Kirche Viel auf den Weg gebracht

Nach zehn Jahren verlassen Dekan Georg Ottmar und seine Frau Annegret Fahrbach-Ottmar Weinsberg. Neue Aufgaben warten in Schwäbisch Hall.
Nach zehn Jahren verlassen Dekan Georg Ottmar und seine Frau Annegret Fahrbach-Ottmar Weinsberg. Neue Aufgaben warten in Schwäbisch Hall. © Foto: Margit Stöhr-Michalsky
Weinsberg/Hall / Margit Stöhr-Michalsky 21.08.2018

Es herrscht Abschiedsstimmung im Dekanat an der Weinsberger Kirchstaffel. Viele Arbeiten kommen auf Dekan Georg Ottmar zu. Zum Beispiel, die Bücher in den Regalen seines Büros zu sichten und zu packen. Ehefrau Annegret Fahrbach-Ottmar sortiert den Haushalt – dazu gehören 220 Blumentöpfe der Gartenliebhaberin.

Nach zehn Jahren der Tätigkeit in Weinsberg steht in Kürze der Umzug nach Schwäbisch Hall an, wo Ottmar früher geschäftsführender Pfarrer im Diak war. Eigentlich sollte das vor einem Jahr in Hall erworbene Haus der Altersruhesitz werden. Jetzt ist es anders gekommen. Georg Ottmar übernimmt ab 1. September neue Aufgaben in der Evangelischen Landeskirche. Der 60-Jährige wird sowohl Begleiter und Coach für Dekane in den ersten Amtsjahren sein, als auch den Prozess „Kirche, Gemeinde und Pfarramt neu denken“ gestalten. Er wird im heimischen Büro arbeiten, ist aber auch in den Dekanaten in Württemberg unterwegs. 

Für das Ehepaar ist es der fünfte gemeinsame Umzug. „Es fällt schon schwer. Man lässt jedes Mal Menschen zurück“, so Fahrbach-Ottmar. Viele persönliche Kontakte sind entstanden. Sie war Vertrauensfrau, arbeitete bei Kinderbibeltagen mit und leitete die Frauenrunde. „Da treffen sich Frauen seit 50 Jahren“, sagt sie. Jetzt haben sie Sorge, ob die Gruppe bestehen bleibt.

Für Georg Ottmar geht eine Zeit zu Ende, die viel Energie kostete, die ihn aber auch mit Freude erfüllte. Was die Ehefrau in ihrem Dekanatsgarten pflanzte, setzte der Dekan für die Gemeinde und im Bezirk „in die Erde“. „Meine Pflanzzeit in Weinsberg ist zu Ende“, sagt er selbst. Auf Menschen zugehen, Räume für den Austausch schaffen, umsichtig Veränderungen begleiten, die ganze Gemeinde im Blick haben und die Zukunft, das ist seine Berufung. Ein dicker Brocken war der umzusetzende Pfarrplan der Landeskirche. Zu Beginn musste eine Lösung für die emotional diskutierte Pfarrstellenreduzierung in Wüstenrot-Maienfels gefunden werden. Für Ottmar war es dabei wichtig, offen und transparent zu arbeiten und Schritt für Schritt zu einer tragbaren Entscheidung zu kommen. Der aktuelle Schritt in die Zukunft ist die Zusammenführung der Dekanate Weinsberg und Neuenstadt. 2010 startete Georg Ottmar die Talente-Aktion, um den Umbau des Gemeindehauses mit zu finanzieren. Stolz ist er, dass ebenfalls durch privates Engagement die Glasfenster von Johannes Schreiter im Ostchor der Johanneskirche in Weinsberg ermöglicht werden konnten. Die 2016 gegründete „Stiftung Johanneskirche“ ist eine weitere Pflanze, die in die Zukunft wächst.

Die Ökumene ist ihm ein Anliegen. Mit der Gründung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen habe sich ein gutes Verständnis entwickelt, betont Ottmar. Ebenfalls wichtig war, eine finanzielle Sicherheit für die Ehrenamtlichen im Freizeitheim des ­evangelischen Kirchenbezirks Weinsberg zu schaffen.

Eine schwierige finanzielle Situation fand Ottmar als Vorstandsmitglied in der Evangelischen Tagungsstätte Löwenstein vor. Auch hier galt es, umsichtig umzustrukturieren. „Da ist vieles gelungen“, freut er sich. Eines habe er jedoch nicht geschafft, und das schmerze ihn. „Es ist mir nicht gelungen, mit Menschen zu sprechen, die aus der Kirche austreten wollen.“

Info Die Verabschiedung von Dekan Georg Ottmar findet am Sonntag, 26. August, 17 Uhr in der Johanneskirche in Weinsberg statt.

Theologe und Heilerziehungspfleger

Das Theologiestudium führte Georg Ottmar, der in Stuttgart-­Vaihingen geboren ist, nach Tübingen, Basel, Heidelberg und Berlin. Nach dem Studium begann er sein Vikariat auf der Schwäbischen Alb bei den Mariaberger Heimen. Hier lernte er seine Frau Annegret kennen. Parallel dazu erfolgte eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. Nach verschiedenen Stationen arbeitete Ottmar schon einmal in Schwäbisch Hall, neun Jahre beim Evangelischen Diakoniewerk als geschäftsführender Pfarrer und kümmerte sich um Seelsorge, Diakonenausbildung und Behindertenhilfe. Ein Gästezimmer im Haus in Schwäbisch Hall ist für die erwachsenen Kinder reserviert. mam

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel