Freizeit Vier Verletzte bei der Tour

Radler auf der Kohlenstraße: In diesem Bereich ist es am vergangenen Samstag zu einem Unfall eines Tour-de-Hohenlohe-Teilnehmers gekommen.
Radler auf der Kohlenstraße: In diesem Bereich ist es am vergangenen Samstag zu einem Unfall eines Tour-de-Hohenlohe-Teilnehmers gekommen. © Foto: Bildquelle
Norbert Acker 15.09.2018

Während Hohenlohe und Schwäbisch Hall Tourismus in einer am Montag herausgegebenen Pressemitteilung zum Verlauf der diesjährigen Tour de Hohenlohe (siehe Fußkasten) von 1100 begeisterten Teilnehmern spricht, hat die Ausfahrt für einige Radfahrer kein gutes Ende genommen. Drei Radler mussten nach Stürzen ins Diak gebracht werden. „Wir haben vergangenes Wochenende eine schwer- und zwei lebensgefährlich verletze Personen stationär aufgenommen“, sagt auf Nachfrage dieser Zeitung Manuela Giesel, Pressesprecherin des Haller Klinikums. Weitere Einzelheiten zur Art der Verletzungen und dem Geschlecht der Patienten könne sie aus Gründen des Datenschutzes aber nicht nennen.

Stürze auf Straßen und Wegen

Das Landratsamt bestätigt auf Nachfrage dieser Zeitung sogar insgesamt vier Unfälle. Drei sind am vergangenen Samstag passiert. Der erste auf einem geteerten Radweg kurz vor Spöck, der nächste etwa 200 Meter vor Bühlerzell auf einer geteerten Straße und dann noch einer zwischen Buchhorn und Adelbach auf lockerem Wegboden. „Dort hat es aus kurzfristigen, uns unbekannte Gründen, Waldarbeiten mit schweren Geräten gegeben“, sagt Annika Wieland von der Pressestelle des Landratsamts. „Der Weg war beim Ausschildern in Ordnung. Die Waldarbeiten wurden ganz frisch Ende der Woche vorgenommen.“ Die am Samstag verletzten Personen seien alle mit Pedelecs, also E-Bikes, unterwegs gewesen. Am Sonntag ist dann ein Radler mit seinem normalen Rad auf der K 1902 in einer Kurve von einem Autofahrer geschnitten worden.

Von einer direkten Kommunikation der Unfälle habe man abgesehen, ergänzt die Sprecherin. „Uns war die Schwere der Verletzungen nicht bekannt. Aber selbst wenn uns diese bekannt gewesen wäre, hätten wir Details aus Datenschutzgründen nicht bekannt geben dürfen“, so Wieland. „Wir bedauern die schwerwiegenden Unfälle sehr und wünschen den Betroffenen gute Besserung. Wir hoffen, dass wir in den kommenden Jahren möglichst unfallfreie Touren erleben werden.“

Polizeireviere eingeschaltet

Verblüffung über die Unfälle herrscht bei der Polizei. „Die Stürze und Unfälle wurden nicht polizeilich aufgenommen oder gemeldet“, sagt Bernd Märkle von der Pressestelle des für den Landkreis Schwäbisch Hall zuständigen Polizeipräsidiums Aalen. Weder von den Rettungskräften noch von Zeugen sei man informiert worden. „Das verwundert uns.“ Die betroffenen Polizeireviere – die Tour ging durch die drei Landkreise Hall, Ostalb und Rems-Murr – seien aber nun informiert und würden sich in den Fällen, wo es nötig ist, um eine nachträgliche Unfallaufnahme kümmern.

Unachtsamkeit als Grund

Von Unfallschwerpunkten bei der diesjährigen Tour de Hohenlohe kann man aus Einschätzung des Landratsamts nicht reden. Ebenso will man nicht von einer Tour mit außergewöhnlich vielen Verletzten sprechen. „In den vergangenen fünf Jahren waren es insgesamt zwei, drei schwerwiegende Unfälle. Kleinere Verletzungen werden nicht erhoben“, so Wieland. Unachtsamkeit sei der Hauptgrund für die Unfälle, ergänzt die Pressesprecherin. „Allgemein haben wir festgestellt, dass durch den Anstieg der Pedelecs auch die Durchschnittsgeschwindigkeit gestiegen ist“, so Wieland.

Kaum Interesse an Trainings

Der ADFC (Allgemeiner deutscher Fahrradclub) beobachtet durch den vermehrten Einsatz von Pedelecs auch einen Anstieg der Unfallzahlen. „Sie werden außerdem schwerpunktmäßig von der älteren Generation genutzt, bei der auch leichtere Unfälle schon schwere Folgen haben können“, schreibt der Verband. Man setze sich daher für eine deutlich bessere Fahrradinfrastruktur ein, denn immer mehr Pedelec-Fahrer teilten sich die größtenteils unterdimensionierten Radwege mit den „normalen“ Fahrradfahrenden. „Unser Tipp für Pedelec-Einsteiger: Wer viele Jahre nicht mehr Fahrrad gefahren ist, sollte sich vor der ersten Ausfahrt mit dem Antriebs- und Bremsverhalten von Pedelecs vertraut machen, beispielsweise bei einer ausführlichen Probefahrt oder einem speziellen Sicherheitstraining“, so der ADFC. Leider seien Angebote von Sicherheitstrainings im Landkreis in der Vergangenheit nur wenig angenommen worden, ergänzt Dieter Wolfarth vom ADFC Schwäbisch Hall. So musste beispielsweise ein Sicherheitstraining in Hall vor einigen Jahren wegen nur einer Anmeldung ausfallen.

Vorgaben deutlich dargestellt

Im Vorfeld der Tour habe das Organisations-Team auf potenzielle Gefahren hingewiesen, sagt David Schneider, Geschäftsführer von Hohenlohe und Schwäbisch Hall Tourismus. Der zum Landkreis gehörende Verein organisiert die Tour. „Bei der Anmeldung hat jeder Teilnehmer ein Infoblatt erhalten, auf dem Sicherheitsvorgaben deutlich dargestellt sind. Insbesondere erfolgt die Teilnahme auf eigenes Risiko.“ Es sei auch ausdrücklich darauf hingewiesen worden, dass jeder auf seine Mitradler und vor allem auf den Straßenverkehr achten soll – ebenso sollte ein Helm getragen werden. An den Tourtagen finde darüber hinaus eine kurzfristige Streckenkontrollfahrt statt. „Bei Gefahrenstellen und steilen Abfahrten werden Schilder angebracht“, erklärt Schneider. „Außerdem fahren Begleitradler mit.“ Es handele sich aber um keine geführte Radtour, alle Teilnehmer könnten frei entscheiden, wie und wann sie welche Strecke abfahren. Das Deutsche Rote Kreuz betreue die Teilnehmer auch während der Fahrt. Mehr Unfallprävention kann man aus Sicht der Veranstalter nicht bieten. „Den Teilnehmern steht es frei, die Geschwindigkeit zu bestimmen“, so Schneider.

Auf dem Weg der Besserung

Mittlerweile haben die drei im Diak behandelten Radler das Schlimmste hinter sich. „Sie sind noch stationär bei uns, aber sie befinden sich auf dem Weg der Besserung“, so Diak-Sprecherin Manuela Giesel. Die Unfälle würden nun leider einen Schatten auf eine eigentlich gut verlaufene Aktion werfen, ergänzt abschließend noch Steffen Baumgartner, Leiter des Stabs des Landrats: „Wir freuen uns aber, dass es den Verletzten besser geht.“

Viel positive Rückmeldungen der Teilnehmer

Die Tour de Hohenlohe hat zwischen  dem 8. und 09. September über 1100 Radbegeisterte nach Rosengarten-Westheim gelockt. „Die zwischen 46 und 74 Kilometer langen Rundtouren führten durch das schöne Hohenloher Land, den Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald und die benachbarten Landkreise Ostalb und Rems-Murr“, schreibt Beate Philipp von Hohenlohe und Schwäbisch Hall in einer Pressemitteilung. „Die Teilnehmer genossen die Bewirtung durch die Vereine bei den Rasten in Bühlerzell und Murrhardt-Fornsbach sowie beim Radlerfest und Radlerausklang in Rosengarten-Westheim in vollen Zügen.“ Man freue sich über viele positive Rückmeldungen der Teilnehmer, von denen viele der Tour bereits seit Jahren treu seien.  hinweg treu sind. „Es ist für mich immer wieder schön zu sehen, wie dieses Event Einheimische und Touristen gleichermaßen begeistert“, so lässt sich Landrat Gerhard Bauer zitieren.

Auch im kommenden Jahr findet die Tour de Hohenlohe voraussichtlich wieder am letzten Sommerferien-Wochenende statt. Der Veranstaltungsort wird zur CMT 2019 bekanntgegeben. noa

103 Fahrradunfälle im vergangenen Jahr

Laut der Verkehrsstatistik 2017 des für den Landkreis Schwäbisch Hall zuständigen Polizeipräsidiums Aalen hat es im vergangenen Jahr 103 Fahrradunfälle im Kreisgebiet gegeben. 2016 waren es 111, 2015 sind 107 gezählt worden, 2014 waren es 108 und 2013 „nur“ 88. 2017 sind dabei 29 Radfahrer schwer verletzt worden, 67 haben leichte Verletzungen davongetragen. Getötet worden ist im vergangenen kein Radler (im Jahr zuvor hat es fünf Todesfälle nach Fahrradunfällen gegeben). noa

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