Schwäbisch Hall/Gaildorf Vom ergatterten Geld keine Spur

ELEONORE HEYDEL 09.10.2015
Mit dem Angebot, ihm günstig eine Pelletheizung einzubauen, hat ein 35-jähriger Betrüger einem Gaildorfer Hausbesitzer 60 000 Euro aus der Tasche gezogen. Das Haller Amtsgericht rollte den Fall jetzt auf.

Der Vorsitzende Richter des Haller Schöffengerichts, Dr. Wolfgang Amendt, ist fair. Er sagt nicht gleich zu Beginn der Verhandlung, dass der 35-jährige Angeklagte (A.) schon sechsmal wegen Betrugs vorbestraft ist und man ihm gegenüber misstrauisch sein dürfe. Er nimmt erst einmal hin, was der korpulente Mann, der im Ostalbkreis lebt, berichtet. A. schiebt die Schuld am verpatzten Heizungs-Einbau seinem Gaildorfer Kunden zu.

Er berichtet, im Januar 2013 mit dem Gaildorfer einen mündlichen Vertrag zum Einbau einer Pelletheizung in dessen sanierungsbedürftiges Haus geschlossen zu haben. Er habe zunächst 13 000 Euro in bar erhalten und stellt klar: "Es war ein Schwarzgeschäft!" Weil er gegenüber seinen Händlern angeblich "vorleisten" musste, habe er von seinem Kunden in Schüben insgesamt 60 000 Euro erhalten. Er habe die Wasserleitungen erneuert, die Pellet-Anlage aber nicht mehr einbauen können. Der Gaildorfer habe ihn nicht mehr in das Haus hineingelassen. In seiner Scheune und an anderen Orten, sagt A., befänden sich "zu 98 Prozent" die Teile, die noch einzubauen seien.

Das Blatt wendet sich, als drei Stunden später der Betrogene als Zeuge vernommen wird. Der 45-Jährige sagt, die Pelletheizung habe 25 000 Euro kosten sollen. A. habe aber viele Gründe gehabt, immer mehr Geld zu fordern, angeblich wegen nachträglich geäußerter Sonderwünsche. "Ich zweifle sehr stark daran, dass er das Material überhaupt bestellt hat!" Er habe auch nicht gewusst, dass A. völlig überschuldet sei. Barquittungen habe er in seinem Beisein unterschrieben: "Der hat acht verschiedene Unterschriften!" Überwiesenes Geld sei auf ein Konto gegangen, dass A. bei seinem jüngst abgegebenen Offenbarungseid nicht angegeben habe.

Richter Amendt hakt nach und fragt den Angeklagten: "Führen Sie überhaupt keine Bücher?" Der 35-Jährige patzig: "Ich kenne meine Bücher nicht alle auswendig!" Amendt hält ihm vor, die Polizei könne "nachermitteln". Erst jetzt schwenkt A. ein und "korrigiert" seine ursprüngliche Aussage. Er gibt zu, dass er von den erhaltenen 60 000 Euro mindestens 45 000 Euro für sich privat abgezweigt habe.

Das Vorstrafenregister zeigt: Im Juli 2013 hat er einen Uhrenhersteller in Gmünd um 20 000 Euro betrogen - mit derselben Pellet-Masche. Einem anderen Kunden zog er 8500 Euro für einen Pellet-Ofen aus der Tasche - ohne Gegenleistung. Selbst seinen Rechtsanwalt prellte er um 5000 Euro.

Im März verurteilte ihn das Amtsgericht Gmünd zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ohne Bewährung. Er legte erfolglos Berufung ein. Das Haller Schöffengericht muss auf dem Gmünder Urteil aufbauen. Am Ende der Verhandlung entscheidet es auf eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten.

Warum der Gaildorfer sich hinreißen ließ, dem Betrüger nach und nach insgesamt 60 000 Euro zukommen zu lassen, bleibt offen. Möglicherweise sah sich der 45-Jährige in der "Schwarzarbeits-Falle" gefangen. Er selbst meint allerdings, es habe sich hier um einen legalen Auftrag gehandelt. Ebenso wenig weiß man, wo das ergatterte Geld geblieben ist. A. soll zwischenzeitlich auf großem Fuß gelebt haben. Andererseits bezieht der Mann, der keine abgeschlossene Ausbildung hat, zusammen mit seiner Frau und seinen drei Kindern schon seit längerem Hartz IV-Leistungen.