Schwäbisch Hall / Norbert Acker  Uhr
Bis zu 3000 Besucher zieht am Samstag die Berufswahlmesse im Schulzentrum West an. Eine große Spannbreite von Berufen wird präsentiert.

Schon bevor das Schulzentrum West am vergangenen Samstag um 11 Uhr geöffnet wird, stehen zahlreiche Jugendliche, manche in Begleitung der Eltern, vor den Türen. Kaum sind diese offen, strömen die Menschen ins Schulgebäude. Über 70 Aussteller informieren bei der Berufswahlmesse über Ausbildungs- und Studiengänge oder weiterführende Schulen. „Ich schätze, es kommen so zwischen 2000 und 3000 Besucher“, sagt Karlheinz Lang gegen Mittag. Der Rektor im Ruhestand hat die Messe federführend mitorganisiert. „Man kann sicher sagen, dass die Leute aus einem Umkreis von fast 50 Kilometern kommen“, ergänzt der Pädagoge.

Leila Rothmund ist seit Anfang Oktober die Leiterin des Fachbereichs Gesundheit an der Haller Volkshochschule.

Man habe auf Ausstellerseite einige „Stammgäste“, die schon von Anfang an bei der alle zwei Jahre stattfindenden Messe dabei sind, erzählt Lang. Es seien aber auch einige vor Ort, die das erste mal teilnähmen. „Nachdem am Donnerstag in der Zeitung eine Beilage zur Messe erschienen ist, haben sich sogar noch weitere gemeldet“, so Lang. Einen zusätzlichen Aussteller habe er noch unterbringen können, für weitere sei es aber leider zu kurzfristig gewesen. Am Ende kommt die Messe auf 76 Aussteller aus allen möglichen Bereichen. „Wir legen Wert darauf, eine große Vielfalt an Berufen zu präsentieren“, ergänzt der Ex-Rektor.

Berufe für jeden sind dabei

Das wird deutlich beim Gang durch Schulstraße, Aula, Mensa und Hagenbachhalle. Ob Handwerksbetriebe, Einzelhandel, schulische Ausbildungsangebote, soziale Berufe, Polizei oder öffentlicher Dienst, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Und so schieben sich von 11 bis 15 Uhr die Schülermassen durch die Schule, lassen sich informieren und nehmen die Mitmach- oder Ausprobierangebote an den Ständen wahr. „Ich kann mir vorstellen, ins Bäckerhandwerk einzusteigen“, sagt Johanna Kühnle. Die Schülerin der Sibilla-Egen-Schule bestreicht unter den wachsamen Augen von Azubi Celine Gärttling am Stand der Bäckerei Gräter einen Amerikaner mit Zuckerglasur und verziert ihn noch. Bei der Haller Filiale der INAB (Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft des bfw mbH) kann man sich an der Säge ausprobieren, beim Bühlertanner Elektrotechnik Fachbetrieb seine Geschicklichkeit und eine ruhige Hand bei einem Stromkreistest beweisen.

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Langeweile kommt nicht auf

Am Stand der Polizei stehen zwei Beamtinnen in Ausbildung in voller Einsatzmontur. Sie und Einstellungsberater Micha Weippert haben viel zu tun, der Andrang ist groß. „Durch solche Messen bekommen wir immer wieder Nachwuchs“, berichtet Polizeihauptkommissar Hermann Schüttler vom Haller Revier. Schräg gegenüber ist die Bundespolizei präsent, allerdings nur mit einem Beamten. Auch er kann sich nicht über Langeweile beschweren.

Kammer ehrt 533 Meister und Meisterinnen. Präsident Krimmer: Sie haben Berufe mit Zukunft.

„Die Besucher kommen wellenartig“, sagt hingegen Sarah Kühnel vom Modepark Röther. Das Interesse an den acht Ausbildungsberufen und den drei dualen Studiengängen, die in ihrem Unternehmen angeboten werden, sei aber sehr groß. Der Modepark nimmt zum ersten Mal an der Messe teil. „Das hat sich gelohnt. Wir hatten auch viele Praktikumsanfragen“, so Kühnel.

50 von 80 Lehrkräften der Gemeinschaftsschule am Schulzentrum West haben am Messetag mitgeholfen, von Schülerseite haben vier Klassen beim Aufbau und an den Infopoints mitgemacht. „Ich gucke mich noch um. Ich interessiere mich für einen chemischen Beruf“, sagt der Zehntklässler David Kuhn. „Dann mache ich bei der zweiten Helferschicht mit. Ich finde nämlich, dass das hier eine ganz wichtige Veranstaltung ist.“

Ein positives Fazit

Das große Engagement freue ihn sehr, sagt Thomas Kuhn, Rektor der Gemeinschaftsschule: „Unsere Messe ist ja mittlerweile die einzige ihrer Art in der Region, die noch an einer Schule stattfindet.“ Um 15 Uhr gehen nicht nur viele Schüler mit massig Infomaterial nach Hause, auch Aussteller und Organisatoren ziehen ein positives Fazit. „Es ist schwer, sich im heutigen Ausbildungsdschungel zurechtzufinden“, sagt Karlheinz Lang. Da helfe solch eine Messe enorm. „Denn zwei Dinge sind im Leben wichtig: Vorsicht bei der Partnersuche und Augen auf bei der Berufswahl“, fügt er augenzwinkernd hinzu. Trotz Ruhestand könne er sich vorstellen, in zwei Jahren noch mal bei der Organisation mitzuhelfen: „Wenn man den Bundestag verlässt, bekommt man einen Beratervertrag. Ich würde es sogar kostenlos machen.“

Kleiner Eklat auf dem Schulhof

Vertreter des DGB und der Friedensbewegung haben vor dem Schulzentrum West dagegen protestiert, das auch die Bundeswehr bei der Berufswahlmesse auf Nachwuchssuche war. „Wir haben vorher schriftlich um Erlaubnis gebeten. Die ist uns aber verwehrt worden“, so DGB-Kreisvorsitzender Siegfried Hubele. Man habe sich dann entschieden, trotzdem zu kommen und Flugblätter zu verteilen. Unter dem Titel „Kein Werben fürs Sterben“ ist dort zu lesen gewesen, das die Bundeswehr nicht in Schulen und auf Ausbildungsmessen gehöre. Der Aufforderung von Thomas Kuhn, Rektor der Gemeinschaftsschule am Schulzentrum West, das Gelände zu verlassen, sind die Aktivisten erst gefolgt, als keine Flugblätter mehr da waren. „Ich schätze das Engagement dieser Leute durchaus“, so Kuhn. Man lehne politische Aktionen an der Schule aber ab. noa