworben werden. may