Bauwirtschaft Viele Aufträge, wenig Personal

Dieser Bauarbeiter hat alle Hände voll zu tun. So wie ihm geht es vielen seiner Kollegen.
Dieser Bauarbeiter hat alle Hände voll zu tun. So wie ihm geht es vielen seiner Kollegen. © Foto: IG BAU
Schwäbisch Hall / Jürgen Stegmaier 14.03.2018

Im Jahresdurchschnitt waren 2017 ständig 175 Stellen bei den Bauunternehmen im Landkreis Schwäbisch Hall unbesetzt. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt spricht von einem „Alarmsignal“. „Während die Baukonjunktur so gut dasteht wie zuletzt Ende der 1990er-Jahre, finden heimische Unternehmen oft keine Fachleute mehr“, sagt Mike Paul. Er ist der Bezirksvorsitzende der IG BAU Stuttgart. „Einerseits haben viele Firmen trotz anziehender Auftragslage ihre Personaldecke in den letzten Jahren nicht ausreichend aufgestockt. Andererseits hat der Bau mit einem großen Nachwuchsproblem zu kämpfen.“ Bau-Azubis würden mehr als in allen anderen Branchen verdienen – doch immer mehr Schulabgänger ziehe es an die Hochschulen und Universitäten, meint der Gewerkschafter.

Auf Kunden wirkt sich der Fachkräftemangel gravierend aus. Der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) stellt fest, dass viele Betriebe bis zum Anschlag ausgelastet sind, der Auftragsbestand reiche für durchschnittlich elf Wochen. Wer heute einen Auftrag für die Sanierung des Badezimmers oder das Pflastern der Garageneinfahrt vergibt, müsse sich auf lange Wartezeiten einstellen.

Viele Inhaber sind älter

Der ZDH geht davon aus, dass sich die Lage auf dem Bau eher noch verschlechtern wird. Das hat damit zu tun, dass viele ältere Handwerker, ein großer Teil gehört zur Baubranche, keinen Nachfolger für ihre Unternehmen finden. 200 000 Inhaber von Handwerksbetrieben sind älter als 60 Jahre, 90 000 haben das Alter von 65 bereits überschritten.  Junge Menschen, die die Betriebe übernehmen könnten, sind nicht in ausreichender Anzahl in Sicht. In den vergangenen 20 Jahren habe sich die Zahl der Auszubildenden nahezu halbiert.

Ordentliches Auskommen

Das beste Rezept gegen den Fachkräftemangel sei, so schreibt die IG BAU, den Beschäftigten ein ordentliches Auskommen und gute Arbeitsbedingungen zu bieten. Anfang März wurden sich Gewerkschaft und Unternehmen einig über eine Aufstockung des Lohns. Seitdem gilt für die 3610 Bauarbeiter in den 180 Unternehmen im Landkreis Schwäbisch Hall ein neuer Mindestlohn:  14,95 Euro. Doch dieser spielt in der Baubranche nur eine untergeordnete Rolle. Von Bedeutung ist der Tariflohn. Dieser liegt im Baugewerbe bei 19,51 Euro in der Stunde. Ungelernte Helfer haben Anspruch auf 11,75 Euro in der Stunde.

In der aktuellen Tarifrunde fordert die Bau-Gewerkschaft einerseits eine Anhebung der Löhne um 6 Prozent, andererseits setzt sie sich dafür ein, dass die Arbeitgeber die Fahrzeiten als Arbeitszeit anrechnen.

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Tage lang bleiben in Deutschland offene Stellen für Klempner, Sanitär- und Heizungsfachleute durchschnittlich unbesetzt.

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