DLRG Schwäbisch Hall Vier Haller im Rettungsdienst an der Ostsee

Schwäbisch Hall/Pelzerhaken / Nico Mayer 08.08.2018
Bootsführer, Einsatztaucher und Rettungssanitäter der DLRG-Ortsgruppe Schwäbisch Hall verbringen einen Teil ihres Urlaubs auf der Wache Pelzerhaken an der Ostsee. Sie ermöglichen sicheres Baden.

Jedes Jahr werden die Strände von Nord- und Ostsee von ungezählten Rettungsschwimmern, Bootsführern und Wachleitern der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) aus ganz Deutschland ehrenamtlich in deren Urlaubs- und Freizeit bewacht. Auch Wasserretter der DLRG-Ortsgruppe Schwäbisch Hall waren dabei. In diesem Sommer unterstützten sie eine Gruppe aus Rheda-Wiedenbrück, das liegt in Nordrhein-Westfalen, welche die Rettungswache in Pelzerhaken im 50. Jahr besetzt. Vom 21. Juli bis zum 4. August sorgten die Haller Michael Baumann, Nico Mayer, Katrin Taller und Johannes Mutschischk zusammen mit den Kameraden aus NRW für die Sicherheit der Strand- und Badegäste.

Schon direkt ab dem ersten Tag sorgte die brütende Hitze, welche ungewöhnlicherweise auch an der See sehr zu spüren war, für volle Strände, schreibt Nico Mayer aus Hall. „Dies forderte die volle Einsatzbereitschaft der 23-köpfigen Wachmannschaft teilweise schon am frühen Morgen“, heißt es weiter. Aber die Mannschaft, darunter die vier Haller als Bootsführer, Einsatztaucher und Rettungssanitäter, sei bestens gewappnet gewesen. Auch die Zusammenarbeit mit Feuerwehr, der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger und dem Rettungsdienst sei vorbildlich verlaufen. Das habe sich bei einem Einsatz während einer Übung herausgestellt.

Die wacheigene Leitstelle erreichte die Information, dass sich auf einem der vor Anker liegenden Boote vor der Wache ein Patient mit Verdacht auf Herzinfarkt befindet. Kurzerhand wurden zusammen mit den anderen Hilfsorganisationen mit vier Booten alle umliegenden Boote angefahren, da die Informationen sehr dünn waren und nicht bekannt war, wo sich der Patient befindet. Währenddessen waren schon der Rettungswagen und Notarzt auf der Anfahrt und hielten sich am Ende der Seebrücke bereit. Nach aktiver Suche, auch von den  umliegenden Wachtürmen aus, konnte der Patient aufgespürt und in ärztliche Hände übergeben werden.

Surfer in der Flaute

Etwas später beobachteten zwei der vier Schwäbisch Haller DLRGler, die sich zu dieser Zeit auf der Nebenwache in Rettin befanden, einen Windsurfer, der schon längere Zeit nicht mehr auf sein Surfbrett kam. Nach weiterem Beobachten entschlossen sie sich, mit dem „IRB“ (Inflat­able-Rescue-Boat, das ist ein kleines Boot mit Außenbordmotor, das ursprünglich zur Surferrettung in Australien und Neuseeland verwendet wird) zu dem Surfer zu fahren und Hilfe zu leisten.

Der Surfer befand sich sehr weit entfernt vom Ufer in einem Bereich, den schnell fahrende Wasserfahrzeuge nutzten. Es bestand Gefahrenpotenzial. Kurz vor Erreichen des vermeintlich Erschöpften stieg dieser jedoch wieder auf und begann die Weiterfahrt. Es stellte sich heraus, dass er in eine Flaute geraten war. Unter Begleitung ging es zurück an den Strand. „Eine Bestätigung, wie wichtig ein wachsames Auge an den Stränden ist“, meint Mayer. Auch wenn der Windsurfer es aus eigener Kraft zurück an Land geschafft hätte, sei es ein gutes Gefühl, die Gefahr erkannt und gehandelt zu haben.

Wenige Tage vorher, als die Station Rettin ebenfalls von Hallern mitbesetzt war, nahmen sie einen Angler, der durch ein Motorboot an Land gebracht wurde, in Empfang. Ihm bohrte sich, als er die Angel auswerfen wollte, ein Angelhaken durch den Unterschenkel. Auch hier war der Rettungsdienst schon auf Anfahrt und der Patient konnte direkt übergeben werden. „Alle größeren Ereignisse verliefen glimpflich“, lautet das Fazit. Nebenbei wurden an den Stationen und Türmen Stiche, Schnitt- und Schürfverletzungen versorgt.

„Trotz allem gilt es, die Hitze nicht zu unterschätzen und sich stets abzukühlen und nicht zu überschätzen“, raten die Wasserretter. So warm das Wasser an der Oberfläche auch sein mag, nur wenig tiefer könne es durch sogenannte Sprungschichten um bis zu zehn Grad Celsius kälter sein. Das sei bei dieser Hitze eine zusätzliche Belastung für den angestrengten Körper. Weiterhin wird dringend geraten, dass Eltern ihre Kinder nicht aus den Augen lassen, auch wenn diese gut schwimmen können.

Spaß kommt nicht zu kurz

In dem familiären Kreis kommen auch Sport und Spaß nicht zu kurz, wie dem Bericht zu entnehmen ist. Beachvolleyball mit Musik am Strand, Wasserski, Fahrten mit dem Bananaboot, Schwimmen oder Abende in gemütlicher Runde mit dem Genießen des Sonnenuntergangs gehörten dazu.

Neben dem täglichen Dienst von 9 bis 18 Uhr stand am 28. Juli das alljährliche Ritual, die Ostseetaufe, an. Dabei wurden die Neulinge in der Wachmannschaft von Neptun und seinen Gehilfen in feierlichem Rahmen in die Kreise der Rettungsschwimmer aufgenommen. Mit nahezu 200 Gästen war die Taufe sehr gut besucht. Grund dafür war die parallel laufende Jubiläumsfeier „50 Jahre Wachdienst in Pelzerhaken“ durch die Kameraden aus Rheda-Wiedenbrück. „Es ist immer ein  Erlebnis und eine gute Tat, auf diese Art und Weise seinen Urlaub zu verbringen. Die vier Retter der Haller DLRG sind sicher, dass dies nicht ihr letzter ehrenamtlicher Einsatz an den Küsten war“, so Nico Mayer.

Autor Den Text hat Nico Mayer von der Haller Ortsgruppe der DLRG verfasst.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel