Porträt Vielen eine aufrechte Haltung gelehrt

Die Mädchen-Turngruppe trainiert jeden Dienstag von 18 bis 19:30 Uhr  in der Sporthalle in Vellberg-Großaltdorf.Nach vielen Jahren hört das Ehepaar Hajek (im Hintergrund) als Trainer auf.
Die Mädchen-Turngruppe trainiert jeden Dienstag von 18 bis 19:30 Uhr in der Sporthalle in Vellberg-Großaltdorf.Nach vielen Jahren hört das Ehepaar Hajek (im Hintergrund) als Trainer auf. © Foto: Johanna Horlacher
Vellberg / Johanna Horlacher 07.02.2017
Nahezu 20 Jahre haben sich Silvia und Werner Hajek aus Vellberg-Großaltdorf beim Sportverein für das Mädchenturnen engagiert. Jetzt möchten sie aufhören.

Auf dem Esszimmertisch im Haus der Familie Hajek in Großaltdorf liegen Fotoalben und zahlreiche Haller-Tagblatt-Zeitungsausschnitte. Auf vielen ist Tochter Andrea abgebildet, oft auf dem Siegertreppchen mit Medaille oder Pokal.

„Mit dem Mutter-Kind-Turnen hat alles angefangen“, berichtet Silvia Hajek, bald habe sich herausgestellt, dass die heute 20-jährige Andrea das Zeug für eine gute Turnerin hat. Beim Sportverein Großaltdorf ist damals eine Übungsleiterin ausgefallen und Silvia Hajek hat spontan ausgeholfen. „So bin ich nach und nach hineingewachsen“, erzählt die Mutter von vier Kindern rückblickend. Bald wurde der Bedarf an Übungsleitern größer und so hat man Vater Werner angeworben, auch er ein begeisterter Sportler.

Das Ehepaar hat die Übungsleiterausbildung gemacht und viele Fortbildungskurse besucht. Tochter Andrea wurde immer erfolgreicher und so sind Vater und Mutter Hajek mit den sportlichen Herausforderungen mitgewachsen. „Im Sportverein entstanden immer neue Altersgruppen und dann auch eine Wettkampfgruppe“, erklärt Werner Hajek. Es ging zu Kreiskinderturnfesten und Leichtathletikwettbewerben.

Schlafen auf Bodenmatten

Andrea Hajek lacht und erzählt, wie gut sie sich an eine Episode erinnert, als ein Kampfrichter fragte: „SV Großaltdorf – was ist denn das?“ Bald war der SV aber in Baden-Württemberg bekannt, denn die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Andrea Hajek wurde drei Mal württembergische Meisterin im Jahn-Sechskampf. Die Eltern fieberten mit und waren natürlich immer dabei. Die Wochenenden und darüber hinaus auch andere Tage waren ausgebucht.

„Wir sind in ganz Baden-Württemberg herumgekommen. Übernachten auf Bodenmatten in Turnhallen war nichts Außergewöhnliches“, berichten die Hajeks von ihrem sportlichen Leben.

Immer sei aber das ganze Team im Vordergrund gestanden sowie die Kameradschaft und der gute Zusammenhalt. Es habe viel Freude bereitet, die Kinder zu fördern und zu begleiten, schwärmen Silvia und Werner Hajek einstimmig und betonen: „Kinder, die im Verein aktiv sind, haben eben eindeutig Vorteile beim Schulsport.“ Eine Herausforderung sehen die Trainer darin, die richtige Balance zu finden, um die Kinder zum Üben zu motivieren – ohne zu viel Druck. Es werde auch viel gelacht und „dann sind natürlich auch der Erfolg und der Beifall wichtig“, betont Silvia Hajek.

Zum Turnsport gehöre Mut und Vertrauen. Die beiden Übungsleiter sind glücklich darüber, dass nie etwas Schlimmes passiert ist. „Am Reck Hilfestellung zu geben, ist keine einfache Sache“, erläutert Silvia Hajek. Deshalb seien helfende Hände wichtig. Neben den auswärtigen Wettkämpfen wird auch für die Teilnahme an Jahresfeiern und Festen im Ort geübt und werden Choreografien einstudiert.

Die Hajeks kommen gar nicht mehr aus dem Erzählen von den vielfältigen sportlichen Aktivitäten herraus und resümieren, dass es jetzt einfach Zeit wäre zum Aufhören. Insgesamt hätten sie doch einige vom Kind bis zum erwachsenen Sportler begleitet und manchem zu einer aufrechten Haltung verholfen. „Zumindest aber gute Noten im Sport“, fügt Silvia Hajek lachend an.

Lob und Anerkennung für das Engagement

„Wir verlieren zwei sehr engagierte und tolle Menschen in der Vereinsarbeit und danken den beiden von Herzen“, so der 1. Vorsitzende des SV Großaltdorf, Jens Neumann, zu Silvia und Werner Hajek. „Sie haben es den Kindern ermöglicht, vielfältige und tolle Einblicke in das Boden- und Geräteturnen auf sehr hohem Niveau zu bekommen.“

Ohne Sport wird es natürlich auch zukünftig nicht gehen. Es bleiben das jährliche Absolvieren des Sportabzeichens, die Wettkampfrichtertätigkeit und wenn es mal fehlt, springen die beiden auch als Ersatztrainer ein. Vielleicht wird sogar Tochter Andrea die Übungsleiterfunktion der Eltern übernehmen. Der SV Großaltdorf wird weiterhin mit den Hajeks rechnen können. joh

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