Ganze 68 Seiten umfassen alle Begründungen, Abwägungen, Artenschutz- und Biotopschutzgutachten, die für den Bebauungsplan „Zeilwiesen“ nötig sind. Sie werden den Stadträten im Bau- und Planungsausschuss vorgelegt. Die Familie Kunz vom Rössle in Veinau möchte ihr Hotel erweitern: mehr Ferienwohnungen, ein Wohnhaus, eine Sauna am Naturteich. Das Gelände am Ortsrand ist riesig, die Baufelder darauf sehr klein.

Vogeleier liegen lassen

„Die Gutachten kosten den Bauherrn bestimmt 30 000 Euro“, rechnet Hartmut Baumann, FWV-Fraktionssprecher, vor. Er zitiert aus dem Konvolut: „Prognose der Entwicklung des Umweltzustandes bei Nichtdurchführung der Planung: Bei Nichtdurchführung der Planung wird das Gebiet wie bisher genutzt werden.“ Der Gutachter würde nach ausgiebiger Analyse damit sagen: Wenn man nichts macht, passiert nichts. „Das ist so unnötig wie ein Kropf.“ Der Statiker wird fündig: „Auf Seite 10 werden einfach mal alle Biotoparten aufgelistet. Das ist zipfelsinnig. Dann wundert man sich, dass das Bauen immer teurer wird.“ Zipfelsinnig bedeutet so viel wie „halb verrückt“. Ganz Europa würde über solche unnötigen Gutachten lachen. Wer in den Texten blättert, stößt auf Kurioses, dessen Zusammenhang man mit einem Hotelgebäude nicht so leicht erahnt. So wird Artikel 5 der EU-Vogelschutzrichtlinie vom 2. April 1979 zitiert: „Verbot des Sammelns der Eier in der Natur und des Besitzes dieser Eier, auch in leerem Zustand“. Aha!

Regelwerk verteidigt

SPD-Stadtrat Nikolaos Sakellariou kontert die Kritik: „Es geht um eine Bebauung im Außenbereich.“ Die sei eben stark reglementiert, da man dort an sich nicht bauen darf. Der Planungsaufwand sei daher berechtigt. Hätte man einen Bauernhof erweitert, müsste man nicht so viel Papier produzieren. Das ruft CDU-Stadtrat und Landwirt Ulrich Reichert auf den Plan: „Wenn Sie dort für die Landwirtschaft bauen, wäre der Papierstoß doppelt so dick.“

Baubürgermeister Peter Klink betont, dass in Hall nicht mehr Vorschriften angewendet werden als anderswo im Land. Oberbürgermeister Pelgrim kann der Kritik von Hartmut Baumann folgen. „Das ist eine Grundsatzdiskussion: Wie viel kommunale Selbstverwaltung haben wir? Eigentlich sollte ein Gemeinderat in der Lage sein abzuwägen, ob eine Bebauung im Außenbereich zu machen ist.“ Ob sie nun alle 68 Seiten durchgelesen haben oder nicht: Alle Stadträte sind für die Hotel­erweiterung.  tob