Landkreis Schwäbisch Hall Weniger Delikte auf dem Land

Ein Einbrecher leuchtet mit einer Taschenlampe in einen Raum. Versicherungen zahlen nichts, wenn der Einbrecher durch ein gekipptes Fenster einsteigt.
Ein Einbrecher leuchtet mit einer Taschenlampe in einen Raum. Versicherungen zahlen nichts, wenn der Einbrecher durch ein gekipptes Fenster einsteigt. © Foto: © Gina Sanders - Fotolia.com
Landkreis Schwäbisch Hall / Elisabeth Schweikert 23.08.2018
Größte Abnahme in Bühlertann, größter Zuwachs in Wolpertshausen.  Mehr als 60 Prozent der Fälle aufgeklärt.

Einbrecher kommen seltener in der Nacht. Die meisten Wohnungseinbrüche werden tagsüber verübt, berichtet Thomas Heiner (54), Leiter des Polizeireviers Schwäbisch Hall.

Er stellt im Gespräch mit dieser Zeitung die Kriminalitätsstatistik für die Gemeinden im Verbreitungsgebiet vor. Die Zahl der Wohungseinbrüche im Kreis Schwäbisch Hall sind 2017 zurückgegangen, von 133 auf 127.

Gleichwohl hat die Polizei ein starkes Augenmerk darauf, denn „das ist mit das Schlimmste, was einen ereilen kann“. Heiner weiß: „Viele der Betroffenen fühlen sich danach in ihren vier Wänden nicht mehr wohl.“ Manche ziehen nach einem Wohnungseinbruch sogar um. Immerhin: Mehr als 50 Prozent der Wohnungseinbrüche, die vergangenes Jahr im Kreis Hall verübt wurden, hat die Polizei aufgeklärt.

Beliebte Zeitpunkte, um einzubrechen, sei die Urlaubszeit oder die dunkle Jahreszeit. Die Neubaugebiete blieben meist verschont, weiß Heiner. Wer frisch gebaut hat, muss seine vier Wände abbezahlen, da gibt es nicht so viel zu holen. Zudem seien in Neubausiedlungen häufig Mütter und Kinder zu Hause.  Bevorzugtes Ziel sind Häuser in guten Wohnlagen, die ringsum eingewachsen sind. Für Hausbesitzer, die sowieso beispielsweise neue Fenster benötigen, empfiehlt Heiner, einen Termin mit Rainer Groß vom kriminalpolizeilichen Beratungsdienst zu vereinbaren: „Er kommt auch raus. Er sieht Schwachstellen, die man selbst vielleicht gar nicht bemerkt.“

Acht Einbrüche in Rosengarten

In Michelfeld ging die Zahl der Wohnungseinbrüche von elf in 2016 auf vier im Vorjahr zurück. In Rosengarten stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche von zwei auf acht. Und in Michelbach sank sie von einem auf null.

Bei der Übersicht über die Kriminalitätsstatistik in den Kreisgemeinden ist festzustellen: Insgesamt lebt man in den Gemeinden sicher. Auskunft darüber gibt die sogenannte Häufigkeitszahl. In  ganz Baden-Württemberg ereignen sich auf 100.000 Einwohner 5295 Delikte. Im Bereich des Landkreises sind es 3449, im Bereich des Polizeireviers Schwäbisch Hall sind es 3242. Fast alle Gemeinden im Verbreitungsgebiet liegen unter diesem Wert. Ilshofen liegt mit dem Häufigkeitswert von 3530 darüber. Ebenso Wolpertshausen, dort liegt der Häufigkeitswert bei 3895. In Wolpertshausen sind einmalige „Ausreißer“ dafür verantwortlich: zwei größere Schlägereien beim Seefest und Oktoberfest. Für Ilshofen wirkt sich aus, dass ein Betrüger in 45 Fällen Solarmodule verkaufte, die es gar nicht gab. Hinzu kamen zehn Fälle von Wohnungseinbrüchen (80 Prozent wurden aufgeklärt) sowie 30 Rauschgiftdelikte, die sich aber vor allem rund um das Event „Jungle Beat“ bei Saurach zutrugen. Weil die Waldlichtung auf Gemarkung Ilshofen liegt, werden sie dort verbucht, berichtet Heiner.

55 Prozent weniger Delikte

Beim Blick auf die Statistiken fällt zudem auf: Den größten Rückgang an Straftaten verzeichnete 2017 die Gemeinde Bühlertann – ein Minus von 55,2 Prozent. Wurden 2016 noch 58 Delikte erfasst, waren es 2017 nur noch 26. Die höchste Aufklärungsquote in einer Gemeinde im Gebiet des Polizeireviers Schwäbisch Hall war 2017 in Sulzbach-Laufen: 83 Prozent. „Das liegt daran, dass wir dort viele Betäubungsmittel-Delikte hatten“, berichtet Heiner.  Traditionell sei die Aufklärungsquote bei Rauschgiftdelikten hoch, fast bei 100 Prozent: „Man kennt seine Pappenheimer.“ Die geringste Aufklärungsquote verzeichnet die Polizei in Michelbach. Dort gab es viele Sachbeschädigungen an Spiel- und Grillplätzen.

Info In den kommenden Wochen werden für alle Gemeinden die Statistiken vorgestellt.

Hall ist das drittgrößte Polizeirevier im Land

Das Polizeirevier Schwäbisch Hall ist – bezogen auf die Fläche – das drittgrößte Revier im Land. Es ist für  ein Gebiet von 730 Quadratkilometern zuständig. Das größte Polizeirevier ist das in Crailsheim, es deckt den Raum zwischen Frankenhardt und Schrozberg, zwischen Langenburg und Fichtenau ab. Das Polizeirevier Schwäbisch Hall ist zuständig für den Altkreis Schwäbisch Hall und das Limpurger Land. Ergänzend zur Hauptstelle in Schwäbisch Hall (momentan noch im Gräterweg) sorgen Beamte in vier Polizeiposten für Recht und Ordnung: In Mainhardt (zwei Stellen), in Gaildorf (13 Stellen), in Ilshofen (vier Stellen) und in Bühlertann (drei Stellen).  „Es ist wichtig, dass wir nah am Bürger dran sind“, betont der Leiter des Haller Reviers, Polizeioberrat Thomas Heiner (54). Seit Januar ist er für das Haller Revier verantwortlich, zuvor war er 13 Jahre in Crailsheim tätig.

Die Polizeiposten sind für die Bearbeitung der einfachen Fälle zuständig, für Diebstahl, Sachbeschädigung oder Körperverletzung, berichtet Heiner. Bei schweren Fällen oder gar bei Verbrechen wie Vergewaltigung, Mord oder  Raub wird das Haller Polizeirevier hinzugezogen. Der Polizeiposten in Gaildorf nimmt auch Verkehrsunfälle auf. Bei Unfällen mit schwer verletzten Menschen kommen die Polizeibeamten von der Verkehrspolizeidirektion in Kirchberg hinzu. sel

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