Schwäbisch Hall / Bettina Lober  Uhr
Seit September ist die erfahrene Lehrerin Brigitte Albrecht Rektorin der Grundschule Am Langen Graben in Schwäbisch Hall.

Es war bisher keine Minute langweilig“, sagt Brigitte Albrecht. Gewiss werde es auch noch einige Zeit dauern, bis sie richtig eingearbeitet ist, räumt sie ein, um gleich lächelnd zu ergänzen, „aber ich habe auch noch keine Minute bereut.“ Die gebürtige Hallerin hat in ihrer Berufslaufbahn rund 20 Jahre Erfahrung im öffentlichen Schuldienst gesammelt. Ihre Motivation für den Rektorenposten? „Es ist eine anspruchsvolle und herausfordernde Aufgabe.“

Schulleiter sind gesucht, weiß Brigitte Albrecht. „Im Frühjahr waren 250 Schulleiterstellen in Baden-Württemberg offen.“ Was sie an der Grundschule Am Langen Graben reizt? „Das fängt schon mit der erhabenen Architektur des alten Gebäudes an“, schwärmt sie. Dazu komme die Fülle und Vielfalt der Angebote, die hier fast „versteckt“ seien. Da gibt es zum Beispiel die Sonnenhofgruppe, die Zusammenarbeit mit der benachbarten Friedensbergschule, die Hector-Kinderakademie, deren Geschäftsführung mit der Schulleitung einhergeht, und vor allem „ein buntes Schülerpublikum“, erklärt die Rektorin.

Neue Aufgaben

Sie muss nun allerhand neue Aufgaben bewältigen. Brigitte Albrecht ist froh, dass sie von dem engagierten und erfahrenen Kollegium so gut unterstützt wird. Keinem werde ihre Fragerei zu viel, „und es ist toll, dass ich mit Sabine Reiter an der Friedensbergschule eine Kollegin quasi in Rufweite habe“. Auch der Hausmeister rufe immer wieder fürsorglich fragend in ihr Büro: „Chefin, gibt’s was?“.

Bis Ende November ist Pfarrer Anthony Balagira aus Uganda zu Gast in Crailsheim. Seine freie Zeit nutzt er, um besser Deutsch zu lernen.

Kurzum: „Ich bin super aufgestellt“, sagt sie bezüglich der Schule, die derzeit von 102 Kindern besucht wird. „60 Prozent haben einen ausländischen Hintergrund.“ Deshalb ist Brigitte Albrecht das Thema Sprachförderung auch besonders wichtig – schon immer, „das zieht sich wie ein roter Faden durch mein Schulleben“, erklärt sie.

Apropos Schule: Brigitte Albrecht hat schon als Kind den Wunsch gehegt, Lehrerin zu werden – „ich komme aber aus keiner Lehrerfamilie“. Doch der Großvater muss schon etwas in ihr gesehen haben. Jedenfalls habe der immer gesagt: „Des gibt amol a Schualmooschdere“, erzählt die Pädagogin mit einem verschmitzten Lächeln. Zunächst habe sie noch einen Versuch in Richtung Ernährungswissenschaften unternommen, „doch nach einem Praktikum in einer Großküche wusste ich, das ist nichts für mich“. Also ging es zum Studium an die Pädagogische Hochschule nach Schwäbisch Gmünd.

„Kultur des Hinschauens“

Egal ob als Lehrerin an der Volkshochschule, die in Kursen Aussiedler unterrichtete, in der früheren Haller Jugendstrafvollzugsanstalt oder an verschiedenen Schulen: „Die Sprache ist das A und das O“, so ihre Erfahrung. Brigitte Albrecht hat Kinder und Erwachsene unterrichtet. „Die Sprache ist grundlegend für den Bildungserfolg“, sagt sie. Das Kollegium der Grundschule Langer Graben sei auf diesem Gebiet sehr erfahren. Die „Kultur des Hinschauens und Hinhörens“ sei sehr ausgeprägt, betont die Rektorin. Brigitte Albrecht findet es allerdings schade, dass die Politik oft nur die weiterführenden Schulen und das Gymnasium im Blick habe: „Sprachförderung muss viel früher greifen, auch schon im Kindergarten.“

Neben dem „Erhalten und Bewahren“ hat die Schulleiterin längst Projekte im Blick, um die Schule weiterzuentwickeln. Beispielsweise soll der Schulhof attraktiver werden, man sei mit dem Förderverein und mit Oberstufenschülern im Gespräch. Auch der Ausbau der Ganztagesangebote und kommunale Ergänzungsangebote (KEA) stünden auf der Agenda. Eines ist sicher: Brigitte Albrecht wird es  auch in Zukunft nicht langweilig werden.

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Pädagogin mit vielfältigen Unterrichtserfahrungen

Brigitte Albrecht wurde 1963 in Hall geboren. Sie ist in der Kocherstadt aufgewachsen, und hat am Gymnasium bei St. Michael Abitur gemacht. An der pädagogischen Hochschule in Schwäbisch Gmünd absolvierte sie ein Grund- und Hauptschulstudium mit den Fächern Deutsch, Geschichte, Geografie, dazu evangelische Religion sowie Ausländerpädagogik und zwei Semester Türkisch. Ihre Referendarzeit verbrachte sie in Mannheim. Später unterrichtete sie an der Volkshochschule in Öhringen, bekam dann eine Justizlehrerstelle im Haller Knast, wo sie sieben Jahre lang unterrichtete. Danach arbeitete Brigitte Albrecht für 14 Jahre an der Werkrealschule Schenkensee, vier Jahre in der Helmut-­Rau-Schule Mainhardt und zuletzt zwei Jahre an der Grundschule in Hessental. Teilweise war sie ans Lehrerseminar in Bad Mergentheim abgeordnet, um dort Referendare auszubilden. Als Nachfolgerin von Gabriele Schindler hat die Mutter eines erwachsenen Sohnes in diesem Schuljahr die Leitung der Grundschule Langer Graben in Hall übernommen. Dazu gehört auch die Geschäftsleitung der dort angesiedelten Hector-Kinderakademie. blo