Schwäbisch Hall Virtuos und voller Feingefühl

Schwäbisch Hall / CUS 06.11.2014
Sie leben rund 2000 Kilometer von einander entfernt und spielen doch hervorragend zusammen Gitarre: Olga Kamornik (Weimar) und Asya Selyutina (Moskau) interpretieren virtuos und voller Feingefühl.

Die beiden klassischen Gitarristinnen bilden seit rund drei Jahren ein Duo - auf Anregung des russischen Komponisten Nikita Koshkin, nachdem sie sich benannt haben. Klar, dass Werke von Koshkin auch zum Repertoire zählen und beim Gitarrenkonzert im Musiksaal der städtischen Musikschule neben romantischen und klassischen Stücken anderer vor allem russischer Komponisten im Haus der Bildung zu hören sind. Beispiel: die fünfsätzige Cambridge-Suite. Die lädt direkt zum programmatischen Genießen ein und hat einige Abwechslungen parat.

Während das Schlafliedchen (Lullaby) zu Beginn sehr melodiös und legato seinem Namen gerecht wird, macht der "Tennis Waltz" wieder wach und erinnert etwas an ein Tennismatch zweier ähnlich starker Gegner. Aber anstatt zwei Tennisspielern, die die Bälle übers Netz jagen und gegeneinander kämpfen, harmonieren zwei Gitarristinnen akustisch ausgeglichen miteinander, spielen sich die Noten im Walzer-Takt zu. Viel Lebensfreude transportiert der Ragtime und überrascht mit einer Reminiszenz, was wiederum typisch für eine Komposition von Koshkin ist. "The Entertainer" wird am Ende lebendig und damit einer der bekanntesten Rags von Scott Joplin für Klavier solo, der 1902 erschienen ist. Den Zuhörern gefällts und sie applaudieren stärker.

Die beiden klassischen Gitarristinnen spielen schnellere Läufe wie im Allegro der Sonate von Dmitri Bortnyansky sicher, auch wenn hin und wieder unsaubere Töne dabei sind. Sie arbeiten Melodielinien im Adagio schön heraus und nutzen bei der Interpretation feines Vibrato, variieren die Klangfarbe um Akzente zu unterstreichen. Fantastisch im zweiten Teil und mit viel Applaus bedacht: die "Polowetzer Tänze" von Alexander Borodin. Und Dmitri Schostakovitch klingt, als wäre seine Musik für Gitarre komponiert worden. Der Lohn: drei Zugaben und sehr viel Applaus.

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