Braunsbach Ausstellungen: Quicklys und Babydolls

Das Haus Engel in Braunsbach, wie es sich heute präsentiert.
Das Haus Engel in Braunsbach, wie es sich heute präsentiert. © Foto: Werner Friedel
Braunsbach / Elisabeth Schweikert 16.05.2018
Ausstellungen im Braunsbacher Haus Engel entführen in die jüngere Neuzeit. Der Braunsbacher Pfingstmarkt geht von Samstag, 19., bis Montag, 21. Mai.

Menschen, die gerne in die Geschichte des 20. Jahrhunderts eintauchen, haben am Wochenende im früheren Gasthaus Engel in Braunsbach die Gelegenheit dazu. Während des Pfingstmarktes wird dort die Geschichte des Ortes sowie  die Historie des Gasthauses dargestellt. Darüber hinaus locken eine Ausstellung der legendären Quickly-Motorroller sowie eine Verkaufsausstellung des örtlichen Gartenmarkts.

Das Moped NSU Quickly war eines der ersten Mopeds der deutschen Nachkriegsgeschichte. Es markierte den Beginn der Massenmotorisierung im Zuge des Wirtschaftswunders und war weit verbreitet. Das Fahrrad mit Hilfsmotor ermöglichte es auch den Menschen auf dem Land, auf preiswerte Weise mobil zu sein. In Braunsbach haben Rolf Pössnecker und die dortigen Quicklyfreunde eine ganze Reihe an verschiedenen Quicklys gesammelt. Ein Teil der Maschinen wird ausgestellt, darunter auch eine Polizei-Quickly.

Albert Burckhardt sammelt seit Jahren historische Fotos aus Braunsbach. Einige Hundert Bilder gehören inzwischen zu seiner Sammlung. Ein kleiner Teil dieser Fotos wird ebenfalls im früheren Gasthaus ausgestellt. Zudem hat der Schreinermeister Kästchen aus Holz gefertigt,  das aus dem Haus Engel stammt.

Die dritte Ausstellung  am Pfingstwochenende im Haus Engel kommt von der Familie Friedel.  Werner Friedel, der heute mit seiner Frau in Kupferzell lebt, ist in der Gaststätte, die 1970 geschlossen wurde, aufgewachsen.  Die Friedels sind passionierte Sammler und haben unter anderem auch zahlreiche Exponate zur Hausgeschichte aufbewahrt. Ein Teil wird ausgestellt und soll die Besucher in die 1950er-Jahre versetzen. Der originale Tresen samt altem Drehscheiben-Telefon wird zu besichtigen sein, ebenso der frühere Stammtisch. Auch das alte Geschirr und  der Bierstiefel werden zur Schau gestellt.

Die Geschichte des Hauses ist illuster: Es wurde als Poststation gegründet. Dort wechselten die Kutscher nicht nur die Pferde, auch Nachrichten wurden ausgetauscht.  Eine eigene Brauerei habe es nicht gegeben, berichtet Doris Friedel, aber einen Eiskeller, in dem im Winter die Eisschollen vom Kocher eingelagert wurden, damit im Sommer das Bier, das von der Haller Löwenbrauerei kam, gekühlt wurde und länger haltbar blieb.  Über den Krieg lebten dort Menschen, die andernorts vor Kampfhandlungen geflohen waren. Nach dem Krieg war in dem Haus eine Wäschefabrikation. Dort wurde Unter- und Nachtwäsche geschneidert. „Hier wurden die ersten Hotpants gemacht“, sagt Werner Friedel  mit Stolz, „Babydolls“. Die vierte Ausstellerin ist Anita Mögerle, Inhaberin des örtlichen Blumenladens. Sie wird Kränze, Dekoratives und anderes mehr ausstellen und zum Kauf anbieten.

Dreitägiges Fest mit Highlights an jedem Tag

Die Ausstellung wird am Sonntag, 20. Mai, um 11.15 Uhr eröffnet. Sie ist auch am Montag zwischen 12 und 16 Uhr zu sehen.
Der Pfingstmarkt  geht von Samstag, 19. Mai, bis Montag, 21. Mai. An allen drei Tagen bewirten die Vereine. Das Fest beginnt am Samstag mit dem Neubürgerempfang (16  Uhr) auf dem Marktplatz. Um 18 Uhr erfolgt der Fassanstich durch Polier Achim Geyer. Besonderheiten sind am Sonntag die Ausstellungseröffnung sowie am Nachmittag (14  bis 16 Uhr) der Kinderflohmarkt. Der Pfingstmontag startet um 10.45 Uhr mit dem Gottesdienst. Im Anschluss öffnet der Krämermarkt mit 17 Händlern. Anwesend sind auch die Architekten und Ingenieure, welche den Wiederaufbau Braunsbachs nach der Flut planen. sel

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