Schwer beladen betritt Andrea Otterbach den Werkraum im Untergeschoss der Wolpertshausener Grundschule. Zwei große Leinwände unter den Arm geklemmt und Farben in einem Korb in der anderen Hand. Sie hat heute viel vor. Vier Bilder hat die Hobbymalerin in Auftrag. Heute will sie eine neue Technik ausprobieren: „Pouring“. Farben mit einer speziellen Flüssigkeit anrühren, aufs Bild gießen, verlaufen lassen und mit einem Brenner trocknen.

Andrea Otterbach malt viel. Sie braucht keine feste Zeit und Menschen um sich herum, um am Bild zu bleiben. Eigentlich malt die Erzieherin sogar lieber alleine. Aber sie geht trotzdem hin zum Malkreis, der einmal monatlich, dienstags, angeboten wird.

Der Malkreis ist kein Kurs, es gibt keine Anleitung, keinen Unterricht. Material bringt sich jeder selbst mit. Jeder malt für sich. Wobei es durchaus sein kann, dass man vom anderen etwas abschauen kann, oder man sich gegenseitig Tipps gibt. „Man ist ja bei seinem eigenen Bild oft betriebsblind“, sagt Constanze Ohlrogge. Sie ist Initiatorin des Malkreises. Bei den Heimattagen im vergangenen Sommer hat sie mit weiteren Künstlern der Umgebung ausgestellt. Dabei wurde erzählt, dass es bis Ende der 80er-Jahre so einen Malkreis in Wolpertshausen gegeben hätte. Weil Ohlrogge das für eine prima Sache hielt, hat sie es in die Hand genommen. Wenn sie auch beim ersten Treffen im Oktober mit ihrem Sohn alleine im Werkraum saß, hat es sich bei den folgenden Terminen entwickelt. Mittlerweile sind sie vier Stamm-Malerinnen. Weitere sind willkommen.

Im hell erleuchteten Raum läuft kein Radio, es gibt keinen Tee oder Sekt, dafür muntere Unterhaltung der Frauen. Sabine Ziegler zeigt auf dem Handy ein Bild, das sie beim letzten Mal begonnen, nun vollendet und an eine Freundin verkauft hat. Sie reißt eine Leinwand aus der Verpackung und legt los. Rote Blütenblätter in Acryl sind nur einige Minuten später darauf. „Ich male viel und habe zu Hause, auf der Bühne, auch ein eigenes Malzimmer. Aber gemeinsam ist es schöner“, sagt sie.

Mohnblume von Foto abmalen

Edith Ziegler schafft es daheim nicht, so oft zu malen. Immer ist irgendwas, und eh man alles ausgepackt hat, lässt man es doch eher sein. Sie hatte heute keine Lust, viel mitzuschleppen. Darum hat sie nur einen Kasten Pastellkreide dabei und einen Block. Sie malt nach einem selbst geschossenen Foto eine Mohnblume ab.

Constanze Ohlrogge, die Goldschmiedin, fertigt Geschenke an. Sie malt kleine Landschaften mit Elch in einen Kreis, darüber klebt sie eine Glaskuppel. Es werden Kühlschrankmagnete.

Alle vier sind keine Laien, das wird schnell klar, wenn man sieht, wie sie arbeiten.  Das soll aber niemanden abschrecken, der nur einfach ein bisschen malen möchte. „Es geht ja einfach darum, einen Ort zu haben, an dem es keine Ausreden gibt. Einen Ort, an dem ich vier Stunden lang keine Ablenkung habe, und mich ins Malen vertiefen kann“, fasst es Constanze Ohlrogge zusammen.

Info Kontakt zu Constanze Ohlrogge: E-Mail ohlrogge@co-schmuck.de.

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