Trauer Voller Einsatz für das Zusammenleben

Walter Preisinger steht im Frühjahr 2005 auf dem Gerüst und schneidet Äste, damit das Haus für den Dorfladen Gottwollshausen gestrichen werden kann.
Walter Preisinger steht im Frühjahr 2005 auf dem Gerüst und schneidet Äste, damit das Haus für den Dorfladen Gottwollshausen gestrichen werden kann. © Foto: privat
Schwäbisch Hall / Monika Everling 09.01.2019
Walter Preisinger war Finanzvorstand der Bausparkasse Hall. Er hat sich für Dorfläden, für Arbeitslose und Kranke engagiert und Vorträge gehalten. Er starb 81-Jährig.

Ohne ihn würde es die Dorfläden in Gottwollshausen und Gailenkirchen so, wie sie jetzt dastehen, nicht geben.“ So loben der frühere Dorfladen-Vorstand Hartmut Walter und Pfarrer Bernhard Glück fast wortgleich den Dorfladen-Mitbegründer Walter Preisinger. Dieser war als Finanzvorstand der Bausparkasse Schwäbisch Hall eine einflussreiche Persönlichkeit. Aber vermutlich ist er in und um Schwäbisch Hall vielen Menschen durch sein ehrenamtliches Engagement und seine Vorträge besser bekannt als durch seinen Beruf. Er war bis vor Kurzem vielseitig aktiv. Am Neujahrstag ist Walter Preisinger 81-jährig unerwartet gestorben.

„Als er in den Ruhestand ging, hat Walter Preisinger zu mir gesagt: ,Ich habe im Leben so viel bekommen, jetzt kann ich wieder etwas zurückgeben.’ Ich finde, dieser Satz charakterisiert ihn sehr gut. Er hat sich voller Elan für die Menschen eingesetzt“, sagt Pfarrer Bernhard Glück.

Außer den Dorfläden lag ihm der Verein „Help! – Wir helfen!“ am Herzen, der Operationen in armen Ländern finanziert und bei Naturkatastrophen Hilfe gewährt. Zudem hat Preisinger mit der Aufbaugilde Heilbronn (früher „Arbeit auf dem Lande“ in Crailsheim) Langzeitarbeitslosen den Weg in die Beschäftigung geebnet.

Preisinger kam 1986 als Generalbevollmächtigter der Bausparkasse nach Schwäbisch Hall. 1987 wurde er Finanzvorstand und blieb es bis zu seinem Ruhestand 1999. „Er hat Unternehmertum gelebt“, sagt sein Vorstandskollege Dr. Wolfgang Ladewig, der mit Preisinger befreundet war. „Er war alles andere als ein Bedenkenträger. Er wollte immer Neues entdecken, hat daran mitgewirkt, neue Märkte zu erschließen, sowohl in den neuen Bundesländern als auch im Ausland.“

Und dieser Drang, Neues zu entdecken, hat Preisinger auch im Privatleben umgetrieben. „Er konnte nicht stillsitzen“, berichtet Ladewig. So ging Preisinger oft auf Reisen. Myanmar, Indien, Peru, Oman: Über diese Länder hat der Pensionär Vorträge erarbeitet, die er mit Musik, Fotos und Filmaufnahmen gestaltete. „Er war da wirklich ein Künstler, die Vorträge hatten ein sehr hohes ästhetisches Niveau“, urteilt Glück. Den Zuhörern in den Kirchengemeinden hat’s gefallen, so hat Preisinger auch Vorträge über Persönlichkeiten der Religionsgeschichte gehalten. „Er kam aus kirchlichem Milieu, er hat früher auch im Posaunenchor mitgespielt“, weiß Glück. Der Pfarrer erinnert sich gut an die Gründungsphase der Dorfläden: „Preisinger hat sich mit unheimlicher Energie reinge­klemmt. Er hat morgens um 4 Uhr angefangen, Zahlen zu sortieren, um die Finanzierung sicherzustellen. Aber er war sich auch nicht zu schade, auf den Boden zu knien und den Weg zu pflastern. Das war ein ganz feiner Zug.“

Auch Hartmut Walter schätzt Preisingers Anteil am Gelingen der Läden hoch ein: „Er hat den Businessplan entwickelt, Kredite besorgt und sich mit dem Denkmalamt angelegt. Innerhalb der Genossenschaft ist er aber auch angeeckt: Er war gewohnt, dass seine Vorstellungen umgesetzt werden. Dafür hat er auch Ehrenamtliche in die Pflicht genommen. Das hat nicht allen gefallen.“

Ladewig kennt die andere Seite der Medaille: „Preisinger wusste, dass man für das Gelingen einer solchen örtlichen Initiative das Mittun aller braucht. Er war nicht immer damit zufrieden.“ Aber am Ergebnis erfreuen sich bis heute viele: Die Läden bieten den Dorfbewohnern nicht nur Hunderte von Artikeln des täglichen Bedarfs, sondern auch ein Zentrum der Kommunikation. Das war Preisinger wichtig. „Zentral war für ihn auch die Sorge für Familie und Kinder“, berichtet Ladewig. Er betont die „Fürsorge und Großzügigkeit“, die in der Traueranzeige erwähnt werden. Der plötzliche Tod Preisingers reißt ein Loch in die Familie.

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Finanzmensch mit Sinn für Soziales, ferne Länder, Kunst und Sport

Walter Preisinger wurde am 26. August 1937 in Stuttgart geboren. Er besuchte die Oberrealschule Bayreuth und legte Examina als Steuerbevollmächtigter, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer ab.

Seine Laufbahn führte ihn vom Bankkaufmann über das Amt des Prüfers beim Württembergischen Genossenschaftsverband zum Prüfungsdienstleiter beim Badischen Genossenschaftsverband. Er war Geschäftsführer der Treuba, der Wirtschafts- und Steuerberatungsgesellschaft Karlsruhe, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Ra­statt und schließlich Finanzvorstand der Bausparkasse Schwäbisch Hall.

Seine Hobbys waren Reisen, Skifahren und Modelleisenbahnen. Er war Mitglied im Lions-Club Rastatt, FC Rastatt, Kunstverein Rastatt, Hohenloher Kunstverein, Förderkreis Hällisch-­Fränkisches Museum, Hohenloher Freilandmuseum, „Help! – Wir helfen!“ und in der Dorfladen-Genossenschaft.

Preisinger war seit 1961 mit Katja-Wanda Preisinger verheiratet. Er hinterlässt seine Frau, die beiden Töchter Susanne und Gabriele sowie zwei Enkelkinder.

Die Trauerfeier findet morgen, Donnerstag, um 12 Uhr in der Marienkirche Gailenkirchen statt. Ein Kondolenzbuch liegt auf. Die Urnenbeisetzung wird im engsten Kreise auf dem Haller Waldfriedhof stattfinden.

Die Familie bittet statt Blumen um Spenden an „Help! – Wir helfen!“, IBAN DE32 6229 0110 0001 2340 05.

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