Schwäbisch Hall / Beatrice Schnelle In den historischen Räumen des „Alten Landgerichts“ eröffnen drei Haller Orthopäden eine moderne Praxis. Im Vorfeld standen einige bauliche Herausforderungen.

Wer die beengenden Räume am Steinernen Steg kannte und das neue Domizil der Fachärzte für Orthopädie und Chirurgie, Elmar Podsiadlik-Schilling, Marion Kühnle und Marco Glücks, betritt, sieht sofort: Die Praxis hat sich vom Aschenputtel in eine Prinzessin verwandelt. Ebenso wie das denkmalgeschützte „Alte Landgericht“ in der Salinenstraße 2, das zuvor sechs Jahre leer stand. Dort haben die drei Ärzte und ihre Patienten auf mehr als 400 Quadratmetern jetzt ausreichend Platz – in sechs Behandlungszimmern, zwei OP-Sälen, zwei Aufwachräumen, dem Röntgenbereich, dem Warte- und Empfangsbereich sowie Personalräumen. Einfach war der Weg dorthin nicht. Das wird bei der offiziellen Eröffnungsfeier deutlich.

Ämter mit Interessenkonflikten

Marco Glücks dankt in seiner Rede unter anderem Wolf Gieseke und René Eder von der GWG, die das Projekt „mit optimistischem Feingefühl“ vorangetrieben und die verschiedenen Inte­ressengruppen an einen Tisch gebracht hätten. Gemeint sind die Ämter, die beim Ausbau mehr als nur ein Wörtchen mitzureden hatten: „Das Denkmalamt wollte natürlich so viel wie möglich erhalten, das Gesundheitsamt bemängelte zum Beispiel die historischen Böden und Wände“, nennt er nur einen der Interessenkonflikte. Die Lösung: Das alte Parkett liegt geschützt unter einem modernen Bodenbelag und wenigstens im Empfangsbereich ist die schöne Wandvertäfelung noch sichtbar.

Klaus Böhme ist einer von mehreren Mannschaftsärzten der Unicorns. Den Umgang mit den Sportlern empfindet er als sehr spannend.

„Ohne ihn gäbe es das ganze Projekt nicht, weil wir so manches Mal am liebsten alles hingeworfen hätten“, sagt Marion Kühnle in Richtung des Innenarchitekten Jürgen Mayer aus Sulzfeld. „Er hat uns immer wieder Mut gemacht, dranzubleiben, umzudenken, neue Lösungen zu erarbeiten, sodass am Ende alles richtig gut geworden ist.“ Allein das Lichtkonzept hatte Mayer einiges Kopfzerbrechen bereitet: „Wir konnten ja keine Stromleitungen an die Decke spaxen“, lacht er. Die Alternative sind nun LED-Linien.

Rund zwei Millionen Euro ließ sich die Hospitalstiftung laut GWG-Geschäftsführer Wolf Gieseke die Außensanierung ihres Gebäudes kosten. Für die Innengestaltung mussten die Orthopäden selbst in die Tasche greifen. Wie tief, behalten sie für sich. Mit verglasten und blickdichten Boxen entwarfen die Architekten unter den hohen stuckverzierten Decken des Erdgeschosses ein Raum-in-Raum-System, das die denkmalgeschützte Substanz unberührt lässt. In einem Anbau sind zwei Operationsräume untergebracht.

Nachdem Orthopäde Dr. Gfrörer in die Oberstadt gezogen ist, wechselt Dr. Claus Kuon jetzt ins Zentrum am Fürstengarten.

Die technische Einrichtung des sterilen Reinluftraums, der für bestimmte Eingriffe benötigt wird, sei eine der besonderen Herausforderungen gewesen, berichtet Kühnle. 14 Lüftungsschächte, jeweils 1,50 auf 1,50 Meter groß, mussten dafür auf dem Dach des Hauses Platz finden. Die Verbindungen in den Operationsraum führen entlang der Fassade, durch einen Schacht zwischen dem Ärztehaus und der unmittelbar benachbarten Kornhausscheuer. Von außen bleibt das Konstrukt unsichtbar.

Unter den Besuchern der Einweihungsparty sind viele Arztkollegen. Sie können die Mühen, die Podsiadlik-Schilling, Kühnle und Glücks hinter sich haben, am besten nachvollziehen. Man müsse wissen, dass hier die Anforderungen für die OP-Situation genauso hoch seien wie in einer großen Klinik, bemerkt einer von ihnen: „Da gibt es keine B-Kategorie.“

Weiterer Mieter in Sicht

Die Initialzündung sei bereits 2013 ein Gespräch mit Doktor Podsiadlik-Schilling gewesen, erzählt Gieseke. Man habe einige Mietinteressenten gehabt: „Aber das war nie so, dass wir gesagt haben, das reicht, um dieses Haus zu revitalisieren.“ Für die Flächen im Obergeschoss gebe es bereits einen weiteren Mieter, der im Oktober einziehe. Näheres will Gieseke nicht verraten. Nur so viel: „Es ist keine physiotherapeutische Praxis, sondern eine völlig andere Nutzung, die aber sehr gut zu diesem Standort passt.“

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Info

Das ehemalige Zeug- und Rüsthaus in der Salinenstraße 2 steht unmittelbar am 1300 erbauten Diebsturm. Es diente ab 1803 als Kaserne, ab 1869 beherbergte es den Kreisgerichtshof. Später folgten verschiedene Nutzungen. Zuletzt war dort die private Fachhochschule für Gestaltung untergebracht. Sie stellte ihren Betrieb 2013 ein.