Schwäbisch Hall Zeitgenössische Kunst: Volumen aus Fläche und Farbe

Hausherrin Felicitas Franck, die Europa-Politikerin Evelyne Gebhardt und die Künstlerin Ute Haecker erfreuen sich an der Ausstellung.
Hausherrin Felicitas Franck, die Europa-Politikerin Evelyne Gebhardt und die Künstlerin Ute Haecker erfreuen sich an der Ausstellung. © Foto: Maya Peters
Schwäbisch Hall / Maya Peters 26.07.2018
Mit der Schau „cross-over“ von Ute Haecker zeigt das Haller Dieter-Franck-Haus zeitgenössische Kunst aus Berlin mit regionalen Wurzeln.

Kräftige Töne in Schwarz, Rot oder Blau sind den Reliefs von Ute Haecker zu eigen. Die Flächen mit den ausgeschnittenen Elementen wirken mehrdimensional, so geschickt sind sie mit Abstandshaltern vor die Wand gehängt und in hell-dunkel mit Wachstempera bemalt. Ein Schattenspiel an der Wand unterstützt die Illusion. Zwei Genres, das der Bildhauerei und der Malerei, treffen in ihren Arbeiten zusammen. Daher komme der Titel der Ausstellung „Cross-over“, erläutert Haecker im Gespräch mit Evelyne Gebhardt, der Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, auf der gut besuchten Vernissage im Dieter-Franck-Haus auf der Oberlimpurg in Schwäbisch Hall.

Dabei erinnern die Kunstwerke auch an Objekte aus der Mikrobiologie. Die Ähnlichkeit sei keineswegs zufällig, erzählt Haecker, die Malerei in Karlsruhe und Berlin studiert hat. Die in Vellberg aufgewachsene Künstlerin lebt seit Jahrzehnten in Berlin. Mit der Haller Bildhauerin Felicitas Franck, die ebenfalls lange in Berlin lebte und nun ihr Atelier im Haller Dieter-Franck-Haus hat, hat sie 2009 gemeinsam im Kunstforum der Bausparkasse Schwäbisch Hall ausgestellt. 

„Der Blick auf die kugeligen, löchrigen und leeren Formen hat mir damals einen künstlerischen Kick gegeben“, berichtet Haecker von der Entdeckung der mikrobiologischen Strukturen. Davor habe sie meist Collagen gefertigt. Der erste Schnitt mit der Stichsäge sei dann auch zufällig passiert, berichtet die Künstlerin von den Anfängen Mitte der 1980er-Jahre. „Ich habe damals total fasziniert auf die gesägte Linie geschaut. Die schien mir viel interessanter als eine gemalte.“

Seit rund vier Jahren könne sie nun sagen „Meine Arbeiten sind reif und gut“, zitiert die Haller Kulturbeauftragte Ute Christine Berger die Vollblutkünstlerin Ute Haecker. „Und das nach 20 Jahren Arbeit in dieser Technik“, verdeutlicht Berger den gewachsenen Prozess. Anfangs habe sie noch selbst gesägt, nun sorgen Laser für den perfekten Schnitt.

Die runden Werke der Ausstellung heißen „Planet“ oder „Luftperlen“, durch diese schlingen sich feine gemalte Bänder. Die viereckigen Flächen, die bauchig wie aus einer Kugel geschnitten wirken, nennt Haecker schlicht „Wand“. In modularer Weise und gespiegelt setze sie dann die aus Stahl ausgeschnittenen viergeteilten Flächen  zusammen.

Die Besucher rätseln

Fasziniert geht der Blick der Ausstellungsbesucher immer wieder hinter die Werke, und Haecker wird häufig gefragt, wie diese gefertigt wurden. Denn die Illusion ist so gut, dass man sich nie sicher ist, wie viele Ebenen tatsächlich bemalt und ausgeschnitten wurden. Selbst der Stoß ist kaum zu sehen, größere Löcher im Vordergrund vermitteln ein Gefühl von großer Raumtiefe. Die geschleiften Bänder in manchen Stücken entwickeln durch Überlappungen weitere Dimensionen, gaukeln dem Betrachter Lagen vor. Doch einzig das neueste Werk von 2018 besteht wirklich aus – auch nur zwei – hintereinander gehängten Reliefflächen. „Die habe ich auch eher zufällig übereinandergelegt und fand: Das ist gut“, lächelt Haecker. Das Volumen des Raums im Raum sei einfach spannend.

Info Die Ausstellung „Cross-over“ von Ute Haecker läuft bis 23. September. Das Dieter-Franck-Haus ist sonntags von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Im August bietet die Künstlerin Führungen an.

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